Sagt Ihnen der Name Peterschmitt etwas? Schon mal gehört, ach ja. Kommt einem irgendwie bekannt vor, hat doch vor kurzem in Baden-Baden gewonnen. Stimmt genau. Nicht nur einmal. Weil es so schön war, gleich dreimal. Erst Contas,9 Jahre alt. Dann Kara´s Boss, stammt noch von Nebos ab und zählt elf Lenze und schließlich Ibn al Nature zum Dritten, auch immerhin bereits sieben. Alles Herrschaften im betagten Rennalter, und das schützt bekanntlich in unserer kleinen Geschichte nicht vor dem Siegen. Und da tummeln sich noch ein paar andere betagte Wallache auf der Trainingsliste, wie z.B. Wagner, ehemaliges Jenny-Pferd oder Monterosso, zarte dreizehn Jahre jung. Zugegebenermaßen befinden wir uns in den Niederungen des Basissports, doch das stört Christian Peterschmitt nicht im geringsten.
Der 39-jährige Diplom-Betriebswirt und Informatiker hat vor annähernd 30 Jahren eine Leidenschaft für sich entdeckt, die der schnellen Vollblüter, und das Jahr 2009 ist soetwas wie ein Kulminationspunkt in der 20-jährigen Besitzertrainergeschichte des in Bottenbach, einer 600 Seelen-Gemeinde, ca. 20 Kilometer von Zweibrücken entfernt, ansässigen Frohnatur. Die nackten Zahlen sprechen für sich: vier Starter, dreizehn Starts, acht Sieger, darunter jeweils ein Doppelerfolg in Mannheim und Saarbrücken und das Triple von Iffezheim: Wahnsinn.
‚Wir warten eigentlich seit Wochen aufs Tief‘, bringt es Christian Peterschmitt auf den Punkt. ‚Aber es will sich einfach nicht einstellen‘. Unsere Rentnerband hat momentan richtig Spaß am Schnellaufen. Und das mit Baden-Baden war der absolute Hammer, wann gewinnt man schon mal drei Rennen in drei Tagen‘. Recht hat der Mann. Gewinnen ist halt am schönsten.
Da soll es Leute geben, die besitzen seit Jahrzehnten Rennpferde und warten immer noch auf den ersten Treffer in Baden. Und bei den Peterschmitts geht das mal eben so nebenbei. Vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis ihres Erfolges. Man gibts sich stets locker, unverkrampft, hat en Galopprennsport noch nie als Lizenz zum Gelddrucken gesehen, eher das Gegenteil ist schließlich der Fall, so wie es halt den meisten ergeht.
‚Wir betrachten die Rennen als pures Hobby, nicht mehr und nicht weniger, daneben habe ich das Glück, dass meine Ehefrau voll mitzieht. Das Ganze ist Teamarbeit und die Pferde erhalten vor allen Dingen die nötige Abwechslung. Mal fahren wir zum Galopp auf die benachbarte Zweibrücker Rennbahn, einen Tag später geht meine Frau Dressur mit den Pferden sprich Gymnastik, mal wird gesprungen, mal ist Koppel angesagt‘.
Auf dem Pirmanssteinerhof sind die Peterschmitts zu Hause. Sie, Tierärztin. Er, wie gesagt Informatiker oder anders gesagt Netzwerkadministrator mit dem Hang und der Leidenschaft, täglich mit Pferden zu arbeiten. ‚Das ist ein willkommener Ausgleich, der uns einfach riesige Freude bereitet. Die Pferde gehören zur Familie und sind gar nicht mehr wegzudenken‘. Schon jetzt kann es der passionierte Pferdeliebhaber kaum erwarten, dass es auf seiner Lieblingsbahn im Winter wieder losgeht. ‚Ich hoffe, dass die das hinkriegen, nicht nur weil ich Verwandtschaft in Neuss habe. Diese kleine eckige Bahn hat etwas, ich mag die Atmosphäre dort. Deshalb fahren wir fast regelmäßig viele hundert Kilometer.
Das geht morgens schon gegen 4.30 Uhr mit den Vorbereitungen los. Man ist dann in der kommenden Nacht zwischen 1.00 und 2.00 Uhr zuhause. Aber es macht uns allen einfach nur Spaß, ich hoffe innigst, dass die Winterrennen erhalten bleiben. Obwohl es früher natürlich einfacher war, Geld zu verdienen, weil es kleinere Felder gab. Aber sei es drum, schließlich erhalten die vierbeinigen Rentner bereits ihre Ruhe nach den Erfolgswochen.
