Es ist nicht nur das wichtigste und prestigeträchtigste Derby der Welt, es ist auch das mit der dem schwersten Kurs. Epsom Downs. Die Mörder-Bahn unter den Derby-Bahnen. Keine Rennbahn der Welt testet einen Vollblüter mehr als diese. Auf keiner Bahn wird einem Pferd so viel abverlangt wie in Epsom.
Und ausgerechnet hier soll heute eine der größten Sternstunden des deutschen Galopprennsports schlagen. Um 17:00 Uhr fiebert ganz Turf-Deutschland mit Andreas Wöhler. Um 17:00 Uhr spielen wir heute alle Chopin! (Zum Rennen)
Und Wöhler ist sicher: Chopin ist bereit für den Klassiker! Wenige Stunden vor dem Mega-Rennen macht GaloppOnline.de den großen Rennbahn-Check und erklärt, warum Chopin nicht nur Dawn Approach (will in die Huf-Stapfen solcher Größen wie Nijinsky, Nashwan, Sea The Stars und Camelot treten, die vor dem Derby-Sieg ebenfalls in den 2000 Guineas triumphierten) und Co. bezwingen muss, sondern eben auch diese Mörder-Bahn Epsom.
Der Führring:
Vor dem Derby laufen die Pferde von den Gastboxen zum Führring, passieren dabei die Rubbing House Bar zu ihrer rechten und die Queen’s Stand zur Linken. Und hier ist richtig Lärm. Das, was die Pferde hier hören, haben sie vorher noch nie mitgemacht. Auch am Führring ist mehr los, als auch allen anderen Rennbahnen Europas. Viele Pferde haben in der Vergangenheit ihre Derby-Chancen bereits hier gelassen. Chopin sollte durch diese Phase cool kommen. Ihm wird ein exzellenter Charakter und ruhiges Gemüt nachgesagt. Das hilft hier. Anders könnte es bei Mars aussehen, dessen Vater Montjeu dafür bekannt ist, ein dünnes Nervenkostüm zu vererben. Libertarian sollte diese Passage im Schlaf bewältigen, kennt er durch die Dante Stakes in York eine ähnliche Atmosphäre bereits.
Die Parade und der Aufgalopp:
Wie wichtig eine ruhige Phase hier ist bewies Jim Bolger mit Dawn Approach Vater New Approach. Dieser war bekannt dafür sich bei Paraden etwas aufzureiben. Bolger stellte New Approach prompt einen Babysitter in Form seines Boxennachbars Metomorphosis zur Seite. Dieser paradierte neben ihm und galoppierte sogar zusammen mit New Approach zum Start. Denn Ausnahmen gibt es in England keine. Bei der Parade muss jedes Pferd teilnehmen. Lediglich ein Begleitpferd oder die Position innerhalb der Parade kann ein Trainer mit beeinflussen. Freigestellt wird keiner. Und so laut wie in Epsom wird es nirgends. Im Innenbereich der Rennbahn findet eine Kirmes statt, an den Rails auf der anderen Seite stehen 50.000 Menschen. Wieder spricht das ruhige Gemüt von Chopin dafür, dass er diese Phase gut bewältigen wird. Aber ob dem wirklich so ist, sieht man erst heute um kurz von 17:00 Uhr.
Die Startbox und der erste Teil des Rennens:
Die Statistik beweist, dass in den 2400 Meter-Handicaps in Epsom die Startbox wichtig ist. Im Derby ist dem allerdings nicht ganz so. Nach dem Start geht es zunächst nach rechts und dann gleich wieder nach links. Eine gute Position ist also wichtig. Die Jockeys müssen direkt entscheiden, ob sie Energie verwenden sich gleich eine gute Position zu suchen, oder sich zunächst hinten einsortieren. Die ganz inneren Boxen 1 und 2 gelten als schlecht. In der 1 steht Monsuns Derbyhoffnung Ocovango, dessen Jockey aus der 1 vor einer schweren Aufgabe steht. Chopin steht auf der 4 und hat mit Jamie Spencer einen erfahrenen Mann im Sattel.
Die Tattenham Corner:
Eine entscheidende Passage des Rennens ist die Tattenham Corner. Nach nicht ebenen 200 Metern geht es bergab auf eine scharfe Linkskuve zu. Und das ist diese berühmt berüchtigte Tattenham Corner. Viele Pferde verlieren hier ihre Balance, ihren Rhythmus. Und damit auch ihre Position und Chance auf den Sieg. Das Coolmore Imperium soll eigens diesen Bereich der Strecke zu Hause auf den Trainingsgalopps nachgebaut haben. Für Chopin fuhr man nach Düsseldorf und ritt den Hengst dort bergab, um es zumindest ein wenig zu simulieren. In der Tattenham Corner sollte man sich spätestens im ersten Teil des Feldes eingefunden haben. Von weiter hinten wird später nur selten gewonnen. Ausnahmen wie Pour Moi 2011 gibt es nur wenige. Ruler Of The World, Libertarian und Galileo Rock könnten in diesem Bereich des Rennens aufgrund ihrer “one pace” Schwierigkeiten haben. Dawn Approach sollte hier keine bekommen.
Die Gerade:
In der Geraden geht es zunächst bergab. Die Innenseite an den Rails liegt tiefer, als die Mitte und die Außenseite der Bahn. Daher hängen viele müde Pferde in diesem Bereich bereits nach links Richtung Rails. Und jetzt kommt die ganz große Frage nach Stamina. Denn das wird Mitte und gegen Ende der Geraden mehr gebraucht als bei jedem anderen 2400 Meter-Rennen der Welt. Die letzten 200 Meter geht es wieder leicht bergauf. Und während wohl keiner zweifelt, dass es bei einem 2000 Meter-Derby mit Dawn Approach nur einen Sieger geben würde, ist die Frage, was diese letzten 400 Meter passiert. Hier braucht man neben Klasse Stehvermögen. Ob dieses bei Chopin wirklich da ist, ist fraglich. Ganz so sicher wie das Team sind wir nicht. Anders bei Monsuns Ocovango. Er könnte Mitte der Geraden den entscheidenden Satz machen.
Egal wie es kommen mag, Fakt ist: Das Epsom Derby 2013 wird in die Geschichte des deutschen Rennsports eingehen. Erstmals tritt ein in Deutschland vorbereitetes Pferd im Derby aller Derbys an. Und darauf sind wir schon mal mächtig stolz.
Und jetzt heißt es um 17:00 Uhr nur noch RaceBets.com-Livestream auf und Daumen drücken! GaloppOnline.de wünscht Andreas Wöhler Hals und Derby-Bein!












