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Good Bye John Reid: Topjockey sattelt mit 46 Jahren ab

Ein Weltklasse-Jockey sattelt ab. John Reid hängt im Alter von 46 Jahren nach 28-jähriger Karriere im Sattel der Galopper die Reitstiefel an den Nagel. „Es gibt keinen Zweifel daran“, sagt Reid der englischen Racing Post zu seinem Entschluss, „dass Galopprennen etwas für junge Leute ist und ich bin nicht mehr jung genug. Ich hatte mir immer gedacht, dass ich mit 45 aufhören werde.“

Ein Grund für den Rückzug war auch der Sturz mit Boreal am Sonntag in Köln. Reid hatte sich 1999 bei einem Sturz in Kempton einen Beinbruch zugezogen („Ich spüre die Verletzung immer noch.“), hatte schon ab diesem Zeitpunkt das Ende der Karriere in Erwägung gezogen. Er wollte es aber noch einmal wissen und sagte nun: „Der einzige Grund, den ich aktuell hatte, noch weiter zu reiten, war der deutsche Hengst Boreal, den man möglicherweise noch für den Arc nachgenannt hätte. Am Sonntag in Köln sind wir 400 Meter nach dem Start gestürzt. Es war sehr unglücklich. In neun von zehn Fällen wäre ich bei so etwas im Sattel geblieben.“ Nun war Boreal der letzte Ritt in einem großen Rennen in einer großen Karriere.

John Reid hat in seiner Karriere vier englische und fünf irische Klassiker gewonnen und insgesamt 48 Gruppe I-Rennen rund um den Globus. 1992 hatte er das englische Derby mit Dr. Devious gewonnen, 1988 den Prix de l’Arc de Triomphe mit Tony Bin. Die King Georg VI and Queen Elizabeth Diamond Stakes hat er 1978 mit Ile de Bourbon und 1997 mit Swain gewonnen. Insgesamt hat John Reid mehr als 2800 Rennen in aller Welt gewonnen. Unvergessen sind aus deutscher Sicht seine Siege mit Hollywood Dream, der tollen Ittlinger Stute. Es gibt wohl kaum einen Jockey, der die Besonderheiten der einzelnen Rennplätze dieser Welt besser kennt als John Reid, einer der größten Taktiker im Rennsattel.

Peter Brauer, Pressesprecher des Direktoriums, erinnert sich an eine Begebenheit mit Reid, die den Jockey trefflicher gar nicht beschreiben könnte. „Er sollte für Ittlingen Zohar in Marseille reiten. Ich habe erst nicht geschafft, ihn zu erreichen, dann aber doch eine Handy-Nummer herausgefunden. Reid war gerade in Saudi-Arabien, ritt für einen Tag in Riad. Ich habe ihm von dem möglichen Ritt auf Zohar erzählt, da meinte er: „Kein Problem, mache ich. Wisst Ihr, dass es in Marseille zwei Rennbahnen gibt? Aber ich bin auf beiden schon geritten und habe auf beiden schon gewonnen. Gefallen mir aber nicht sonderlich, die Bahnen.“

Man muss dann wissen, dass man Zohar sehr vorsichtig reiten musste und das hat Reid auch mehrfach vor dem Rennen von mehreren Personen gehört. Er hat die Ohren aber teilweise auf Durchzug gestellt und so geritten, wie er sich das mit der Kenntnis der Bahn vorstellte. Es hat zu einem leichten Sieg gereicht. So war Reid: er lachte einen immer freundlich an und filterte sehr genau die Informationen, die man ihm gab. Er wusste schon sehr genau, wie er die Sache jeweils sehen musste. Er ist ein Jockey, der denkbar wenig Fehler machte.“

(28.09.2001)