Interview/Jockey Talks

Mit Paul Johnson

GaloppOnline.de: Sie ergreifen eine neue Chance beim Schopf. Wie kam es zu Ihrer Entscheidung, die Reitstiefel an den Nagel zu hängen?

Paul Johnson: Irgendwann musst du Dich entscheiden, wie es weitergehen soll. Der Trainer hat mich gefragt, ob ich mir den Assistenztrainerjob bzw. den des Futtermeisters vorstellen könnte. Sein Vertrauen ehrt mich und ich habe nicht lange überlegt, um ihm meine Hand darauf zu geben. Es ist eine neue Aufgabe in vertrauter Umgebung, sozusagen als Mann für alle Fälle. Das Team kennt sich bestens und das erleichtert die Sache natürlich.

GaloppOnline.de: Das heißt, Sie werden nicht mehr in den Rennsattel steigen?

Paul Johnson: Ja, das stimmt. Nur noch für den eigenen Stall in der Morgenarbeit, das habe ich dem Trainer wie gesagt versprochen. Aus der Flachrennszene bin ich eigentlich schon länger raus, da wird es nicht so schwer fallen. Aber wenn ich demnächst wieder Hindernisrennen schaue, wird es sicher wieder kribbeln.

Paul Johnson: Es hat mir immer großen Spaß bereitet, mit dieser Geschwindigkeit gerade über die Jagd- und Hürdensprünge zu fliegen. Aber irgendwann muss man sich schließlich entscheiden. Außerdem kann ich jetzt alles essen, außer Fisch und Fleisch, ich wiege jetzt so um die 65 Kilos.

GaloppOnline.de: Wie sieht es mit Verletzungen in Ihrer Karriere aus?

Paul Johnson: Ich habe mir so ziemlich alles gebrochen, was man sich brechen kann, außen herum meine ich: Beide Schlüsselbeine, Arm, Hände, Beine, nur der Kopf ist heile geblieben, aber da ist eh nicht soviel drin, da kann auch nichts brechen, hat ein Freund mal zu mir gesagt, toi toi toi.

GaloppOnline.de: Sie haben zahlreiche Rennen gewonnen, dabei Gruppe I-Lorbeer sowohl auf der Flachen als auch im Hindernissport. Wieviele Rennen haben Sie insgesamt gewonnen?

Paul Johnson: Darauf bin ich auch ziemlich stolz. So um die 500, zumal ich in Italien jedes Jahr zuletzt meine 20 Rennen über Hindernisse gewonnen und auch sonst im Ausland des öfteren gepunktet habe“. Oftmals reiste ich nach Italien, sprang zudem junge Pferde in der gesamten Republik ein, weil man vor allen Dingen meine Erfahrung wie gesagt schätzte.

„Da kamen allein in Deutschland schon mal über 100.000 gefahrene Kilometer zusammen. Aber irgendwann wird es auch zuviel, verlässt Dich die Energie und du musst Dich eben entscheiden.

GaloppOnline.de: Was waren Ihre wichtigsten Erfolge?

Paul Johnson: Die ersten besseren Erfolge im Rennsattel hießen Aconcagua auf Listenlevel in Baden-Baden oder Pyromaniac bzw Icemoon auf der Flachen. Es folgte in weiteren besseren Prüfungen: Tannenstern, Night Sun, Vishnu, Skip, Irish Fire, Luca, Margosto, Eisenherz, Nissan und Nestor oder im vergangenen Jahr mit dem Karlshofer Karibiksturm in Auteuil, was auch zu meinen besonderen Erlebnissen zählt, dort geritten und gewonnen zu haben.

Einen besonderen Platz wird jedoch immer Silvester Lady inne haben, nicht zuletzt, weil ich mit ihr meinen größten Treffer, nämlich im Preis der Diana 2001, also vor 10 Jahren nach einem absoluten Sahneritt, landete. Das gleiche Kunststück gelang mir auch im illegitimen Metier.

Mit Royal Mougins, einem Daylami-Sohn, gelangen zwei Gruppe I-Erfolge über Hindernisse für Trainer Holczak in Meran. Insgesamt habe ich mit Royal Mougins 10 Rennen gewonnen, alles fing damit an, das der eigentliche Jockey zuvor gestürzt war und ich zufällig in Meran ritt. Von da an haben die mich immer draufgesetzt.

GaloppOnline.de: Wie fing alles an?

Paul Johnson: Die Lehre angefangen habe ich damals in England, da war ich klein, wog gerade mal 35 Kilos bei Maurice Camacho (Malton) und wollte so wie mein Vorbild Willie Carson reiten, weil der immer so lustig daherkam. Später landete ich bei Trainer Mick Easterby und arbeitete mit Größen wie beispielsweise Kevin Darley zusammen.

GaloppOnline.de: Sie haben, seit Sie in Deutschland leben, immer in Köln und Umgebung gewohnt?

Paul Johnson: Ja, genau. Die Chemie, vor allen Dingen in Köln hier im Rheinland hat sofort gestimmt. Ich hab hier sofort reingepasst. Die offenherzige Art kam mir dabei sehr entgegen, hat mir zudem sehr geholfen, die Sprache schnell zu lernen. Ich war eigentlich fast immer in Köln, möchte auch nicht anderswo leben.

GaloppOnline.de: Und Sie sind die meiste Zeit dem Quartier von Andreas Löwe treu geblieben.

Paul Johnson: Vom Trainer habe ich in dieser Zeit schließlich alles gelernt, was ich kann. Ihm habe ich alles zu verdanken. Wenn es jemanden gibt, der Pferde beurteilen kann, dem ich einen Auftrag für einen Pferdekauf geben würde, dann ist das der Trainer. Ich freue mich jedenfalls sehr auf die neue Tätigkeit und will noch mehr Erfahrungen aus anderer Perspektive sammeln

(05.08.2011)