Besitzervereinigung: Die Zeichen stehen auf Ver?nderung

Die Erwartungshaltung der sechsundneunzig anwesenden Mitglieder der Besitzervereinigung hätte am vergangenen Freitagmorgen im Badener Kongresshaus nicht größer sein können. Mit Spannung sah man den ersten konkreten Informationen zum Thema der Themen der letzten Wochen, Monate, ja Jahre entgegen: der Strukturreform des Deutschen Galopprennsports.

Die Aufmerksamkeit des Auditoriums hätte auf Grund der Brisanz und Wichtigkeit der Ausführungen, die Paul von Schubert als Ergebnis der Strukturkommission in seiner Rede den Mitgliedern offenbarte und das in einer bisher nicht dagewesenen Offenheit und Transparenz, höher nicht sein können.

Es war wohl die komprimierteste und effektivste Mitgliederversammlung der letzten Jahre, die anders als in der Vergangenheit üblich, an den jeweiligen Montagen der Großen Woche, erstmals Freitags vor den Rennen stattfand.

Man hatte den Eindruck, dass sie geprägt war von einem offensichtlichen Zusammenrücken des Sports, bitter nötig in der Zeit der Not und eine wichtige Voraussetzung, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht.

Traditionell eröffnete Bernhard Prinz von Baden mit seiner Rede die Veranstaltung, nicht ohne auf das verheerende Umfeld des aktuellen Sports hinzuweisen, das wohl nicht zuletzt durch die inakzeptable „Kaumvermittlung“ der Deutschen Buchmacher für die Umsatzeinbußen in nicht unerheblichen Maße mitverantwortlich ist.

Präsident Manfred Ostermann (Foto) spannte anschließend wahrlich einen Bogen im Jahr eins nach den Ausnahmegaloppern Shirocco und Hurricane Run. Erst setzte sich Manduro an die Weltspitze der Galopper, womit gleichzeitig sein Vater Monsun seinen Vormarsch in die internationale Elite der Deckhengste fortsetzte, dann folgten die Gruppe I-Erfolge von Le Miracle und Toylsome am letztjährigen Arc-Tag. Aktuell setzten Goose Bay und der von den Brüdern Hoyer gezogene irische Derbysieger Frozen Fire neue Glanzpunkte der deutschen Zucht.

Manfred Ostermann dankte darüber hinaus Karl-Dieter Ellerbraake für dessen herausragendes Engagement, lobte die Aktivität und Kreativität eines Gregor Baums, der sich gegen den Trend stemmend, der Neuen Bult in Hannover neues Leben einzuhauchen vermochte. Auch das Harzburger Team um Wilhelm Baumgarten fand in diesem Zusammenhang viel Applaus für deren Meeting wie das neue Hamburger Geläuf, das sich während der Derbywoche seine erste Bewährungsprobe mit Bravour bestanden hatte.

Manfred Hellwig, Vorgänger des amtierenden Präsidenten Manfred Ostermann, meldete sich während der Veranstaltung zu Wort und monierte die Informationspolitik des Präsidiums. Daneben stellte auch der Badener Besitzer und Züchter Dr. Gerhard Moser interessante Fragen in Zusammenhang mit der Bonität des neuseeländischen Investors, zu denen ausführlich Stellung bezogen wurde.

Kernstück der Veranstaltung war jedoch die bereits eingangs erwähnte Grundsatzerklärung hinsichtlich des Ablaufs der Strukturreform. 30 Mio Euro sollen in drei Tranchen ( 3/17/10 Mio Euro) von einem bisher nichtgenannten Investor in einen 49-prozentigen Anteil in den neuen Vermarktungsableger des Verbandes fließen.

Damit sollen erst einmal die aktuellen Defizite der Rennsaison 2008 ausgeglichen werden und vor allen Dingen die 27 kommenden Winterrenntage der Saison 2009 abgesichert werden. Daneben soll eine neue Internetplattform, eine Modernisierung des bestehenden Uniturf-Systems und darüber hinaus die Errichtung eigener Shops eingeleitet werden.

Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang vor allen Dingen, dass man u.a. auch auf die Karte Liberalisierung des europäischen Glücksspielmarktes setzt, wobei wohl in erster Linie auf die Erträge von zukünftigen Sportwetteneinnahmen hofft, deren Erträge man zweifellos zur Stärkung des Galopprennsports einsetzen möchte.

Bis es allerdings soweit ist, müssen erst einmal die bereits abgeschlossen Verhandlungen zu diesem Joint Venture am 23.09. von der Mitgliederversammlung des Direktoriums abgesegnet werden. Anfang Dezember soll in einer außerordentlichen Versammlung der Besitzervereinigung das Endkonstrukt und die Personen bzw. Namen präsentiert werden, die sich fortan um das weitere Schicksal des Sports verdient machen sollen.

Einzig unklar blieb an diesem Vormittag die Rolle, die die Tochter German Tote spielen wird. Uns erwartet in jedem Fall ein beispielloser betriebswirtschaftlicher Kraftakt, bei dem es zweifellos ohne die Hilfe von Dritten, die vornehmlich das Schiff wieder auf Kurs bringen sollen, gar nicht mehr geht.

Daneben müssen auch kartellrechtliche Bedenken aus dem Weg geräumt werden (die Freigabe soll bis zum 31.03.09 stattfinden), und vor allen Dingen eine Verstärkung der zukünftigen Lobbyarbeit geschärft werden.

Bleibt zu hoffen, das man sich bei allen betriebswirtschaftlichen Aufgabenstellungen wie z.B. Vermarktungsstrategien der Zukunft, um den Sport am Leben zu halten, die nicht vergisst, die das Halten von Galopprennpferden erst ermöglichen.

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