Das Quartett der Favoriten im BMW 137. Deutschen Derby

Rund 900 dreijährige Pferde stehen aktuell in den deutschen Rennställen. 224 dieser Kandidaten erhielten im Februar 2005 eine Nennung für das wichtigste Rennen in ihrem Leben – das BMW 137. Deutsche Derby. Bei den anschließenden Streichungsterminen bis hin zur Starterangabe verringerte sich diese Zahl natürlich immer weiter.

Doch die Besitzer von 15 Pferden dürfen bis zum Sonntag noch träumen. Vom Triumph im „Rennen der Rennen“, der „Krone der Dreijährigen, dem klassischsten der klassischen Rennen in Deutschland.

Denn 15 Vertreter des Jahrgangs 2003 bekommen nun um 17.20 Uhr die Möglichkeit, das Blaue Band zu gewinnen. Zwar droht wegen des heißen Wetters und dem folglich abgetrockneten Boden noch die ein oder andere Abmeldung, aber Fakt ist: Mit Sicherheit werden die Besten dabei sein, wenn es auf dem Honer Moor um insgesamt 646.000 Euro geht (inklusive aller Besitzer- und Züchterprämien).

Deutlich später als sonst, denn normalerweise wird der Derbysieger am ersten Juli-Sonntag gekürt. Natürlich sind Traditionen wichtig, Aber der Hamburger Renn-Club lag mit seiner Entscheidung, die BMW Derby-Woche zu verlegen, sicher goldrichtig. Gegen die Fußball-Weltmeisterschaft anzukämpfen wäre selbst für ein Ereignis mit einer 137-jährigen Geschichte ein aussichtsloser Kampf geworden.

Konsequenz: Da das Derby nun mitten im Hochsommer steigt, wird es (sollten sich die Meteorologen in der Hansestadt nicht irren) erstmals seit 1999 wieder auf gutem Boden über die Bühne gehen. Damals gewann Belenus, in den folgenden sechs Jahren machte das Horner Moor dann stets seinen Namen alle Ehre, mussten sich die Teilnehmer durch regendurchtränkten Untergrund kämpfen.

Noch nie in der langen Historie konnte ein Gast aus dem Ausland die heimischen Cracks schlagen. Sollte sich der Norweger Nobileo nicht deutlich gesteigert vorstellen, dann wird das auch 2006 nicht passieren. Denn am Dienstag wurde auch der Ire Tusculum gestrichen, womit aus den großen Turf-Nationen England, Frankreich erstaunlicherweise kein Pferd kommen wird.

Ohnehin hätten sie es schwer gehabt gegen einige hiesige Pferde, die in den vergangenen Wochen und Monaten groß in den Blickpunkt gerückt sind. In den Wettmärkten ist aktuell ganz besonders von vier Hengsten die Rede, die nach bisherigen Eindrücken hier ganz weit vorne zu erwarten sind. Sie könnten dafür sorgen, dass ein Jahr nach dem Überraschungserfolg von Stall Nizzas Nicaron wieder einer der Favoriten zum Zuge kommt. Aspectus, Schiaparelli, Lauro und Saddex – das sind die Namen, die immer wieder als Sieganwärter genannt werden. Und das ist berechtigt.

Die Programm-Nummer eins trägt der Röttgener Aspectus (Foto), ist mit einem GAG von 96 Kilo das von Handicapper Harald Siemen am höchsten eingestufte Pferd. Mit einer Gewinnsumme von 218.300 Euro hat er weit mehr verdient als alle anderen Konkurrenten. Zweijährig Winterfavorit, konservierte er auch in dieser Saison seine Top-Form, wie er vor allem im Oppenheim-Union-Rennen eindrucksvoll bestätigte. Dass es im Französischen Derby nicht klappte mit einer Platzierung oder sogar mehr, lag wohl nur an einem sehr unglücklichen Rennverlauf.

