Interview/Jockey Talks

Mit Rudi Fopp

GaloppOnline.de: 10.000 Zuschauer und ein Umsatzplus konnte White Turf am ersten Sonntag verzeichnen. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Rudolf Fopp: An diesem ersten Rennsonntag dieses Jahres konnten wir in der Tat dem internationalen Publikum einen Event präsentieren, der seinesgleichen sucht. Volle Ränge, bestes Ambiente, zufriedene Zuschauer, hochkarätigen Rennsport und attraktive Showeinlagen. Was kann man sich mehr wünschen? Das Umsatzplus erreicht fast Rekordwerte.

GaloppOnline.de: Vor allem Bucked Off und Winterwind überzeugten in ihren Grand Prix-Tests. Wer sind für Sie die Favoriten für das Top-Event? Haben sich auch Gäste aus England oder anderen Ländern angesagt?

Rudolf Fopp: Wir gratulieren den Siegern dieser beiden Pferde. Diese Vorstellungen waren schon vom Besseren. Auch Florentiner wusste zu überzeugen. Bei seinem nächsten Start am GP-Tag werden die gleichen Pferde am Sprintstart sein wie letzten Sonntag. Zum GP erwarten wir ein internationales Teilnehmerfeld. Pferde aus Deutschland, England, Frankreich, Ungarn und der Schweiz sind angekündigt. Ich wage keinen Favoriten zu nennen. Schuster bleibe bei deinen Leisten.

GaloppOnline.de:Wie sind die Bedingungen aktuell, auch im Vergleich zum problematischen Vorjahr?

Rudolf Fopp: Im Vorjahr galt es einfach, die Rennen zu sichern, um sie nicht absagen zu müssen. Gegen die Tücken der Natur kann man sich bekanntlich nicht verwehren. Acht Meter Schneefall auf knapp 40cm Eisdicke sind physikalisch betrachtet mehr als nur ein kleines Problem. Bei der in diesem Jahr herrschenden Kälte hat sich inzwischen eine Eisdicke von 70cm gebildet. Wir konnten am letzten Sonntag ein Geläuf präparieren, das keine Wünsche offen ließ.

GaloppOnline.de: Wie ist die derzeitige Sponsorenlage? Wie gut sind die VIP-Bereiche gebucht?

Rudolf Fopp: Der heftige wirtschaftliche Gegenwind ist spürbar. Das ist nicht zu verneinen. White Turf hat für das Jahr 2010 sämtliche Rennen an Sponsoren verkauft. Beide Hauptsponsoren haben ihr finanziell großzügiges Engagement auf Jahre verlängert oder bereits in Aussicht gestellt. Die Rennen sind somit bereits heute für die nächsten drei Jahre gesichert. Im Hospitalitybereich ist eine kleine, unwesentliche Ernüchterung festzustellen. Alleine im smart dekorierten VIP-Zelt, das sich über eine Fläche von 4000m2 erstreckt, werden täglich über 1000 Essen serviert.

GaloppOnline.de: St. Moritz und die Schneerennen sind fester Bestandteil vieler Boulevardmagazine im Print- und TV-Bereich. Wie wichtig ist Ihnen diese Präsenz in den Medien?

Rudolf Fopp: Wir bieten dem zahlreichen, internationalen Publikum nicht nur Pferderennen. Um die Protagonisten herum haben wir einen Event aufgebaut, deren Plattform allerseits genutzt werden will. Dank der Medienpräsenz generiert der Pferdesportanlass vermehrte Wertschöpfung.

Showeinlagen wie der Sauber-BMW-F1 mit Nick Heidtfeld oder die Ungarische Post mit 8 Pferden tragen das ihre dazu bei, wie die letztjährige Anwesenheit von Noemi Campbell. Diesen Renntag hat gar Roger Federer, der wohl bekannteste Schweizer aller Zeiten, den Event White Turf besucht. Unser Hauptsponsor Credit Suisse hat all dies möglich gemacht.

GaloppOnline.de: Wie groß ist der finanzielle Aufwand in der gesamten Organisation eines Meetings bzw. im Marketingbereich?

Rudolf Fopp: Das direkte Budget beträgt etwas über CHF 3 Mio. Indirekt kann noch eine Mio. dazugeschlagen werden. Catering und Pressestelle haben wir ausgelagert, respektive wir haben diese Spezialisten in unser Team eingebaut. Das Marketing betreuen wir intern. Die Rennpreise betragen in etwa ein Sechstel des Haushalts, die Sponsoren tragen zur Finanzierung der Rennevents weit über 50 % bei.

GaloppOnline.de: 2010 ist Ihr letztes Meeting als CEO. Wo sehen Sie Ihre berufliche Zukunft?

