Interview/Jockey Talks

Mit Weil-Daßbach

GaloppOnline.de: Sie sind die Präsidentin des neu gegründeten Renn-Klubs in Frankfurt. Die Dinge überschlagen sich ja förmlich. Wie kam es zu dieser plötzlichen Entwicklung?

Christiane Weil-Daßbach: Die Stadt Frankfurt hat sich für die Frankfurter Hippodrom Gesellschaft, vertreten durch Herrn Hellwig, als Pächter der Liegenschaft entschieden. Herr Hellwig und das Präsidium des Renn-Vereins haben unüberbrückbare Differenzen, es fehlt an der notwendigen Kommunikation und Zusammenarbeit. Um aus dieser Sackgasse herauszufinden hat Herr Hellwig mit Verantwortlichen der Stadt Frankfurt die Neugründung erörtert. Da wir auch in Zukunft Rennen in Frankfurt sichern wollen, habe ich seiner Bitte dem neuen Vorstand anzugehören, entsprochen.

GaloppOnline.de: Und sie wurden zur Präsidentin des neuen Renn-Klubs gewählt?

Christiane Weil-Daßbach: Genauso ist es. Als Herr Hellwig mir das Amt angetragen hat, konnte ich nicht absagen. Dank ihm ist der Vertrag mit der Stadt Frankfurt zustande gekommen und er sichert auch weiterhin die Galopprennen in Frankfurt. Ich liebe Pferde, ich liebe die Galopprennen und möchte, dass auf jeden Fall in Frankfurt wieder Rennveranstaltungen stattfinden.


GaloppOnline.de: Warum wurde jetzt wieder ein neuer Renn-Klub gegründet und nicht auf den alten Renn-Verein zurückgegriffen? Oder wollte man einer Mitgliederversammlung mit Votum einfach nur aus dem Wege gehen?


Christiane Weil-Daßbach: Dieses erschien Herrn Hellwig auch deshalb notwendig, weil er seit längerem von der wirtschaftlichen Lage durch das Präsidium uninformiert blieb. Bis zum heutigen Tage liegt den Mitgliedern keine Bilanz vor, noch hat es eine Mitgliederversammlung seit Gründung gegeben.

GaloppOnline.de: Wie sehen Sie das ganze Chaos in Frankfurt?

Christiane Weil-Daßbach: Ich stand meistens mittendrin, bin ja auch noch im Beirat des Renn-Vereins. Ich möchte es mal so ausdrücken: Einer allein hat nie die Schuld, aber ohne Herrn Hellwig hätte es in Frankfurt keine Rennen mehr gegeben. 



GaloppOnline.de: Im dreiköpfigen Präsidium des neuen Renn-Klubs sind außer Ihnen noch Carl-Philipp zu Solms, der Sohn der früheren Rennreiterin Alexa Gräfin zu Solms, und Manfred Hellwig?

Christiane Weil-Daßbach: Carl-Philipp zu Solms ist ein sehr engagierter junger Mann. Er eckt schon mal an, weil er unbedingt seine Ziele, von denen er überzeugt ist, durchsetzen will. Dass Herr Hellwig dem Präsdium angehört, freut mich besonders. Es war mein Wunsch, das er dem Vorstand angehört, schließlich ist er der Pächter der Rennbahn, er besitzt das Hausrecht und ermöglicht seit Insolvenz des alten Renn-Klubs die Rennen in Frankfurt.

GaloppOnline.de: Herr Hellwig, der ursprünglich als Mäzen in Frankfurt angetreten und auch aufgetreten ist, will nun alle bisher geleisteten Zuwendungen - eine hohe sechsstellige Summe - vom Renn-Verein zurück erstattet haben. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Christiane Weil-Daßbach: Hierzu sind mir keine Details bekannt.

GaloppOnline.de: Das Tischtuch zwischen Herrn Hellwig und dem Vorstand des Renn Vereins ist bekanntlich zerrissen. Der Vorstand wirft Herrn Hellwig mehrfach Wortbruch vor, obwohl Zusagen von den Vorstandssitzungen meist sogar protokolliert waren. Haben Sie keine Bedenken, dass Sie nicht in eine ähnliche Situation geraten?

