Interview/Jockey Talks

Mit L. Hammer-H.

GaloppOnline.de: Herr Hammer-Hansen, am vergangenen Wochenende gelangen Ihnen gleich drei Treffer auf der Sandbahn in Dortmund. Ist das der Ausdruck eines neuen Selbstbewusstsein?

Lennart Hammer-Hansen: Das kann man so nicht sagen. Eigentlich läuft es seit der Trennung am Mäder-Stall vor dem Hamburger Meeting besser denn je. Ich arbeite aktuell als Freelancer. Zugegebenermaßen war es nicht einfach, hier in Deutschland wieder auf die Beine zu kommen, als ich mit den ersten Ritten im Frühjahr versucht habe, wieder chancenreiche Ritte zu bekommen.

Wenn man einmal weg vom Fenster ist, muss man sich das Vertrauen der Trainer und Besitzer erst wieder erkämpfen, in diesem Zusammenhang habe ich sehr viel Rüdiger Alles zu verdanken, der mich managt. Aber auch allen denen, die mir das Vertrauen geschenkt haben und mir Chancen gegeben haben gilt mein ausdrücklicher Dank. Außerdem bin ich topfit, habe keinerlei Gewichtsprobleme, bringe 54,5 kg in den Sattel und es läuft wirklich gut.

GaloppOnline.de: Was waren die ausschlaggebenden Gründe, dass Sie in Deutschland wieder mit dem Rennreiten begonnen haben, und wo arbeiten Sie momentan?

Lennart Hammer-Hansen: Die Gründe, warum ich mich entschlossen habe, wieder Rennen zu reiten, sind verwurzelt in einer tiefen Sehnsucht und Verbundenheit mit dem Galopprennsport. Ich habe zuvor 15 Jahre Stallgeruch eingeatmet. Das hat mir einfach sehr gefehlt. Vor allen Dingen, wenn die Pferde dich morgens wiehernd begrüßen, überhaupt das Arbeiten mit lebenden Tieren ist für mich durch nichts zu ersetzen.

Dass es mittlerweile so gut läuft, hat in erster Linie damit zu tun, dass ich auf Schlenderhan eine feste Anstellung gefunden habe. Dort reite ich montags bis freitags in der Arbeit. Eine Super-Anlage und ein Top-Team.

Ich bin sehr dankbar, dass in diesen nicht einfachen Zeiten eine feste Arbeit habe. Es gibt mir und meiner Familie, wir haben zwei Kinder, zwei- und neunjährig, die Sicherheit, die man nicht zuletzt für erfolgreiches Rennreiten braucht, die den Kopf freihält und dir die Chancen gibt, die du einfach brauchst. Auch in diesem Zusammenhang gilt mein Dank an Rüdiger Alles, der das Engagement eingefädelt hat.

GaloppOnline.de:In der Statistik 2005-2006 tauchen in Deutschland nur wenige Ritte auf? Was waren hier die Gründe?

Lennart Hammer-Hansen: Hier bin ich vornehmlich in Skandinavien in den Rennsattel gestiegen, bin dann aber zu den Meetings wie Baden-Baden herüber gekommen. Mit drei Derby- und einem St.Leger-Sieg in Skandinavien lief es richtig rund. Vornehmlich hab ich dort Reitverpflichtungen für Wido Neuroth wahrgenommen, aber auch die Engagements für Christian Sprengel in Deutschland auf König Turf und El Vettorio waren sehr schöne Erlebnisse, die man nicht vergisst.

GaloppOnline.de: Werden Sie denn über Winter durchreiten? Stehen Sie auch für Auslandsritte zur Verfügung? Welche Ziele und Wünsche hat Lennart Hammer-Hansen in der Zukunft?

Lennart Hammer-Hansen: Man soll ja nie nie sagen. Aber ich möchte mal abwarten, ob es weiter so gut läuft. Aber eigentlich habe ich den Plan, bis zum 21.12. zu reiten. Dann folgt Weihnachtsurlaub, wo wir unsere Familie in Dänemark und Baden Baden besuchen werden. Anschließend möchte ich dann die Gelegenheit nutzen, bis zum Beginn der neuen Grasbahnsaison an den Wochenenden für meine Kinder da zu sein, die sollen auch zu ihrem Recht kommen.

Aber grundsätzlich stehe ich für Ritte nach Absprache, z.B. in Frankreich, gerne zur Verfügung. Gesund bleiben und Rennen gewinnen ist für uns Jockey natürlich das Allerwichtigste. Wenn man bedenkt, dass man früher als Profireiter ca. 800 Rennen im Jahr bestreiten konnte, und heutzutage kommt man nur mit Mühe auf 400 Jahresritte, dann sind das schon Einschnitte für Jockeys, die den Sport professionell betreiben. In diesem Zusammenhang hoffe ich natürlich, dass es bald wieder aufwärts geht mit diesem schönen Sport.

(28.11.2008)