Interview/Jockey Talks

Mit R. Schumacher

GaloppOnline.de: Sie haben drei Siege in einer Woche geschafft. Zwei Erfolge kamen für Ihren Chef Roland Dzubasz zustande. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Trainer aus Hoppegarten?

Rebecca Schumacher: Kurz nach dem Ende meiner Lehrzeit bei Peter Rau und seinem Nachfolger Torsten Mundry kam Roland Dzubasz auf mich zu, ob ich mir nicht vorstellen könnte, bei ihm am Stall zu arbeiten. Meine Planung sah zwar vor in Warendorf zu bleiben, aber nachdem ich die Anlage in Hoppegarten mit den tollen Bedingungen gesehen hatte, stand schnell für mich fest, dass ich das Angebot annehme. Zudem bot sich mir mit dem Wechsel die Chance, mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln.

GaloppOnline.de: Wo haben Sie das „Handwerk“ des Jockeys gelernt? Gab es diesen Berufswunsch schon immer?

Rebecca Schumacher: Ich bin da sozusagen hineingeboren worden, da sich meine Mutter als Züchterin betätigt hatte. Mit 5 Jahren habe ich das erste Mal auf einem Pferd gesessen, aber klassische Reitstunden hatte ich nie. Ich habe mir einfach immer alles abgeschaut, mir ein Pferd geschnappt und es hat irgendwie funktioniert, irgendwie hatte ich ein Gespür dafür. Als ich das erste Mal auf einer Rennbahn war, stand für mich unumstößlich fest, ich möchte Rennreiterin werden. Später habe ich dann immer in den Ferien Praktika in Rennställen gemacht und nach meiner Schulzeit kam die Lehre im Galopptrainingszentrum Warendorf bei Peter Rau und Torsten Mundry.

GaloppOnline.de: Was waren Ihre bisherigen Stationen? Wer waren Ihre besten Lehrmeister?

Rebecca Schumacher: Wie gesagt, bin ich schon kurz nach meiner Lehrzeit zum Rennstall Hoppegarten gewechselt. Mit Peter Rau hatte ich bestimmt keinen „einfachen Lehrmeister“, aber wie sagt man so schön, „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, und gelernt habe ich mit Sicherheit sehr viel von meinen beiden Lehrmeistern. An dieser Stelle hier auch besten Dank an meinen alten Kollegen Andre Best, der für den Nachwuchs immer da war und weiterhelfen konnte. Auch an Alex Pietsch, der nie mit seiner Erfahrung zurückhält und mir schon immer wertvolle Tips gab.

GaloppOnline.de: Wie kümmern Sie sich um Ihre Ritte? Gibt es einen Manager?

Rebecca Schumacher: Da ich als Neuling meistens nur auf Außenseitern gebucht werde, kümmere ich mich selbst um meine Ritte. Meistens übernimmt das dann mein Freund für mich, da ich schon einen langen Arbeitstag am Stall habe.

GaloppOnline.de: Wie ist der Stand Ihrer Ausbildung? Wollen Sie im Hauptberuf Jockey bleiben, oder gibt es auch andere Möglichkeiten?

Rebecca Schumacher: Da ich es selbst so sehe, erst am Anfang meiner Entwicklung zu stehen, habe ich mit dem Wechsel nach Hoppegarten zu Roland Dzubasz den richtigen Weg eingeschlagen. Der Trainer nimmt sich mir weiter an und fördert meine Entwicklung sehr, in der täglichen Arbeit und auch bei Studium meiner Rennen. Natürlich will ich im Hauptberuf Jockey bleiben, ich kann mir nicht anderes vorstellen.

GaloppOnline.de: Wie beurteilen Sie die Trainingsbedingungen in Hoppegarten? Hat sich die Bahn sehr zum Vorteil verändert?

Rebecca Schumacher: Ich kenne das „alte Hoppegarten nicht“, kann deshalb nur etwas zur jetzigen Situation sagen. Die Trainingsbedingung sind mit einer 2.500 und 3.200 Meter Sandbahn, einer 2.000 Meter Grasbahn und den Möglichkeiten direkt am Stall, der zudem über große Koppeln verfügt, einfach hervorragend.

GaloppOnline.de: Müssen Sie viel tun, um Ihr Gewicht zu halten?

Rebecca Schumacher: Mit meinem Gewicht habe ich keine Probleme, ich reite jeden Tag zwischen 6 und 8 Lot, da komme ich immer hin. Ich bringe im Sommer 49 kg und im Winter 50 kg jederzeit in den Sattel.

GaloppOnline.de:Wohnt Ihre Familie auch in Berlin? Was machen sie in Ihrer Freizeit?

Rebecca Schumacher: Meine Familie stammt aus Magdeburg und ist dort noch immer ansässig. Da mein Beruf auch sozusagen mein Hobby ist, bleibt für Freizeit eigentlich wenig Zeit. Aber ich mache sehr gerne Sport,lese viel und dann gibt es noch meinen Jack Russel Tequila, der nie fehlen darf.

GaloppOnline.de: Haben Sie Vorbilder?

Rebecca Schumacher: Im Grunde nicht, aber ich schaue mir schon alle Rennen der der Top-Jockeys genauer an. Kopieren kann man diese als Amazone diese zwar nicht, aber auch dies fördert einen.

GaloppOnline.de:Welches Pferd ist Ihr absoluter Favorit?

Rebecca Schumacher: Ganz klar Almano, auf dem ich mein erstes Rennen gewonnen habe und den ich mittlerweile in- und auswendig kenne. Dann Wellaria, eine Stute bei uns am Stall, die sich zwar oft als „Zicke“ präsentiert, aber die ich einfach lieb gewonnen habe. Dann fehlt noch Leczenia, die immer als längste Außenseiterin am Toto stand und mit der ich bisher immer im Geld war, ich hatte letzte Woche schon Tränen nach dem Rennen in den Augen, als sie sich auf Sand in dieser Form präsentierte.

GaloppOnline.de:Werden Sie den Winter durchreiten?

Rebecca Schumacher: Ja, ich reite den Winter durch und bin für alle Gelegenheiten offen.

GaloppOnline.de:Wie beurteilen Sie die Situation im deutschen Turf?

Rebecca Schumacher: Diese Frage ist für mich als noch junge Rennreiterin nicht einfach zu beantworten und ein wenig möchte ich mich auch um die Antwort deshalb drücken. Ich weiß um die Situation im deutschen Galoppsport und sehe auch die Problematik. Es bleibt zu hoffen, dass der nun eingeschlagene Weg greift. Anmerken muss ich aber, wie soll es mir als noch junger Rennreiterin möglich sein, 1.000 Euro beizutragen? Ich würde mich gerne beteiligen, da es mein Beruf ist und meine Zukunft sichert, aber hier wurde die Situation der einfachen Jockeys und Rennreiter verkannt, die gar nicht in der Lage sind, diesen Betrag aufzubringen.

(03.12.2009)