Christiane Weil-Daßbach: Herr Hellwig hat bereits im Dezember 2009 dem Präsidium einen Geschäftsbesorgungvertrag vorgelegt, der dem Renn-Verein eine feste Anzahl an Rennen abgesichert hätte, bis heute ist dieser nicht unterschrieben worden. Ich glaube an eine vertrauensvolle und produktive Zusammenarbeit mit Herrn Hellwig.

GaloppOnline.de: Es ist in der Presse davon zu lesen gewesen, dass von Präsidiumsmitglied Herrn Carl Philipp zu Solms ein Rennbahnverbot für die alten Vorstandsmitglieder ausgesprochen wurde, was halten Sie von dieser Aussage und ist das auch in Ihrem Sinne?

Christiane Weil-Daßbach: Bei diesem Pressetermin war ich anwesend. Carl-Philip hat gesagt, dass die Streitereien „vor den Toren der Rennbahn“ bleiben sollen. Er entsprach damit dem Satz von Herrn Hellwig, den dieser nach der Gründung des Frankfurter Renn-Klubs formuliert hat. Ich wünsche eine Geschlossenheit, entsprechend dem Rütli Schwur.

GaloppOnline.de: Mit wie vielen Mitgliedern rechnen Sie zum Neustart?

Christiane Weil-Daßbach: Der Zuspruch ist unglaublich.
Es waren knapp 50 bei der Neugründung anwesend. Mich haben in den ersten Tagen danach laufend neue Personen angesprochen, die dem Renn-Klub beitreten möchten. Wenn das so weitergeht, erwarte ich bis Ende nächsten Jahres an die Hundert Mitglieder. Offenbar ein Bekenntnis zum Neustart.

GaloppOnline.de: Hat der neue Renn-Klub schon Kontakt mit dem Direktorium aufgenommen und wird man überhaupt mit einer Lizenz ausgestattet?


Christiane Weil-Daßbach: Ich habe mich davon vergewissert das Herr Hellwig in ständiger Verbindung mit dem Direktorium steht. Ich gehe davon aus, dass der Antrag positiv beschieden wird.

GaloppOnline.de: Planen Sie in die dieser Saison noch Renntage abzuhalten?



Christiane Weil-Daßbach: Nein, in diesem Jahr werden ausschließlich Baumaßnahmen stattfinden, der Trainingsbetrieb bekommt die lange angekündigte Sandbahn.

GaloppOnline.de: Das wickeln Sie mit ihrem Renn-Klub ab?



Christiane Weil-Daßbach: Nein, hierfür ist die Frankfurter Hippodrom Gesellschaft zuständig. Der Renn-Klub steht lediglich für die Veranstaltung von Rennen in Frankfurt. Alles andere liegt in den Händen von Herrn Hellwig.



GaloppOnline.de: Gibt es bereits konkrete Pläne über die Saison 2011?



Christiane Weil-Daßbach: Die gibt es bereits. Es sind 10 Renntage geplant, 2 davon werden mit einem Gruppe-Rennen abgehalten.

GaloppOnline.de: Wie sieht die Finanzierung aus?

Der Rennbetrieb ist finanziell abgesichert. Sie sind bekanntlich Betreiber des Buchmacherladens Quotenhaus auf der Rennbahn. Hier wollte der Renn-Verein mittelfristig einen Laden von German Racing implementieren. Wird dieses auch jetzt geschehen und besteht nicht die Gefahr eines Interessenkonfliktes?


Christiane Weil-Daßbach: Das ist ein Thema der Frankfurter Hippodrom Gesellschaft, die Pächterin der Liegenschaft ist. Meine Familie hat nicht erst seit Öffnung des Quotenhauses den Rennsport in Frankfurt mit erheblichen Zuwendungen unterstützt. Das Quotenhaus ist ein Teil davon.

(25.09.2010)