Bolte-Interview

GaloppOnline.de: Sie haben am kommenden Wochenende mit Volany und Caudillo zwei ernstzunehmende Pferde in den jeweiligen Top-Ereignissen am Start. Wie sehen Sie die Aussichten Ihrer Kandidaten?

Dr. Andreas Bolte: Caudillo startet in einem für mich sehr offenen St. Leger in Wambel. Die Pferde liegen meiner Meinung nach dicht zusammen, weil auch das für mich beste deutsche Langstreckenpferd Tres Rock Danon nicht unter den Startern zu finden ist. Der Hengst wäre meiner Meinung nur schwer zu schlagen gewesen nach allem, was ich von ihm im Krefelder Steher-Cup oder im Langen Hamburger gesehen habe. Caudillo hat von mir ganz bewusst eine Sommerpause verordnet bekommen. Wir wollen mit ihm wieder eine Herbstkampagne ähnlich wie im vergangenen Jahr starten, wobei auch wieder Italien bzw. Frankreich auf der Agenda stehen könnte. Jedenfalls darf der Boden in Dortmund nicht zu schwer sein, das wäre für seinen Speed nicht gerade förderlich. Mit Volany treten wir in Hoppgarten diesmal unter Höchstgewicht an, er konnte in München sehr beeindrucken. Diesmal haben sich die Gewichtsverhältnisse und die Distanz geändert. Ich habe Respekt beispielsweise vor unseren wieder am Start erscheinenden Konkurrenten wie Ventorino und Little Man, rechne dabei mit einem guten Laufen unseres Pferdes. Platz eins bis drei lautet unser Ziel mit Volany am Samstag.

GaloppOnline.de: Sie gelten bei der Umsetzung Ihrer Pläne als sehr zielstrebig, in Lengerich haben Sie sich einen Traum erfüllt?

Dr. Andreas Bolte: Der Schritt von einem Hof meiner Eltern in der Umgebung von Remscheid, wo man lediglich 500 Meter den Berg hochreiten konnte, zu dieser weiträumigen Anlage in Lengerich war gleichzeitig ein Quantensprung. Es war der logische und notwendige Schritt, um meinen Berufswunsch, als professioneller Trainer arbeiten zu können, zu verwirklichen. Wir haben hier auf einem 75 ha großen ehemaligen Trabergestüt mit Koppeln, Paddocks und zwei Trainingsbahnen alles, was das Pferdeherz begeht. 70 Boxen stehen zudem zur Verfügung. Eine Trainierbahn besteht aus leicht federndem Münsterländer Naturboden, daneben die 12 Meter breite Sandbahn, die nach Dortmunder Muster in den Bögen leicht erhöht und 1100 Meter lang ist.

GaloppOnline.de: Sie trainieren zur Zeit ca. 40 Galopper. Was bieten Sie Ihren Kunden?

Dr. Andreas Bolte: Die Rahmenbedingungen habe ich bereits geschildert. Dann habe ich natürlich als Veterinärmediziner, der sich auch als Chiropraktiker weitergebildet hat, ganzheitliche Möglichkeiten, die Pferde bei Problemen individueller zu begleiten. Individualität wird jedenfalls bei uns ganz groß geschrieben. Und wenn es um den Transport der Pferde auf die einzelnen Rennbahnen im In- und Ausland geht, haben wir auch dies mit einem eigenen Transporter im Gesamtpaket enthalten.

GaloppOnline.de: Wer sind Ihre aktuellen Aushängeschilder und wie geht es mit diesen Pferden weiter?

Dr. Andreas Bolte: An erster Stelle ist da natürlich unsere Ovambo Queen zu nennen, die auch im nächsten Jahr noch im Training bleiben soll. Sie blickt auf eine sensationelle Saison zurück, hat sich kontinuierlich gesteigert und sollte nach diesen Eindrücken auch noch einiges zu verkaufen haben. Mit ihr werden wir wohl auf Gruppe-Ebene in Düsseldorf auf 2200 Metern weitermachen. Aber auch Sir Oscar, der sich in Hannover gegen Low Key und Empire Storm und vor Nightdance Paolo bestens verkauft hat, sollte ebenso noch einiges im Tank haben. Er war in Hannover schnellstes Pferd und hat ebenfalls Klasse zur Hand. Beim jüngsten Jahrgang sind aktuell Esroc, ein brauner Muhtathir-Sohn und Charas (v.Sinndar), beides Auktionskäufe, zu nennen, die sich vielversprechend anlassen.

GaloppOnline.de: Welche Endrücke haben Sie von der Großen Woche in Baden-Baden mitgenommen?

Dr. Andreas Bolte: Man spürte die Aufbruchsstimmung überall, sie war allgegenwärtig. Ich sage dies nicht so daher, sondern es war schon sehr beeindruckend, wie die Verantwortlichen erstens einmal ständig präsent und ansprechbar waren und zweitens den Aktiven ständig Rede und Antwort gestanden haben. Ich habe das in dieser Form, ehrlich gesagt, nicht erwartet und auch noch nicht erlebt. Positiv für uns alle ist sicherlich auch, dass es einen zusätzlichen Renntag während des Sales- und Racingfestivals geben soll.

GaloppOnline.de: Heißt das jetzt für Sie, dass es wieder aufwärts geht mit dem deutschen Galopprennsport?

Dr. Andreas Bolte: Baden-Baden zumindestens ein sehr, sehr guter Start, der positive Impulse gegeben hat. Das macht uns, den Aktiven, Mut. Es muss sich aber auch einiges ändern.

GaloppOnline.de: Was wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang vor allen Dingen?

Dr. Andreas Bolte: Aus meiner Sicht ist es absolut notwendig, neue Besitzer für den deutschen Galopprennsport zu begeistern. Dafür ist es unerlässlich, die Rennpreise deutlich anzuheben. Es darf grundsätzlich keine Rennen unter einer Siegdotierung von 3.000 Euro geben, weil sonst die Flucht ins Ausland weiter anhalten wird. Hamburg und Baden-Baden waren in dieser Hinsicht schon ein guter Anfang. Und nur so werden auch wieder mittelfristig neue Arbeitsplätze geschaffen. Auch hinsichtlich des Handicapsystems besteht noch dahingehend Mofifizierungsbedarf, dass man diese kategorisieren sollte. In Hamburg oder Baden-Baden haben die Handicaps nun mal einen anderen, vor allen Dingen höheren sportlichen Wert als beispielsweise an kleineren Standorten. Das muss bei den Marken einfach mit berücksichtigt werden.

GaloppOnline.de: Was bezeichnen Sie als Ihren größten Erfolg bzw. Glück?

Dr. Andreas Bolte: Mit meiner Frau und meinen beiden Kindern die Freizeit verbringen zu können.

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