Interview/Jockey Talks

Mit A. Suborics

GaloppOnline.de: Wie geht es Ihnen aktuell?

Suborics: Von Tag zu Tag besser, auch wenn ich in den letzten Tagen eine Grippe hatte. Dadurch entstanden Krämpfe, bei Husten hatte ich wahnsinnige Schmerzen. Aber ansonsten geht es spürbar aufwärts. Die Schmerzen sind auszuhalten.

GaloppOnline.de: Müssen Sie noch dauerhaft liegen, oder können Sie bereits wieder aufstehen?

Suborics: Gerade ist Terry Hellier bei mir zu Besuch. Wir waren vorhin im Aufenthaltsraum. Es klappt schneller als gedacht. Ich kann bereits seit einigen Tagen ohne Gehhilfe mich fortbewegen. Der gebrochene Knochen ist komplett entfernt worden. Es muss also kein Bruch verheilen, es geht nur darum, dass das Platin verwächst.

GaloppOnline.de: Was wird denn zur Zeit medizinisch gemacht?

Suborics: Ich bekomme Lymphmassagen. Es wird Blut genommen, un die Infektionswerte zu überprüfen. Während der Grippe bekam ich Inhalationen. Vier Wochen ist jetzt strikte Ruhe noch angesagt, sechs Wochen nach der Operation kann ich mit der Reha anfangen. Nach drei Monaten kann ich den ersten Crash-Test machen, zum Beispiel mit Fußball spielen.

GaloppOnline.de: Haben Sie inzwischen Erinnerungen an den Sturz?

Suborics: Nur an den allerletzten Moment vorher, als wir eingeknickt sind. Alles andere ist weg. Ich habe mir aber mittlerweile schon das Video angesehen.

GaloppOnline.de: Wie können Sie sich die Zeit in der Klinik vertreiben?

Suborics: Ich bekomme sehr viel Besuch und Anrufe. Manchmal muss ich auch den Hörer daneben legen, wenn es zuviel wird. Ich möchte an dieser Stelle allen Besitzern und Freunden danken für den so großen und netten Zuspruch. Wenn ich nicht allen antworten kann, sollte man mir nicht böse sein.

Morgens um sieben Uhr ist die Visite, danach gibt es Frühstück. Und seit kurzem kann ich auch wieder selbständig duschen. Das ist für mich das absolute Highlight. Natürlich lese ich viel, auch die Sport-Welt, schaue fern oder höre Radio. Ich habe ein Einzelzimmer. Ich denke, wenn eine zweite Person mit mir auf dem Zimmer wäre, hätte mich diese schon wegen Ruhestörung angezeigt, da ich soviel Besuch habe.

GaloppOnline.de: Wo soll die Reha über die Bühne gehen?

Suborics: In der Media-Park-Klinik von Dr. Peter Schäferhoff.

GaloppOnline.de: Wann werden Sie wieder in den Sattel steigen?

Suborics: Mein erstes Ziel ist es, gesund zu werden. Ich habe noch keine Entscheidung getroffen, wann ich wieder reite. Ich werde auch nur wieder anfangen, wenn ich mir zu hundert Prozent sicher sein kann, dass ich wieder dasselbe Level wie früher erreiche. Bis dahin ist es ein langer Weg. Das kann drei, vier oder sechs Monate dauern.

GaloppOnline.de: Wie stark ist die Unterstützung von Seiten Ihres Arbeitgebers? Wie zufrieden sind Sie mit der Genesung?

Suborics: Baronin von Ullmann und Baron von Ullmann stehen zu einhundert Prozent hinter mir. Sie drängen mich nicht, setzen mir auch kein Zeitlimit. Wenn ich zurückkomme, werden sicher viele den einen oder anderen Ritt in Zukunft kritisieren und in Verbindung mit dem Unfall bringen. Mir ist es wichtig, für die meisten Leute glaubwürdig zu sein. Wie bei dem Renntag im vergangenen Jahr in Halle, als ich mit anderen zusammen für eine Absage plädiert habe.

Die Fortschritte gehen schneller als ich gedacht hatte, speziell in den letzten drei bis vier Tagen. Zunächst bin ich mit einem Gehwagen aufgestanden, jetzt funktioniert das ganz normal, auch schon schnell. Joggen kann ich natürlich noch nicht. Mein Arzt hat einen sehr guten Namen und leistet tolle Arbeit.

GaloppOnline.de: Ist das erneute Championat überhaupt ein Thema? Wer wird Sie vertreten in der Zeit, bis sie wieder in den Sattel steigen können?

Suborics: Nein, überhaupt nicht. Ich fand es auch geschmacklos, dass es schon wenige Tage nach einer Operation, die sehr kompliziert war, in einer Umfrage bereits darum ging, ob mir die Leute ein weiteres Championat in dieser Saison zutrauen.

Und wie es mit einem Ersatz für mich aussieht, für die Zeit, bis ich wieder fit bin, das kann ich nicht sagen, das fällt auch nicht in meine Zuständigkeit. Besitzer und Trainer sprechen das untereinander ab. Das werde ich nicht beeinflussen. Ich wünsche einem Vertreter aber viel Glück, auch für den Stall. Ich bekomme so viel Rückhalt. Da mache ich mir um meinen Job momentan keine Sorgen.

GaloppOnline.de: Was ist das naheliegendste Ziel?

Suborics: Ich freue mich auf die Reha, möchte, dass sich mein Körper wieder richtig aufbaut. Vor allem muss ich wieder Gewicht aufpacken. Wenn alles in diesem Tempo weiter läuft, bin ich zufrieden.

GaloppOnline.de: Haben Sie bei allem noch Glück im Unglück gehabt? Gerade mit dem Schicksal von Peter Gehm im Hinterkopf?

Suborics: Die Ärzte haben mir gesagt, ich könnte nun zweimal Geburtstag feiern. Es war Millimeter von der Querschnittslähmung entfernt. Der Knochen ist ganz zertrümmert. Übrigens hat mich Peter Gehm am Montag angerufen. Er will mich besuchen, meinte, dass er bei mir vorbeikommen möchte, da ich schon bei ihm war.

(16.02.2005)