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'Der Engel': Ange Gabriel mit der Revanche an Sulamani

Was zuletzt Helissio im Jahr 1997 gelang, vollbrachte am Sonntag Nachmittag der fünfjährige Ange Gabriel: Die erfolgreiche Verteidigung seines Titels im Grand Prix de St Cloud. Unter Thierry Jarnet, der seinen vierten Sieg in Frankreichs Hochsom-mer-Highlight feierte, wiederholte der Kaldounevees-Sohn leicht mit 1 ½ Längen Vorsprung den Vorjahrescoup.

Wie schon in der letzten Grand Prix-Auflage vor Jahresfrist endete der Fabre-Schützling Polish Summer (Richard Hughes) auf Rang zwei des mit 350.000 Euro dotierten Gruppe I-Rennens.

Dieses hatte natürlich unter dem Stern der Godolphin-Flotte von Scheich Mohammed Al Maktoum gestanden, schickte diese sich an der Seine an, ihren 100. Gruppe I-Erfolg überhaupt zu erzielen. Was 1994 in den Epsom Oaks begann, sollte nach weiteren 98 Gruppe I-Siegen in Amerika, China, Deutschland (5 Siege auf höchstem Level), England, Irland, Italien und Singapur am Sonntag in Frankreich vollendet werden.

Im Vorhaben, die Hundert an Gruppe I-Coups tatsächlich zu komplettieren, flog man den über Winter von der Niarchos-Familie für einen zweistelligen Millionenbetrag erworbenen französischen Derby-Sieger Sulamani am Sonntagmorgen von London nach Paris, brachte den Arc-Zweiten zusammen mit dem Pacemaker Mill Street äußerst hoffnungsvoll nach Frankreich.

Doch vom außergewöhnlichen 'turn of foot' des Vierjährigen war dieses Mal wenig zu sehen. Unter dem dreifachen Weltmeister Frankie Dettori wurde Sulamani als heißer 18:10-Favorit nur Vierter. Dabei profitierte der Hernando-Sohn noch von der Disqualifikation seines Trainingsgefährten Mill Street (Richard Hills), der von Rang drei auf den sechsten Rang zurück gestuft wurde, kam der Fuchs doch der Diana-Dritten Ana Marie in der Geraden entscheidend in die Quere.

4 ½ Längen hinter Ange Gabriel (Siegquote 30:10) hatte Sulamani mit dem Ausgang des Rennens aber nichts zu tun. Dem Schimmel aus der Zucht des Haras du Mesnil gelang somit die Revanche für die Niederlage im Dubai Sheema Classic, als er noch mit einer ¾ Länge hinter Godolphins bestem 2400 Meter-Pferd geblieben war.

'Er war bereit für dieses Rennen und war fertig, zu gewinnen. Natürlich sind wir enttäuscht, dass das nun nicht geklappt hat. Der schnelle Boden soll keine Entschuldigung sein, da mussten alle Pferde mit zurechtkommen. Sulamani ist und bleibt aber ein Ausnahmepferd und wir sollten bis zum Ende des Jahres warten, bis wir uns unser Urteil über ihn bilden.

Er bleibt nach wie vor unser Flagschiff für die großen Rennen dieser Welt und wird nun in den King George laufen und dann auf den Arc vorbereitet werden', sagte ein enttäuschter Racingmanager Simon Crisford nach dem mit 199.990 Euro für den Sieger ausgestatteten Examen.

Die gleiche Route wie Sulamani könnte auch der nun dreifache Gruppe I-Gewinner Ange Gabriel anvisieren, wobei ein Start in den King George in vier Wochen eher unwahrscheinlich erscheint.

Trainer Eric Libaud im O-Ton: 'Wir werden sehen, wie er das Rennen verkraftet hat und dann entscheiden, wo wir weitermachen. Die Hauptziele sind nach wie vor der Prix de l'Arc de Triomphe und der Japan Cup und es könnte sein, dass wir England auslassen und über den Prix Foy den Arc ansteuern.'

Sechs Jahre nach Hellissio und dreißig nach Rheingold gelang dem stets an zweiter Stelle galoppierenden Ange Gabriel als erst drittem Pferd ein Doppelschlag im Grand Prix de St Cloud. Der Hengst schraubte seine Gewinnsumme bei seinem elften Karriere-Treffer (darunter fünf Gruppe- und drei Listensiege) dabei über die 2 Millionen Euro-Grenze.

'Er ist ein unglaubliches Pferd. Wenn man ihn reitet und es in der Geraden in die Entscheidung geht, hat man das Gefühl, abzuheben', beschreibt Jockey Thierry Jarnet Frankreichs bestes älteres Rennpferd.

Noch vor Sulamani kam der frische Gruppe II-Sieger Loxias (Thierry Thulliez) am Pfosten vorbei. Fünfte hinter dem Godolphin-Crack wurde die ebenfalls in diesem Jahr schon auf Gruppe-Level erfolgreiche Ana Marie, während Dance Routine als Letzte nach langer Pause wenig bewegen konnte.

Mit Sulamani in diesem Jahr und Anabaa Blue vor Jahresfrist hat Ange Gabriel im Grand Prix de St Cloud nun die französischen Derbysieger 2002 & 2001 geschlagen und wird in seinem Heimatland nun neben Dalakhani als heißestes Eisen der Franzosen für den Prix de l`Arc de Triomphe am ersten Oktober-Sonntag in Longchamp gehandelt.

(30.06.2003)