Die Turfsaison in Deutschland nimmt langsam aber sicher so richtig Fahrt auf, mit dem vergangenen Wochenende erlangten die Beobachter der Szene auch in Richtung 141. Deutsches Derby in Hamburg-Horn weitere Aufschlüsse und vor allem ein Pferd schob in den Fokus des Interesses für das Blaue Band von Hamburg-Horn.
Der Ittlinger Scalo gewann nicht nur den Frühjahrspreis des Bankhauses Metzler – Stadtrat Albert von Metzler-Rennen leicht mit zweieinhalb Längen Vorteil, sondern hinterließ vielmehr den Eindruck, ein großer Steher zu sein. Den Sprung aus der Maidenklasse (siegte beim Lebensdebüt im Oktober 2090 hochüberlegen mit 18 Längen) ins Grupperennen absolvierte der Lando-Sohn locker und ließ in Frankfurt beim überzeugenden Gruppesieg bestimmt hochklassige Pferde hinter sich, auch wenn der zweitplatzierte Keep Cool von Andreas Löwe nach vier Versuchen noch immer sieglos ist.
Es war auch und vor allem die Art und Weise von Scalos Triumph, die durchaus Grund zu der Annahme gibt, dass der Ittlinger auch in Hamburg eine tragende Rolle spielen kann. Im Stile eines großen Stehers überlief Scalo auf den letzten 400 Metern die Konkurrenz, nicht zu erwähnen braucht man mittlerweile, dass Stalljockey Eduardo Pedroza erneut einen toll getimeten Ritt zeigte, Scalo genau zum rechten Zeitpunkt in die Entscheidung warf und ihn letztlich zu einem leichten Gruppesieg führte.
Vor einem etwaigen Auftritt in Hamburg wird aber wohl zunächst Bayern auf dem Fahrplan des Wöhler-Schützlings stehen. Denn das Bavarian Classic ist die nächste Sprosse auf der Karriereleiter Scalos und wenn er sich auch in München von bester Seite zeigt, dann wird man ihn gewiss auch im Deutschen Derby sehen. Derzeit rangiert der Ittlinger im Wettmarkt des Wettanbieters www.RaceBets.com bei 110:10, das könnte am 18. Juli, dem Tag des mit 500.000 Euro dotierten Top-Rennens eine durchaus lohnende Quote sein. Einzig Lando, als Vater von Scalo, setzt ein kleines Fragezeichen hinter den Hamburg-Start.
Nur allzu oft herrschen im Juli in der Hansestadt herbstliche Verhältnisse mit reichlich Niederschlag und Nachkommen des Ittlingen-Stallions Lando sich auf weichem oder schwerem Boden nachweislich nicht unbedingt voll in ihrem Element.
Ebenfalls 2010 schon Gruppesieger ist der Shamardal-Sohn Zazou, der sich das Krefelder Dr. Busch-Memorial über 1700 Meter überlegen gegen den Stallgefährten Kite Hunter sicherte. Während Mario Hofer schon im März zur Sport-Welt-Stallparade davon ausging, dass der Steigenberger-Hengst Kite Hunter nicht der allergrößte Steher sein wird, ist die Sachlage bei Zazou könnte da schon anders sein.
Das nächste Ziel des Schützlings von Vermarkter Werner Heinz aus Trier ist wohl Paris-Longchamp mit der Poule d’Essai des Poulains über 1600 Meter und die in Hamburg geforderten 2400 Meter könnten dann doch schon einen Tick zu weit für Zazou sein, dessen Eigner in Hamburg bereits einen Sieger stellte, mit Dai Jin im Jahr 2003 dort zum Zuge kam.
Die offerierten 150:10 auf einen Zazou-Sieg in Hamburg erscheinen nicht ganz so lukrativ, da der zweifelsfrei mit enormen läuferischen Talent gesegnete Shamardal-Sohn auch noch ein Engagement für das französische Derby Derby besitzt, das die entscheidenden 300 Meter kürzer sein könnte. „Step by Step ist unsere Devise bei Zazou. Zunächst steht Paris auf dem Programm. Alles weitere wird man danach sehen“, sagt Trainer Mario Hofer zu seinem Ass.
Für viel Furore sorgte der in den Farben von Georg Baron von Ullmann angetretene Scorcher (130:10 bei RaceBets.com) bei seinem Lebensdebüt, als er einige Zeit brauchte um in die Gänge zu kommen, letztlich aber zu einem sicheren Sieg reichte. Der Boden war an diesem Tag sehr trocken in der Samt.- und Seidestadt, was bestimmt nicht nach dem Gusto des Monsun-Sohnes Scorcher war und dennoch behielt er die Oberhand.
Weiterhin genießt der in diesem Rennen drittplatzierte Val Mondo (300:10 bei RaceBets.com) einen großen Ruf im Ostmann-Quartier, sollte auch in jedem Fall vom Jahresdebüt profitiert habe und besitzt seinerseits noch ein Engagement im Deutschen Derby.
Viel Eindruck hinterließ bei zwei Auftritten 2010 bis dato Rennstall Darbovens Russian Tango (300:10 bei RaceBets.com). Der Tertullian-Sohn aus dem Training von Andreas Wöhler in Ravensberg stellte sich zuletzt in Düsseldorf noch immer ziemlich grün an, ist aber auf jeden Fall ein Pferd, bei dem man sich vorstellen könnte, dass er in der deutschen Gruppeklasse etablieren kann. Ob das zwingend über 2400 Meter sein muss, darf nach dem Pedigree (Tertullian – Russian Samba) doch bezweifelt werden.
Interessanter könnte da schon der Medicean-Sohn Neatico (200:10 bei RaceBets.com) aus dem Quartier von Peter Schiergen sein. Der wie Scalo im Besitz des Gestüts Ittlingen stehende Gruppesieger 2009 im Herzog von Ratibor-Rennen soll 2010 erst später ins Jahr Startern, da er nach Auskunft von Eigner Manfred Ostermann „noch bis in den November hinein“ im letzten Jahr gelaufen war.
Der 24. Mai könnte für Neatico Stichtag sein, wenn er entweder im Mehl-Mülhens-Rennen oder im Bavarian Classic aufgeboten werden soll.
Unterschätzen sollte man auch auf keinen Fall Trainer Waldemar Hickst, der noch am vergangenen Wochenende mit Kali den ersten Klassiker des Jahres in seinen Stall holte.
Der Dai Jin-Sohn Lindentree (200:10 bei RaceBets.com) schlug schon vor seinem Debüt am Sonntag in Mülheim hohe Wellen, ihm eilte ein großer Ruf voraus. Und wie er dann am Raffelberg in einer 2200 Meter-Prüfung am Ende aufdrehte und seine Gegner geradezu zu Statisten degradierte, war schon enorm. Ein altes Sprichwort aus dem Galopprennsport besagt: „Mehr als gewinnen kann man nicht“.
Stall Grafenbergs im Gestüt Zoppenbroich gezogener Lindentree tat genau das und zeigte, dass mit ihm in Zukunft auch in besseren Rennen zu rechnen ist.









