Vor drei Wochen gab es einen Großen Preis von Baden, in dem satte 750 000 Euro zu gewinnen waren. Gerade einmal zwei Gäste waren am Start. An diesem Sonntag steht der Preis von Europa in Köln auf dem Programm. Das war in der Vergangenheit für den Veranstalter oft ein Sorgenkind. 160 000 Euro gibt es als Preisgeld, doch da musste manches Telefonat geführt werden, bis sich denn doch ein Gast bequemte, den Weg nach Köln zu finden.
Das ist 2006 erstaunlicherweise anders: Youmzain mit Kieren Fallon, Cherry Mix unter Frankie Dettori und Enforcer, den Martin Dwyer reitet – so sah zumindest bis Donnerstag morgen die Lage aus. Doch dann kam aus Newmarket die Nachricht, dass man es sich im Godolphin-Lager noch einmal anders überlegt hatte.
„Wir laufen bestimmt“, hieß es zu Cherry Mix, keine 16 Stunde später die Kehrtwendung: „Der Hengst ist Nichtstarter.“ Weil man die Befürchtung hat, der Boden könne bis zum Sonntag zu stark abtrocknen.
Trotzdem: Youmzain und Enforcer sind dankbar begrüßte Gäste. Es wird keine einfache Aufgabe für die deutschen Pferde sein. Der Derbysieger ist entgegen ursprünglicher Planungen nicht dabei. Trainer Peter Schiergen hatte ihn bei der Vorstarterangabe noch mit Andrasch Starke an Bord gemeldet, doch nach intensiven Gesprächen mit den Besitzern wurde dann entschieden, ihn am Sonntag doch im Stall zu lassen.
Das Pferd mit der aktuellsten Form ist sicher Jaber Abdullahs Youmzain. Der Hengst hat sich in den letzten Wochen und Monaten immer stärker ins Gespräch gebracht. Der Sieg in den Great Voltigeur Stakes war schon richtig etwas wert, doch dürfte er das mit seinem zweien Platz im Prix Niel noch gesteigert haben. Vor ihm war nur Rail Link, der im „Arc“ läuft und dort zur erweiterten Favoritengruppe zählt. Kieren Fallon im Sattel ist sicher ein zusätzliches Plus, er steuert ihn das erste Mal.
Enforcer hat sich in dieser Saison mehrfach in bester Klasse ausgezeichnet aus der Affäre gezogen. Trainer Willie Muir hatte schon vor Wochen Köln als Ziel ins Auge gefasst. Das letzte Laufen kann ignoriert werden. „Er hatte einen Abzess am Bein, es war nach dem Rennen blutig, das ist aber alles ausgestanden“, heißt es zu Enforcer. Martin Dwyer ist mit ihm bestens vertraut.
Oriental Tiger (Foto) ist es am ehesten zuzutrauen, gegen die Gäste zu bestehen. Uwe Ostmann war schon etwas überrascht angesichts der starken internationalen Gegnerschaft. Das Team Auenquelle/Ostmann geht immerhin als Vorjahressieger an den Start, damals setzte sich in einer packenden Entscheidung Gonbarda durch.
Peter Rau hat mit Egerton den aktuell stärksten „Älteren“ in Deutschland am Start. „Wir werden uns schon nicht blamieren“, heißt es zu dem Hengst, den Stalljockey Torsten Mundry reitet. Der eigentlich auch vorgesehene Saddex wurde kurzfristig wieder gestrichen, soll nun in den Preis der Deutschen Einheit gehen (‚Wir wollen es ihm nicht unnötig schwer machen‘).
Quelle Amore ist der Ritt von Andreas Suborics, da Eduardo Pedroza das geforderte Gewicht nicht bringen kann. „Sie hat sich gegenüber dem letzten Laufen weiter verbessert“, attestiert ihr Trainer Andreas Wöhler. Leicht wird es für sie sicherlich nicht, auch der Gerling-Preis-Sieger All Spirit und noch mehr Brisant stehen vor einer sehr schweren Aufgabe.
Natürlich ist dieser Sonntag der Saisonhöhepunkt im Weidenpescher Park, dazu trägt auch das gehaltvolle Rahmenprogramm bei. Drei bestens besetzte Listenrennen, jedes einzelne wäre ein reelles Hauptereignis, dazu mehrere gut besetzte Handicaps – wer nicht vor Ort ist, wird sicher etwas verpassen.










