Interview/Jockey Talks

Mit Torsten Mundry

GaloppOnline.de: Saddex hat in Bremen seine Gegner immer beherrscht. Wie beurteilen Sie diesen Erfolg?

Torsten Mundry: Es war ein kleines Feld. Wir hatten uns schon gedacht, dass keiner richtig gehen wollte. Saddex kann gewaltig galoppieren, es war wie eine gute Abschlussarbeit auf Gras. Er brauchte unbedingt noch einen Start vor dem Derby. Verausgabt hat er sich dabei nicht. Er ist ein großes, schweres Pferd, der allein mit der Arbeit nicht fitzubekommen ist. Jetzt ist alles ganz easy.

GaloppOnline.de: Welche Eigenschaften zeichnen ihn besonders aus? Sie haben ihn als „Maschine“ bezeichnet?

Torsten Mundry: Saddex hat einen ganz besonderen Charakter, einen starken Willen. Wenn er das im Rennen umsetzt, kommt richtig Power. Das Pferd ist immer noch nicht ganz ausgereift. Ich denke, dass Saddex erst als Vierjähriger sein wahres Gesicht zeigt. Doch halte ich ihn für gut genug, gegen die guten Dreijährigen zu bestehen. Ein typischer Sadler´s Wells. In der Morgenarbeit lässt er schon sein Können aufblitzen, eine echte Persönlichkeit.

GaloppOnline.de: Was ist Ihre Prognose fürs Derby? Was trauen Sie Saddex zu?

Torsten Mundry: Ich bin überzeugt, dass er unter den ersten Fünf landet. Vorausgesetzt der Boden ist halbwegs normal und der Rennverlauf passt.

GaloppOnline.de: Wer sind für Sie die stärksten Gegner im Derby?

Torsten Mundry: Schiaparelli, Lauro und Aspectus halte ich für meine stärksten Gegner.

GaloppOnline.de: Welche Dreierwette würden Sie schreiben?

Torsten Mundry (lacht): Saddex vor Schiaparelli und Lauro.

GaloppOnline.de: Welche Art von Rennen braucht Saddex?

Torsten Mundry: Er ist völlig unkompliziert. Wenn es kein Tempo gibt, kann er sich das Rennen selbst machen. Es ist nur wichtig, dass er nicht zu früh gedrückt wird. Saddex kann aber aus aus dem Mittelfeld gehen oder aus dem Hintertreffen. Er kann aus dem Rhythmus heraus beschleunigen. Das zeichnet ein sehr gutes Pferd aus.

GaloppOnline.de: Kann man Saddex mit Lavirco vergleichen, mit dem Sie vor zehn Jahren das Blaue Band gewonnen haben?

Torsten Mundry: Lavirco war etwas eleganter. Ein echtes Ausnahmepferd als Champion-Zweijähriger und Champion-Dreijähriger. Saddex wird ein ausgezeichneter Vierjähriger.

GaloppOnline.de: Wie bereiten Sie sich auf solch ein Rennen vor? Sind sie vor dem Derby besonders nervös?

Torsten Mundry: Ich denke, das Umfeld ist nervöser als ich. Ich gehe die Sache ganz locker an, habe 1200 Rennen gewonnen, bin auf der ganzen Welt geritten. Da kann mich nichts mehr erschüttern. Es stellt sich schon eine gewisse Routine ein. Natürlich verfolge ich im Vorfeld alles Wichtige, beschäftige mich mit den Rennen und Formen der Gegner und schaue mir die Startpositionen genau an. So etwas muss man im Auge behalten.

GaloppOnline.de: Sie gelten als Meetingsspezialist. Was sind in Hamburg Ihre besten Ritte und die besten Pferde, auf denen Sie sitzen?

Torsten Mundry: Ich hatte bislang noch nicht viel Zeit, mich zu sortieren, war in den letzten Tagen viel unterwegs. Deshalb kann ich auch noch nicht sagen, wer aus dem eigenen Stall alles läuft. Ich konnte mich auch nicht so stark um Ritte für das erste Wochenende bemühen, werde wohl etwas weniger Engagements als sonst haben.

GaloppOnline.de: Hat die Bilanz in Bad Doberan Ihre Erwartungen noch übertroffen?

Torsten Mundry: Auf jeden Fall. Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft. Zwei bis drei Siege waren eingeplant. Die Bodenverhältnisse passten für meine Pferde, ich hatte auch wirklich sehr gute Ritte.

GaloppOnline.de: Wie stark ist Ihrer Meinung nach der Derby-Jahrgang 2006?

Torsten Mundry: Ich glaube, dass der Derby-Jahrgang sehr gut ist. Man sieht das an den Ergebnissen der Handicaps. Da gewinnen fast nur Dreijährige.

GaloppOnline.de: Mit Tartuffo haben Sie gerade in Compiegne ein Verkaufsrennen gewonnen. Waren Sie im Vorfeld zuversichtlich?

Torsten Mundry: Er stand schon etwas heraus, besaß die beste Klasse im Feld. Schließlich hat er sehr leicht gewonnen. Anschließend ist das Pferd an Robert Collet verkauft worden.

GaloppOnline.de: Mit bislang 38 Erfolgen stehen Sie auf Platz drei der aktuellen Jockey-Statistik. Sind Sie mit der Ausbeute zufrieden?

Torsten Mundry: In diesem Jahr habe ich fast jeden Monat zehn Rennen gewonnen. Dabei kam mein erster Erfolg erst Mitte April zustande. Nun stehe ich dicht bei der Spitze. Es läuft 2006 schon riesig. Mein Trainer, Herr Rau, ist ohnehin ein Meister im Schnitt Siege zu Starts. Das kommt mir zugute. Die Pferde laufen nur, wenn sie eine Chance haben.

GaloppOnline.de: Was sind Ihre Ziele für diese Saison?

Torsten Mundry: Natürlich in erster Linie Gesundheit. Insgeheim spekuliere ich auf einen Start mit Saddex, Egerton oder Donaldson im Arc. Das sind drei potenzielle Hengste für diese Distanz. Ich hoffe, dass einer davon gut genug ist.

GaloppOnline.de: Haben Sie Pläne für eine Karriere im Ausland?

Torsten Mundry: Ich habe ein Angebot aus Australien, für drei oder vier Monate im Winter dorthin zu gehen. Den Trainer, Michael Kent, kenne ich aus Macau. Es handelt sich um eine ernstzunehmende Offerte, das werde ich mir überlegen.

GaloppOnline.de: Wie lange möchten Sie noch als Jockey arbeiten? Möchten Sie weiterhin später eine Trainer-Laufbahn beginnen?

Torsten Mundry: Das hängt in erster Linie damit zusammen, wie lange Herr Rau als Trainer arbeiten möchte. Alles andere wird sich dann regeln. Ich glaube, dass ich in diesem und im nächsten Jahr mit Sicherheit noch reiten werde, sofern meine Gesundheit und mein Körper mitspielen. Wenn ich noch fit bleibe, vielleicht auch länger.

(13.07.2006)