Die Russen kommen – Shuttle-Rennstall aus Tatarstan

In der Vollblutzucht sind Shuttle-Hengste längst keine Besonderheit mehr. Je nach Kundennachfrage und Decksaison pendeln die Deckhengste zwischen Ost und West sowie der nördlichen und südlichen Hemisphäre. Einen Shuttle-Rennstall bestehend aus einem halben Dutzend Pferde, hat man dagegen in Deutschland bisher noch nicht gesehen.

Mit einer solchen Besonderheit kann seit einigen Wochen das Trainingsquartier von Wilhelm Giedt in Hannover aufwarten. Auf der Trainingsliste des Coaches von der Neuen Bult stehen seit kurzem sechs Pferde des Stalles Nurlatski. Hinter diesem Decknamen verbirgt sich der hochrangige Politiker und Geschäftsmann Prof. Dr. Fatikh Sibagatullin aus Tatarstan.

Der Ex-Landwirtschaftsminister der russischen Teilrepublik, die 800 Kilometer östlich zwischen Moskau und dem Ural liegt, ließ sich zu einem eher ungewöhnlichen Projekt hinreißen: Einem Shuttle-Rennstall.

Bis Ende April sollen die Pferde in Deutschland unter der Regie von Wilhelm Giedt an den Start kommen, bevor es zu Beginn der Saison in Moskau wieder in die heimatlichen Gefilde geht. Ende Oktober, wenn die Saison in Russland zuende geht, werden die Pferde wieder nach Deutschland überstellt.

Nach ihrer Ankunft in Langenhagen sind die Pferde zwischenzeitlich zwecks Vorbereitung auf die Sandbahnrennen nach Dortmund-Wambel überstellt worden, wo Wilhelm Giedt eine zeitlich begrenzte Dependance eröffnet hat. Nun heißt es für den Trainer von der Neuen Bult regelmäßig zwischen den beiden Hippodromen zu pendeln, um seine Schützlinge in der Morgenarbeit in Augenschein zu nehmen.

Ständiger Betreuer vor Ort ist Max Kantakusin, dem Deutschland durch den Start von Pferden aus der Ukraine in der Vergangenheit noch bestens bekannt ist. „Ich freue mich, dass Max mit dabei ist und mir in meiner Abwesenheit in Dortmund eine große Stütze und Hilfe ist“ lobt Wilhelm Giedt seinen Betreuer.

Die Chancen der Pferde aus Tatarstan sind derzeit noch schwer zu beurteilen. In einem ist sich Wilhelm Giedt aber sicher: „Wenn die Pferde zu einhundert Prozent auf dem Posten sind, dann werden Cimliansk und Lamborn, die in ihrer Heimat die beiden besten Gruppe I-Pferde sind, im höchsten Handicap in Deutschland bestehen können.“

Den Anfang werden am Sonntag am Hessentor der russische Derbysieger Cimliansk sowie der Triumphator im Präsidenten-Cup Lamborn machen, für die Wilhelm Giedt bei ihrem Deutschland-Debüt Andrasch Starke verpflichten konnte. Während sich Wilhelm Giedt bei Cimliansk aufgrund der starken Konkurrenz und der vielleicht zu kurzen Distanz eher verhalten optimistisch präsentiert, schätzt der Trainer die Möglichkeiten von Lamborn deutlich besser ein.

„Die Distanz sollte ihm entgegenkommen und sicher ist es auch ein Vorteil, dass die Pferde in Dortmund jeden Tag trainiert werden konnten“, so Wilhelm Giedt. Egal wie die Pferde in einem direkten Leistungsvergleich mit der deutschen Vollblutzucht auch abschneiden werden, als Gewinner darf sich auch der Neusser Reiter- und Rennverein als Veranstalter zählen, denn Prof. Dr. Fatikh Sibagatullin hat sich dazu bereit erklärt, als Sponsor von zwei Rennen auf dem Neusser Hippodrom auftreten zu wollen.

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