Interview/Jockey Talks

Mit Tarkan Vardik

GaloppOnline.de: Zur Zeit erscheint Ihr Name nicht in den Starterlisten. Was ist passiert?

Tarkan Vardik: Ich bin verletzt, muss Prellungen auskurieren, die mir tagelang arge Schmerzen bereitet haben.

GaloppOnline.de: Wo ist das passiert?

Tarkan Vardik: Beim Aufgalopp mit Kissmiss am 16. Januar. Ich hatte die Bügel verloren, wollte sie mir wieder holen, wobei die Stute weggebrochen ist und ich auf die Umrandung zur Grasbahn gefallen bin. Zuerst waren die Schmerzen zu ertragen, doch dann wurde es immer schlimmer.

GaloppOnline.de: Wann werden Sie wieder arbeiten können?

Tarkan Vardik: Ich wollte eigentlich in dieser Woche wieder anfangen, doch der Arzt war dagegen. So werde ich am Dienstag nächster Woche wieder in den Sattel steigen.

GaloppOnline.de: Die Verletzung kam ja zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt?

Tarkan Vardik: Das kann man wohl sagen. Das war die erste Verletzung, die ich erlitten habe. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo es lief und ich gerade mein erstes Rennen gewonnen hatte.

GaloppOnline.de: Den ersten Sieg vergisst man wohl nie. Wie haben Sie den Tag erlebt?

Tarkan Vardik: Es war einfach ein tolles Gefühl, endlich das erste Rennen gewonnen zu haben. Auf einen derartigen Moment hatte ich ja auch lange genug hingearbeitet. Als junger Reiter ist man in diesem Augenblick einfach nur glücklich.

GaloppOnline.de: Was hat der Besitzer gesagt? Schließlich feierte er an diesem Tag seinen Geburtstag.

Tarkan Vardik: Er war natürlich froh über den Sieg, hat ja auch seine bemerkenswerte Serie von Erfolgen an seinem Geburtstag fortgesetzt. Doch die von ihm vorgegebene Order, seinen Twist Fire zu verstecken, habe ich, ehrlich gesagt, nicht umsetzen können. Das Pferd pullte so stark, dass ich ihn nicht halten konnte, worauf ich nach vorne gegangen und zum Glück auch nach Hause gekommen bin. Wehe, wenn es schief gegangen wäre...

GaloppOnline.de: Wie sind Sie eigentlich zum Rennsport gekommen?

Tarkan Vardik: Schon vor zehn Jahren hat mein Vater in der Türkei von mir verlangt, dass ich Jockey werde. Damals wollte ich aber nicht, habe mich dagegen gewehrt und oft auch geweint. Zu diesem Zeitpunkt war an eine Karriere im Rennsport nicht zu denken.

GaloppOnline.de: Gab es in Ihrer Familie Verbindungen zum Rennsport?

Tarkan Vardik: Ja, über meinen Vater, der in der Türkei schon immer Pferde besaß und Inhaber eines Buchmacherladens ist.

GaloppOnline.de: Und wann haben Sie den Schritt gewagt und sich für den Rennsport entschieden?

Tarkan Vardik: Die Entscheidung für den Rennsport kam nach dem Wechsel aus der Türkei nach Deutschland, den ich mit meiner Mutter gemacht habe, denn nach der Scheidung der Eltern ist mein Vater in der Türkei geblieben. Wir sind öfter einmal zu Rennen gegangen und dabei entstand so allmählich die Begeisterung. Ich habe aber erst einmal meine Schulausbildung zu Ende gebracht und dann 2002 bei Trainer Ralf Suerland eine Lehre begonnen.

GaloppOnline.de: Nun ist dessen Sohn Marvin ein gefragter 5-kg-Erlaubnisreiter. Fühlen Sie sich ihm gegenüber manchmal zurückgesetzt?

Tarkan Vardik: Bei manchen kleineren Dingen mag das der Fall sein, aber im Grunde werden wir gleich behandelt. Dass ein Vater seinen Sohn vielleicht etwas bevorzugt, ist doch verständlich und stört mich in diesem Fall wenig, zumal Marvin und ich uns ausgezeichnet verstehen. Etwas schwierig war es am Anfang, als Marvin als zweiter Lehrling in den Stall kam, doch inzwischen hat sich alles normalisiert.

GaloppOnline.de: Kümmern Sie sich selbst um die Ritte?

Tarkan Vardik: Seit ein paar Wochen hat Jens Hirschberger das Management übernommen und kümmert sich um Ritte. Eine Entscheidung, die mir entscheidend weitergeholfen hat.

GaloppOnline.de: Wie ist dies zu verstehen?

Tarkan Vardik: Seine Tätigkeit erstreckt sich nicht nur darauf, mir Ritte zu besorgen, sondern auch darauf, mir Ratschläge und Tipps zu geben. Wir haben uns zusammen gesetzt und die Rennfilme angesehen, wobei er mich immer wieder auf Fehler und Schwächen hingewiesen hat. Auch am Racehorse-Simulator hat er mir Tricks gezeigt. Er ist halt eine tolle Hilfe.

GaloppOnline.de: Bei welchen Jockeys schauen Sie ganz besonders genau hin und sich das Meiste ab?

Tarkan Vardik: Das ist in erster Linie bei Suborics, Mongil und Starke der Fall. Die Drei sind meine Vorbilder, was Jockeys anbelangt.

GaloppOnline.de: Ist eine spätere Rückkehr in die Türkei denkbar?

Tarkan Vardik: Das ist nicht auszuschließen. Allerdings erst dann, wenn ich wirklich gut bin. Dann könnte ich mir schon vorstellen, über Winter dort und nicht wie andere Jockeys in Macau zu reiten. Bis dahin wird aber noch einige Zeit vergehen.

GaloppOnline.de: Wie sehen die Pläne für 2005 aus?

Tarkan Vardik: In erster Linie gesund und munter zu bleiben. Außerdem viele Ritte und damit Chancen auf Siege zu bekommen, viel zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Ein Ziel in meiner Planung ist auf jeden Fall der 50. Sieg, um dann Jockey zu sein. Wie wichtig Gesundheit ist, erlebe ich derzeit. Zu Hause war es langweilig. Der Arzt wollte mich noch eine Woche krank schreiben, doch das wollte ich nicht. Ich will wieder mitmischen.

(30.01.2005)