Das Wunderpferd Ungarns siegt immer weiter

Erwartungsvolle Stille auf der Rennbahn Kincsem-Park, als die acht Bewerber um den mit sieben Millionen Forint (24000 Euro) dotierten OTP – Hungaria Nagydij (Gr. I) (HUN), 1000 m, auf der geraden Bahn vor den Startboxen ihre Runden drehten. 18.08 Uhr dann ein Aufschrei aus tausenden Kehlen.

Alles starrte erst gebannt auf den Monitor. Dann Augen nach rechts, wo die Protagonisten näher rückten. Schon bei der Geläufseinmündung sah man einen blendend galoppierenden Overdose, innen von ihm hielt Spinning Crystal noch mit. Doch dann setzte sich der heiße Favorit auf immer größeren Vorsprung ab, ohne das Christophe Soumillon irgendwelche Reserven antasten musste.

Schon weit vor dem Ziel gestaltete sich alles so, wie es jeder erwartet hatte. Overdose behielt auch beim 13. Start den Nimbus des Unbesiegten. Spinning Crystal konnte nicht besser laufen und hielt mit fünf Längen National Nice auf Abstand, während der einzige Gast, The Storm, Vierter wurde, als Monsun-Sohn auf dieser Distanz gewiss deplaziert war. Aber der aus Tschechien angereiste Vierjährige hielt es wie die Übrigen – dabei sein war wichtig, um das Rennen überhaupt zu ermöglichen. Schließlich ging es schlichtweg um Overdose auf der Heimatbahn den Start in seine schwerste Saison zu ermöglichen, es ihm leicht zu machen. Von seiner „guten Stube“ in Alag zum Kincsem Park mussten nur 20 Kilometer zurückgelegt werden.

Die Siegerehrung gestaltete sich zu einem wahren Triumphzug. Erst warf Christophe Soumillon die Peitsche, dann den Helm ins Publikum. Und verließ den Sattel mit dem Dettori-Jump. Dann lagen er und Sandor Ribarszki sich in den Armen. Und Besitzer Zoltan Mikoczy war natürlich auch überglücklich. Für Soumillon war der Ritt die kleinste Übung, rundherum kosteten die endlosen Autogramme und der Fußmarsch auf dem Geläuf entlang der Rails bis zum Ende der Tribüne sicher mehr Kraft.

Links die große Kristallvase in der Hand, und mit der rechten ging es ans Händeschütteln – die Zuschauer waren begeistert und dem Jockey bereitete die enge Volksbundenheit sichtlich auch großen Spaß. „Christophe hat in den zweieinhalb Tagen, wo er bei uns war, unheimlich viel für die Popularität des Rennsportes getan,“ sagte der Trainer, „er ist ein sehr sympathischer Mann, ein fantastischer Jockey.“

Gleich nach dem Rennen beugte sich Soumillon zum Trainer und meinte: „Wenn Overdose gesund bleibt möchte ich ihn jederzeit gern wieder reiten.“ Gelassen nahm der vierbeinige Star an diesem sonnigen, fast sommerlich warmen Nachmittag das Geschehen rund um sich wahr, drehte an der Hand seiner Pflegerin Barbara Budinszki auf dem Geläuf viele Runden, dicht umlagert von Fotografen und Schaulustigen. Da hatten die Sicherheitskräfte bald keine Kontrolle mehr, und in Scharen strömten die Fans aufs Geläuf.

Auch sonst war nicht immer Professionalität angesagt. Ausgerechnet vor dem Hauptereignis ging der Totalisator kaputt. Bis dahin standen in acht Rennen nur rund 50000 Euro Umsatz zu Buche. Und die als neuer Bahnrekord deklarierte Zeit von 0:52,6 min ist wohl nicht exakt gemessen, aber unter 55 Sekunden kommt wohl hin. Der Boden war fest, Berieselung ist wohl nicht möglich.

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