‚Sie werden abtrainiert und sollen in den Sommermonaten, wo die Geläufe der Rennbahnen zu hart sind, ihre wohlverdiente Ruhezeit erhalten. Mehr als fünf Starts pro Saison sind selten, die Herrschaften danken es mir‘, begründet Peterschmitt den Unterschied zu denen, die Pferde zweistellig in der Saison anspannen. Es funktioniert eben alles ein bißchen anders tief im Südwesten der Republik, wo der Rennsport im wahrsten Sinne des Wortes noch lebt. Dabei ist man im Übrigen keine 10 Kilometer vom Nachbarland Frankreich entfernt.
Doch auf die Idee, die Pferde im gelobten Land jenseits des Rheines laufen zu lassen, entgegnet der Besitzertrainer lapidar: ‚Dafür fehlt meinen Pferden die Klasse, und wir müssen schließlich etwas für die eigenen Rennvereine tun. Zudem bedeutet der Start im Ausland mehr Aufwand, mehr Risiko und in jedem Fall mehr Kosten. Nein, nein. Da bleibe ich lieber bei meinen Wurzeln. Ach übrigens. Ohne Glück geht gar nichts, ein ebenso wichtiger Faktor. Das haben wir halt momentan‘.
Das war nicht immer so. So lernte Peterschmitt auch die Schattenseiten des Sports kennen. Der Verlust des treuen Sunny General war ebenso ein dunkles Kapitel wie Bodo Bottenbachs Tod. ‚Angefangen hat alles übrigens mit einer Halbblutstute‘, erinnert sich Christian Peterschmitt. ‚Sie schenkte mir ein Fohlen mit Namen Gottavio, den ich schließlich selbst trainieren wollte. Und genau so kam es schließlich mit dem Ergebnis, dass ich Blut geleckt habe und mich der Virus Galopprennsport nicht mehr losgelassen hat, bis heute.‘
Nunmehr wagt man sich im Hause Peterschmitt sogar an jüngere Pferde heran. ‚Obwohl uns da irgendwie auch die Voraussetzungen einer großen Bahn fehlen, um junge Pferde zu trainieren. Die Bahn in Zweibrücken ist vorbildlich, die Sandbahn ist top. Aber mehr als Kopf Kopf von den bewährten Reiterinnen Andrea Glomba und Traudel Knieser, die für Galopps zuständig sind, ist einfach nicht drin. Ein richtiges Lot mit Führpferd gibt es bei uns nicht‘, so Peterschmitt. Trotz allem.
Spricht man von Nachwuchs, so meint man damit einen Vierjährigen. ‚Wie gesagt junge sprich zweijährige Pferde vorzubereiten, verschlingt Unmengen an Geld, bis die mal laufen‘. Deshalb ist bei uns jung z.B. Wildwechsel, ein vierjähriger Black Sam Bellamy-Sohn aus der Wurfspiel‘. Hört sich gut an. Oder Tyke: ein Platini-Sohn aus derTraummädchen. Wie kommt Peterschmitt an seine Pferde? ‚Lauter Zufälle‘ entgegnet er unverdrossen.
‚Keine besonderen Auswahlkriterien‘, sie erhalten halt Zeit bei uns und danken es, punkt.‘ Auf die Frage, wie es mit dem Rennsport in Deutschland weitergehen wird, entgegnet Peterschmitt kämpferisch: ‚Es muss weitergehen. Vermutlich werden die Besitzer Geld in den Pott legen, um den wir dann laufen werden. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass es irgendwann aufwärts geht.
Wichtig ist, das wir bei allem den Respekt von den Tieren bewahren und nicht immer ans Geld verdienen denken. Okay, wir haben halt hier eine andere Brille bezüglich des Rennsports auf. Unsere Pferde sind Familienmitglieder und bleiben es auch. Bestes Beispiel ist der betagte Beau Felix, mit dem der Besitzertrainer zahlreiche Rennen gewinnen konnte und der heute das Reitpferd der Ehefrau ist.
‚Am liebsten gebe ich keinen mehr her‘, aber das geht auf lange Sicht natürlich auch nicht.‘ Jedenfalls genießt man den momentanen Erfolg auf dem Pirmannsteinerhof, so kann das nächste Tief ruhig noch etwas länger auf sich warten lassen. Mit soviel Enthusiasmus ist das schließlich nicht ausgeschlossen.











