Interview/Jockey Talks

Mit Michael Figge

GaloppOnline.de: Ein Punkt Rückstand, Sie werden sicherlich alles daran setzen, das Championat zu erringen. Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Michael Figge: Natürlich. Grundsätzlich bin ich auch optimistisch, zumal ich derzeit noch 59 Kilo reiten kann, was ich eigentlich nur als Kampfgewicht für Baden-Baden vorgesehen hatte. Die Chancen liegen wohl bei fünfzig/fünfzig. Oliver Sauer hat einen Sieg mehr. Wenn ich noch ein Rennen gewinnen würde, würden wir beide hochgezogen, damit wäre ich schon zufrieden.

GaloppOnline.de: Hätten Sie vor der Saison damit gerechnet?

Michael Figge: Nein, absolut nicht. Das war so eigentlich alles gar nicht geplant. Ich bin schon seit 1989 Amateur, habe aber eigentlich größtenteils nur in München, Frankfurt oder mal auf der einen oder anderen B-Bahn geritten. 1999 habe ich häufiger für Börje Olsson geritten, da hatte ich bei 30 Ritten vier Siege. 2001 habe ich komplett ausgesetzt, was in meinem damaligen Gewicht begründet war.

GaloppOnline.de: Und wie kommt es dann, dass Sie in diesem Jahr soviel Engagement und Ehrgeiz entwickeln?

Michael Figge: Angefangen hatte alles damit, als im Frühjahr Werner Baltromei anrief und fragte, ob ich fit sei. Ich antwortete ihm, dass ich zwar nicht topfit sei, aber es würde schon gehen. Ich sollte für ihn auf der Sandbahn in Dortmund Altamirano reiten. Dann kam auch noch Rapa Nui hinzu. Der Trip gestaltete sich aber ziemlich kompliziert, denn wegen Schnee musste ich nach Köln fliegen, statt nach Düsseldorf. Von Köln aus bin ich dann mit dem Taxi auf den letzten Drücker nach Dortmund gefahren. Dabei ist mir noch eine Flasche Wein ausgelaufen, die ich einer Bekannten mitbringen wollte. Meine ganzen Klamotten waren von dem Wein durchnässt. Lustigerweise hat mir dann Oliver Sauer mit einer Reithose ausgeholfen.

GaloppOnline.de: Es hatte sich aber gelohnt, oder?

Michael Figge: Ja, mit Rapa Nui habe ich gewonnen, mit Altamirano war ich Dritter. Als es dann gut weiterlief, habe ich dann auch den Biss entwickelt, mehr erreichen zu wollen.

GaloppOnline.de: Ist es von der Logistik her nicht schwierig, wenn man aus München kommt? Auch ist das doch wohl eine Kostenfrage.

Michael Figge: Das klappt eigentlich ganz gut, übernachten kann ich meistens bei Filip Minarik oder Andreas Suborics. Der Amateurverband gibt pro Kilometer sieben Cent dazu, oder bezahlt ein Bahn-Ticket zweiter Klasse. Meistens bekomme ich aber Flüge, die billiger sind als die Bahnfahrten, so dass das auch für den Amateurverband günstiger ist.

GaloppOnline.de: Erfahren Sie in diesem Jahr noch Unterstützung durch den Stall Ihres Vaters? Werden Pferde von ihm auf Sand laufen?

Michael Figge: Zwei Pferde, Tiger Lass und El Honor werden sich auf Sand versuchen. Das ist aber erst mal als Test gedacht. Wenn sie gut laufen, werden sie wohl noch einmal eingesetzt.

GaloppOnline.de: Wenn Sie Champion werden, wird man Sie dann im nächsten Jahr auch bei den Fegentri-Rennen im Einsatz sehen?

Michael Figge:Ich würde schon gerne dabei sein, wenn ich die Möglichkeit bekomme. Allerdings reite ich keine Hindernisrennen. Vielleicht kann man das ja so regeln, dass ich dann in den Flachrennen reiten könnte und jemand anders in den Hindernisrennen.

GaloppOnline.de: Der Sport zwischen den Flaggen ist also nicht Ihr Ding?

Michael Figge: Nein, vielleicht wäre das anders, wenn der Hindernissport hier noch so wäre wie früher, aber heutzutage gehen doch meistens nur Pferde auf die Hindernisbahn, die auf der Flachen keine Chance mehr haben. Ausnahme sind natürlich die Pferde von Herrn Zimmermann. Ohne ihn würde es im Hindernissport hierzulande wohl ganz düster aussehen.

GaloppOnline.de: Haben Sie mal an eine Profi-Karriere gedacht?

Michael Figge: Nein, das war nie ein Thema, allein schon wegen dem Gewicht.

GaloppOnline.de: Was machen Sie denn beruflich?

Michael Figge: Ich bin gelernter Industriekaufmann, habe auch eine Ausbildung zum Pferdewirt gemacht und eine Heilpraktikerausbildung. Meine Mutter ist in diesem Beruf tätig. Ich interessiere mich sehr für Naturheilkunde, habe sie auch schon bei Pferden aber auch bei Menschen, da aber nur bei Bekannten und Freunden, angewandt. Seit Oktober 2003 bin ich auch Geschäftsführer der Rennstall Figge GmbH. Deshalb hatte es zu Beginn etwas Theater gegeben, weil einige behaupteten, ich könne deshalb nicht mehr als Amateur reiten. Das stimmte aber nicht.

GaloppOnline.de: Werden Sie den später mal den Stall Ihres Vaters übernehmen?

Michael Figge: Ja, das ist schon sehr wahrscheinlich.

GaloppOnline.de: Zuletzt hatte es etwas Theater wegen Ihrer Erlaubnis gegeben, zwei Pferde, die Sie geritten haben, mussten nachträglich disqualifiziert werden.

Michael Figge: Ja, das war eine dumme Sache. Ich hatte vor sechs Jahren ein Rennen in Most in Tschechien gewonnen. Das tauchte im Direktoriumscomputer gar nicht auf, deshalb wusste ich nicht, dass es trotzdem zählt. Nun habe ich nur noch zwei Kilo Erlaubnis.

GaloppOnline.de: Was machen Sie, wenn es mit dem Championat in dieser Saison doch nicht klappen sollte?

Michael Figge: Dann greife ich natürlich im nächsten Jahr wieder richtig an. Es wäre ein Novum, dass ein Amateur aus München Champion wird, und das will ich schaffen. Bei den Frauen gelang das meines Wissens Thesi von Werner einmal. Ich habe in diesem Jahr auf sechzehn verschiedenen Bahnen geritten, dazu in Frankreich und Italien, wo ich für Marion Rotering mit Kayo auch ein Rennen gewonnen habe. Ich habe jetzt Blut geleckt.“

(02.12.2004)