Interview/Jockey Talks

Mit Torsten<br>Mundry

GaloppOnline.de:
Hallo Torsten, wo erreichen wir Sie jetzt?

Torsten Mundry:
Ich bin zusammen mit meiner Lebensgefährtin Anja Heigwer gerade in Kirchberg bei Kitzbühel in Österreich bis zum Wochenende zum Skifahren. Es herrscht bestes Wetter, es gibt tollen Schnee, so dass hervorragende Stimmung herrscht.

GaloppOnline.de:
War der Urlaub unbedingt notwendig?

Torsten Mundry:
Uneingeschränkt ja. An den letzten Renntagen in Macau merkte ich doch eine gewisse Müdigkeit in Körper und Kopf. Daher brauchte ich Urlaub, eine Gelegenheit zum Abschalten.

GaloppOnline:
Was ist gefährlicher, Skifahren oder Rennen reiten?

Torsten Mundry:
Da gibt es keine Unterschiede, denn ich beherrsche beides.

GaloppOnline.de:
Haben Sie sich wieder in Europa eingelebt?

Torsten Mundry:
Ja, das ist mir schon gelungen. Zwar habe ich mich auf die Rückkehr gefreut, denke aber auch immer wieder an die Zeit in Macau zurück, die lehrreich sowie erfolgreich waren und mir neue Wege für die Zukunft geebnet hat.

GaloppOnline.de:
Also sind Sie froh, wieder in der Heimat zu sein?

Torsten Mundry:
Ja, das schon. Aber der Virus Asien hat mich gepackt, dorthin werde ich auch wieder zurück gehen.

GaloppOnline.de:
Wie würden Sie den Macau-Aufenthalt bezeichnen?

Torsten Mundry:
Es waren auf jeden Fall tolle Erfahrungen, die ich dort gemacht habe. Ich bin ja auch ein bisschen aus Deutschland geflüchtet angesichts der Situation hierzulande. Außerdem arbeite ich mittlerweile schon seit zehn Jahren bei Peter Rau. Dann will man auch einmal andere Eindrücke gewinnen, den Kopf frei bekommen von den zum Teil eingefahrenen Dingen. Der dortige Aufenthalt hat mir viel gebracht. Ich habe viele Trainer mit verschiedenartigen Trainingsmethoden erlebt. Doch glaube ich, dass die europäischen immer noch die Besten sind.

GaloppOnline.de:
Haben sich also die Erwartungen erfüllt?

Torsten Mundry:
Sie sind bei weitem übertroffen worden. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten, verbunden mit einer kurzzeitigen Pause wegen einer Knieverletzung, lief es dann doch sehr gut. 35 Rennen habe ich gewonnen, darunter auch ganz große, was will man meh?.

GaloppOnline.de:
Damit hat sich die Sache doch auch finanziell gelohnt?

Torsten Mundry:
Die Wochen dort haben sich auf alle Fälle finanziell gelohnt. Millionär bin ich zwar nicht geworden, doch, um das zu verdienen, muss sich in Deutschland mit Sicherheit etliches mehr gewinnen.

GaloppOnline:
Wie ist der Sport in Macau einzustufen?

Torsten Mundry:
Macau ist noch immer ein Ableger von Hong Kong, das das Nonplusultra darstellt. Doch ist eindeutig festzustellen, dass riesige Anstrengungen unternommen werden, das Hong Kong-Niveau zu erreichen. Die Besitzer sind auf beiden Bahnen die selben. Ich habe den Eindruck, dass man in Macau mehr und mehr wegkommt von dem Ruf, eine ´Spielerbahn` zu sein, wo ausschließlich das Wetten mit all seinen Facetten im Vordergrund steht. Vielmehr bemüht man sich den Sport voranzutreiben. Den üblen Namen los zu werden, ist die inzwischen vordringlichste Aufgabe der Macau-Verantwortlichen. Kein Mensch hat mich dort jemals erpresst oder nur den Versuch dazu unternommen. Symbolisch für das Zusammenwachsen der beiden Bahnen ist auch die Tatsache, dass man zwischen beiden Punkten eine Brücke baut.

GaloppOnline.de:
Gibt es in diesem oder nächsten Jahr eine Rückkehr?

Torsten Mundry:
Definitiv ja, ich habe viele Kontakt geknüpft. Mir schwebt dann ein viermonatiger Aufenthalt vor, der nicht unbedingt in Macau sein muss.

GaloppOnline.de:
Ist auch Hong Kong ein Ziel?