Rudolf Fopp: Zusammen mit meinem Team durfte ich in den letzten vielen Jahren recht viele Highlights umsetzen. Besonders erwähnen möchte ich die Einführung der Sprintrennen, die Verdoppelung der Rennpreise, auch Vollblutaraberrennen und berittene Trabrennen konnten wir erfolgreich durchführen. Der Besuch der Turflegenden Lester Piggott, Yves St. Martin, Hein Bollow, Frankie Dettori, Peter Schiergen oder Heinz Wewering und Jos Verbeeck freute jeweils sämtliche Adressaten.

Im Pferderennsportlichen erwähne ich die Neuinstallation der Plastik-Rails, der beiden Startmaschinen für Galopp und Skikjöring. Das nunmehr professionelle Bearbeiten des Geläufs hat viel Goodwill gebracht. Gelungen ist vor allem der prosperierende Switch zur Eventveranstaltung und schliesslich sind wir stolz auf unsere internationalen Kooperationen mit Mauritius, Hamburg und Newmarket. Das hat kein anderer.

Hauptberuflich bin ich nach wie vor als Treuhänder und Revisionsexperte tätig. Zukünftig kann ich mich wieder vermehrt dem Treuhandwesen widmen und kurzfristig die vielen Pendenzen aufarbeiten. Schließlich sind Projekte aufgegleist, die eine internationale Tätigkeit im Pferderennsport zum Inhalt haben könnten. Aber eben, es sind noch Projekte, worüber ich mich nicht konkreter äußern will.

GaloppOnline.de: Hintergrund Ihrer Demission waren Konflikte auf Funktionärs-Ebene. Bereuen Sie diese Entwicklung?

Rudolf Fopp: Nein, die Gründe liegen anderswo. Wie an der letzten Versammlung orientiert, wird es an der Generalversammlung in diesem Sommer zu einem Generationenwechsel an der Spitze von White Turf kommen. Ich will nach insgesamt achtzehn Jahren Präsidium kürzer treten. Mein Nachfolger soll der 34-jährige Silvio Staub werden.

Er wurde bereits als 22-Jähriger Skikjöring-König des Engadins, ist selber Besitzer von Rennpferden und in dritter Generation eng verbunden mit dem Anlass. Die Nachfolge, die schon vor drei Jahren publik gemacht worden ist, ist seit längerer Zeit geplant und vorbereitet worden.

Es mag hingegen mehr als nur erstaunen, wenn White Turf in all den Jahren nicht ein einziges Mal von Verbandsseite für ein Vergehen oder eine Vertragsverletzung gerügt worden ist. Darüber haben sich bekanntlich die Medien geäußert und die beiden sachverständigen Herren Sorg und Jegen haben gute Beurteilungen abgegeben. Wir haben unsere Qualifikation für die Durchführung von Pferderennen bewiesen und alle geforderten Auflagen längst erfüllt. White Turf besitzt einen Leistungsausweis.

Mit allen Mitteln wird immer noch versucht, die Lizenzerteilung für das Jahr 2011 zu verzögern. Es ist mehr als nur unverständlich, weshalb dem renommierten White Turf geradezu willkürlich und schikanös die Lizenz bislang verweigert wird. Den Gesamtinteressen des Schweizer Pferderennsportes wird geschadet, nicht zu verstehen ist der Interessenkonflikt des Herrn Kratzer.

GaloppOnline.de: Wie sehen Sie die Zukunft der Rennen in St. Moritz?

Rudolf Fopp: Seit über 100 Jahren werden auf dem gefrorenen St. Moritzersee Pferderennen organisiert. Ein Anlass mit großer Strahlkraft. An die 30 000 Besucherinnen und Besucher sind jeweils an den drei Rennsonntagen auf dem See. Die Medienpräsenz ist riesig und für St. Moritz und das Engadin von unbezahlbarem Wert. Es ist mir gelungen, den Anlass kontinuierlich weiterzuentwickeln. Der Pferderennsport ist bei White Turf nach wie vor ein wichtiges Standbein, längst aber nicht mehr das einzige.

Es ist dieser Mix aus Sport, Show, Kultur und Genuss, der die Massen auf den See lockt. Pferderennen wären ohne das nicht überlebensfähig. Sie müssen finanzierbar sein. Mein Nachfolger Silvio Staub wird neuen Schwung bringen. Pferderennen in St. Moritz wird es auch in den nächsten 100 Jahren geben.

GaloppOnline.de: Wie ist Ihr eigener Rennstall aktuell bestückt?

Rudolf Fopp: Im Vergleich zu den früheren Jahren habe ich den Rennstall merklich reduziert. Ganz zufällig habe ich 2008 bei Manfred Hofer einen Jährling gekauft. Der Dreijährige Unusual steht bei Werner Hefter in Training. Mehrere Kaufsabsichten für einen St. Moritz-Starter haben sich leider zerschlagen. Meine Tochter Sandra managt das einzige Rennpferd. Auch die Reitpferde Luc Chairman und Antillas stehen in Baden-Baden.

(11.02.2010)