Sein im Deutschen Derby noch siegloser Trainer Hans-Albert Blume, der außerdem noch für die Heumarer Zuchtstätte den Dresdener Listensieger Dickens und Diarius (als Pacemaker?) ins Derby schickt, plagen auch keinerlei Zweifel am Stehvermögen des Spectrum-Sohnes, dessen Mutter Anna Thea mit weiten Strecken auch keine Probleme hatte. Unter Adrie de Vries, der in der Union von Andrasch Starke würdig vertreten wurde, könnte er wie seine Stallgefährten eine lange Durststrecke für das Gestüt Röttgen beenden, das seit Uomo im Jahr 1959 keinen Derby-Sieger mehr stellte.

Andrasch Starke, von dem gerade die Rede war, sitzt im Sattel von Schiaparelli, der vielleicht sogar Toto-Favorit werden könnte. Damit setzt Hamburgs Ehrenpräsident Franz-Günther von Gaertner, im Stall Blankenese Mitbesitzer des Monsun-Sohnes (Monsun hat vier Nachkommen im Rennen, die mit den Programm-Nummern zwei bis fünf alle ganz weit oben rangieren) wieder auf den Jockey, der für ihn vor sechs Jahren mit Samum gewann. An die „Explosion“ (so bezeichnete Rennkommentator Manfred Chapman damals die Vorstellung) werden sich noch alle Fans bestens erinnern.

Schiaparelli bezeog nach drei Siegen seine erste Niederlage im Deutschlandpreis in Düsseldorf, doch handelte es sich um ein Gruppe I-Rennen mit älteren Cracks.

Dritter im Bunde der Favoriten wird Lauro sein, der wie Schiaparelli und der Schlenderhaner Imonso aus dem Asterblüte-Stall von Peter Schiergen kommt. Drei beeindruckende Treffer in Frankreich, die teilweise enorm aufgewertet wurden, sprechen für den Ritt von William Mongil.

13 Jahre nach Landos Erfolg und 12 Jahre nach Laroches Triumph könnte das Gestüt Ittlingen mit Landos nahem Verwandten wieder auf der Siegerstraße wandeln. Nicht ausgeschlossen, dass er auf zweihundert Meter längerer Distanz den Spieß gegenüber Aspectus aus der Union wieder umdrehen kann, so hofft es Peter Schiergen. Allerdings soll Lauro nur antreten, wenn der Boden nicht zu fest wird. Man wird bis Sonntagmorgen die Wetterlage also genau studieren.

Und dann wäre da auch noch Saddex, ein mächtig verbesserter Hengst aus dem Warendorfer Quartier von Peter Rau (1996 hier mit Lavirco erfolgreich), von dem Jockey Torsten Mundry seit Wochen nur Gutes berichtet. Natürlich wird er nun mit anderen Gegnern als bei seinem Bremer Listensieg konfrontiert, doch wurde der Sohn des Ausnahmevererbers dort auch kaum gefordert.

Trotz dieses starken Favoriten-Quartetts, aus dem Saddex als einziger eine innere Startnummer zugelost bekam, stecken noch einige Trümpfe im Feld der 15 Derby-Starter, wie der Bavarian Classic-Sieger Imonso, Stiftung Gestüt Fährhofs Henkel-Diana-Vierte Quelle Amore als einzige Stute oder aber Dark Dancer aus dem kleinen Stall von Wilhelm Kelkel in Schwarzenholz, dem sicher besonders viele Sympathien gelten werden.

Oder der Auenqueller Oriental Tiger, der mehrfach Pech entwickelte, der immer wieder unterschätzte Gruppesieger Prince Flori oder der bereits erwähnte Aufsteiger Dickens, der zuletzt nicht weit hinter ihm eingekommene Elcanos oder das „Nordlicht“ Nobileo. Dagegen zählt für Sadler´s Star, Diarius und Katalog sicher in erster Linie das olympische Motto.

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