Torsten Mundry:
Selbstverständlich kommt auch in Hong Kong für mich in Betracht. Durch meine Erfolge ist man dort auf mich aufmerksam geworden, so dass die Chancen auf ein Engagement sicherlich gestiegen sind. Ich habe schließlich dafür auch genügend Eigenwerbung betrieben. Eine Alternative wäre aber auch Singapur, das ebenfalls große Anstrengungen unternimmt. Wie sich überhaupt im asiatischen Raum, speziell China, sehr viel tut.

GaloppOnline.de:
Was macht der bisherige Mitbewohner Alessandro Schikora jetzt ohne Sie?

Torsten Mundry:
Ich denke, dass er ein wenig traurig ist, wenn er jetzt allein ist. Am besten verbringt man dort die Zeit zu zweit. Aber er hat ja genug Leute kennen gelernt, die sich wohl um ihn kümmern werden.

GaloppOnline.de:
Geht er nach Dubai?

Torsten Mundry:
Ich habe noch vor kurzem mit ihm gesprochen. Die Sache hat sich zerschlagen, zum Teil aufgrund der politischen Unsicherheit in der Gegend sowie zum anderen, weil der Sport in der Zeit nach dem Dubai World Cup nicht mehr so toll ist.

GaloppOnline.de:
Haben Sie sich bereits in der Heimat blicken lassen, gab es einen Stallbesuch?

Torsten Mundry:
Ja, ich war einen Morgen bei Peter Rau in Ravensberg, habe mir die jungen Pferde angeschaut und einen ersten Eindruck verschafft.

GaloppOnline.de:
Ist mit dem Rau-Stall 2003 einmal mehr zu rechnen?

Torsten Mundry:
Auf jeden Fall, schon im letzten Halbjahr 2002 haben die Ravensberger Pferde nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht und dafür gesorgt, dass der Trainer Zweiter der Statistik wurde. Jetzt haben wir eine Reihe Ittlinger Jährlinge hinzu bekommen. Wie gut hier gearbeitet wird, ist hinlänglich bekannt.

GaloppOnline.de:
Wo werden die Schwerpunkte liegen, bei den Zwei- oder den Dreijährigen?

Torsten Mundry:
Gesundheit vorausgesetzt, denke ich, dass die Dreijährigen für Furore sorgen können. Es sind diejenigen, die im letzten Jahr für zahlreiche Siege als Youngster gesorgt haben. Und das waren nicht wenige, die Dreijährigen werden Schlagzeilen machen. Kaum schwächer sind die jüngsten Vertreter einzuschätzen.

GaloppOnline.de:
Gibt es Derby-Hoffnungen?

Torsten Mundry:
Ich glaube schon, denn ich habe beim Studium von Video-Kassetten zwei bis drei Kandidaten für das Hamburger Blaue Band ausgemacht. Aber insgesamt gesehen, kann ich mir kein absolutes Urteil erlauben, da ich ja bei den Arbeiten der letzten Monate nicht dabei war.

GaloppOnline.de:
In Macau haben Sie über zu wenig Arbeit morgens geklagt, schaffen Sie denn die Umstellung auf die Ravensberger Verhältnisse?

Torsten Mundry:
Es wird wohl ein bisschen schwierig werden mit der Umstellung, doch viel Arbeit wird für mein jetziges Gewicht, 58 kg, sicherlich gut sein. Wenn ich Mitte März wieder mitmische, werde ich auch wieder mein gewohntes Gewicht haben. In der kommenden Woche nehme ich meinen Dienst bei Trainer Peter Rau wieder auf, dann geht es wieder zur Sache.

GaloppOnlinde.de:
Haben Sie für die spätere Trainer-Laufbahn einiges aus Macau mitgenommen?

Torsten Mundry:
Ohne Zweifel einiges. Vor allem bezüglich des Trainings von Sprintern, denn in Macau gab es ungleich mehr Flieger-Prüfungen als in Deutschland. Andreas Schütz hat einmal beklagt, dass es hier zu wenige Sprinter-Rennen gibt, damit auch zu wenige Gelegenheiten, die Pferde speziell für derartige Rennen vorzubereiten. Das kann ich nur unterstreichen. So gesehen habe ich aus Macau schon wichtige Fingerzeige mitgenommen. Hier gibt es eine Handvoll Spezialisten, die in den wenigen Rennen meistens gegeneinander antreten.

GaloppOnline.de:
Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die hiesige Saison 2003?

Torsten Mundry:
An erster Stelle steht eindeutig die Gesundheit. Stimmt es in diesem Punkt, kommt alles andere von allein.

(27.02.2003)