Interview/Jockey Talks

Mit Terry Hellier

Montagmorgen, 10.45 Uhr. Wenn für andere die Woche gerade erst beginnt, haben andere bereits den ersten Arbeitstag bereits hinter sich. Wie bei vielen Jockeys. Für einen Sattelkünstler war dieser Montag zwar ebenfalls um diese Zeit beendet, es war aber alles andere als ein gewöhnlicher Tag für Terry Hellier. An jenem 8. April begann sein Engagement am Stall von Andreas Schütz, hier ritt er erstmals vier Lots. Schon in wenigen Tagen warten Herausforderungen ganz anderer Art auf Hellier, denn nach fast anderthalbjähriger Abstinenz wird er wieder in Rennen reiten, die dünne Schar unserer Spitzenjockeys bereichern (die GaloppOnline.de berichtete). Der 36-jährige besitzt bis zur Rückkehr von Andrasch Starke den ersten Ruf für Gruppe- und Listen-Rennen ab 58 Kilo , anschließend hat er den zweiten Ruf. Michael Hähn traf Terry Hellier nach seinem ersten Tag bei Schütz zu einem kurzen Gespräch

GaloppOnline.de: Wann ist die Entscheidung zu Ihrem Comeback gefallen?

Terry Hellier: Schon in Dubai, allerdings nur für mich selbst. Es war mein eigener Entschluss, wieder anzufangen. Gesprochen habe ich darüber zunächst mit niemenandem, auch noch nicht mit Andreas. ich wollte zunächst keinen Druck. Dubai war eine sehr angenehme Zeit für mich, ich habe da auch einige Kilos abgenommen, allerdings eher unbewusst.

GaloppOnline.de: Wie kam es zu dem Schütz-Engagement?

Terry Hellier: Anfang vergangener Woche hat mich Andreas Schütz angerufen. Er hatte auch die Idee, mich für die besseren Rennen ab 58 Kilo zu buchen. Samum ist allerdings die Ausnahme, ihn reite ich auch mit 57 Kilo.

GaloppOnline.de: Warum haben Sie Ende 2000 eigentlich aufgehört?

Terry Hellier: Das war im November 2000. Ich war einfach müde vom vielen Abnehmen und Schwitzen, wollte Abstand gewinnen. Danach bin ich auch nur noch in Köln auf die Rennbahn gegangen, abgesehen von der Zeit als Assistentrainer bei Peter Schiergen.

GaloppOnline.de: Hat bei Ihrer Rückkehr auch der Mangel an Spitzenjockeys eine Rolle gespielt?

Terry Hellier: Bei einem Gewicht von 57/58 Kilo hat man es natürlich einfacher, wenn nicht mehr so viele Top-Reiter zur Verfügung stehen. In dieser Gewichtsklasse ist es schon schwer. Ich hätte aber auch wieder angefangen, wenn das Engagement am Schütz-Stall nicht zustandegekommen wäre.

GaloppOnline.de: Wieviele Tage reiten Sie auch im Training?

Terry Hellier: Vier Tage, dienstags bis freitags bin ich im Stall. Die ersten beiden Wochen bis zum Rennen von Next Desert in Krefeld bin ich allerdings fünf Tage da, um richtige Kondition zu bekommen.

GaloppOnline.de: Macht Ihnen Ihre Gesundheit noch Probleme?

Terry Hellier: Bis jetzt ist alles okay, ich habe keine Schwierigkeiten. Dubai war für meine Fitness sehr gut.

GaloppOnline.de: Hatten Sie in Dubai eigentlich Kontakt zu Trainer Saeed bin Suroor?

Terry Hellier: Er war täglich am Stall, kennt alle Leute, die hier arbeiten, mit Namen. Man ist sieben Tage die Woche im Einsatz, hat keinen Tag frei. Drei Monate sind da schon eine lange Zeit. Ich bin sehr froh, diese Erfahrungen gesammelt zu haben. Auch wenn man früh mit der Arbeit fertig ist und nicht immer weiß, wie man die Zeit gestalten soll. Man kann ja nicht jeden Tag an den Strand gehen. Jeder hat übrigens im Training sein festes Programm, reitet stets dieselben Pferde. Ich habe zum Beispiel einen Gruppe II-Sieger aus Australien regelmäßig gesteuert.

GaloppOnline.de: Wie haben Sie die Renntage während ihrer Abstinenz erlebt?

Terry Hellier: Das war sehr angenehm. Ich hatte auf einmal mehr viel Zeit, konnte mich auch einmal länger unterhalten, Essen und Trinken. Allerdings bei Gruppe-Rennen, gerade in Baden-Baden kribbelte es schon.

GaloppOnline.de: Wie haben Sie die Zeit ansonsten genutzt?

Terry Hellier: Relaxen stand im Vordergrund. Das war eine sehr ruhige Zeit. ich war drei-, viermal in Urlaub.

GaloppOnline.de: Haben Sie heute morgen schon Andrasch Starke getroffen? Wie war seine Reaktion?

Terry Hellier: Gesehen haben wir uns nicht, er kommt erst ab Dienstag. Andrasch hat mich schon angerufen und mir gratuliert. Er hat gesagt, dass er sich für mich freue. So sehe ich auch unsere künftige Zusammenarbeit.

GaloppOnline.de: Wie würden Sie Ihren “Draht” zu Andreas Schütz bezeichnen? Sie haben ja früher schon einmal zusammengearbeitet...

Terry Hellier: Ich war schon Stalljockesy bei seinem Vater, musste wegen meiner Hinnhautentzündung aufhören. Auch mit Andrasch verstehe ich mich gut, habe öfter die zweite, dritte Farbe geritten.

GaloppOnline.de: Wie waren denn die Reaktionen bei Ihren anderen Jockey-Kollegen?

Terry Hellier: Einige haben wohl schon geahnt, dass ich zurückkommen würde. Jedenfalls habe ich schon in Dubai einige Mails bekommen, die darauf hindeuteten. Es ist sicher unangenehm für manchen Kollegen. Wenn man wie ich anderthalb Jahre raus war aus dem Geschehen und dann sofort wieder gute Ritte habe. Es ist aber auf keinen Fall meine Absicht, anderen etwas wegzunehmen. Letztlich muss man natürlich für sich selbst eine Entscheidung treffen.

GaloppOnline.de: Werden Sie sich einen Manager zulegen?

Terry Hellier: Das brauche ich nicht. Ich versuche selbst, meine Ritte zu sortieren. Im übrigen reite ich in Rennen aller Art. Nicht nur in Listen- und Gruppe-Rennen. Jeder kann mich verpflichten.

GaloppOnline.de: Worin sehen sie selbst Ihre Stärken?

Terry Hellier: Ich glaube, das Tempo im Rennen gut einschätzen zu können, habe gute Nerven. Man muss ein Rennen gewissermaßen lesen können, die Gegner einschätzen, auch die Bahnen kennen. Dann weiß man, wie die Rennen ablaufen.

GaloppOnline.de: Wie lange wollen Sie Jockey bleiben? Können Sie sich auch einen anderen Job im Rennsport vorstellen?

Terry Hellier: Das lasse ich alles auf mich zukommen. Als Trainer werde ich auf gar keinen Fall einmal arbeiten. Das ist nicht mein Fall. Eher könnte ich mir eine Arbeit als Racingmanager vorstellen.

(09.04.2002)