Interview/Jockey Talks

Mit Kirstin Hutcheson

GaloppOnline.de: Hatten Sie mit einer solchen Saisonbilanz gerechnet?

Hutcheson: Überhaupt nicht, zumal ich ja erst im letzten Jahr wieder angefangen habe, im Rennen zu reiten. Wilfried Kujath meinte, er würde mir etwas zu reiten geben, wenn es sich anbietet, könnte aber nichts versprechen. Ich hatte fünf Jahre pausiert, hatte geheiratet. Das Gewicht hat dann auch nicht mehr so gestimmt. Deshalb habe ich aufgehört. Mein Mann und ich haben uns getrennt, einige Kilos kamen runter. Da habe ich es noch einmal probiert. Ich war in der Zwischenzeit aber immer bei Wilfried, habe unverändert ausgeritten.

GaloppOnline.de: War der Treffer in Iffezheim etwas Besonderes?

Hutcheson: Ganz sicher, obwohl ich vor zehn Jahren schon einmal das Nachwuchsreiten in Baden-Baden gewonnen hatte. Ich hatte einen Sieg von Sambucan Daze nicht erwartet. Während des Rennens dachte ich an ein Platzgeld, doch dann schoss er durch das Feld. Das war schon ganz gut.

GaloppOnline.de: Stimmt es, dass Sie die Order im Auto bekommen haben?

Hutcheson: Das stimmt, ich bin mit Besitzern hingefahren. Sie haben gesagt, wenn du nicht gewinnst, dann mußt du nach Hause laufen. Natürlich war das nur ein Scherz. Ich sollte in der zweiten Spur gehen, das hat auch geklappt. Ich denke, bei ihm sollte weitere Steigerung möglich sein, er kann noch das ein oder andere Rennen gewinnen. Am Abend haben wir im Elsass noch ein wenig gefeiert.

GaloppOnline.de: Wie ist Ihr Verhältnis zu Wilfried Kujath?

Hutcheson: Sehr gut, auch die Besitzer setzen mich immer wieder drauf. Da gibt es überhaupt kein Problem. Ich bin ja jetzt schon zehn Jahre bei Wilfried am Stall.

GaloppOnline.de: Was waren Ihre vorherigen Stationen?

Hutcheson: Ich bin in Schlüchtern in Hessen geboren, in Schleswig an der dänischen Grenze aufgewachsen. Wir hatten einen Bauernhof mit Ponys. Als das Derby im Fernsehen übertragen wurde, wurde eine Adresse und Telefonnummer des Direktoriums gemeldet, man suchte Nachwuchs. Wir haben uns an den Verband gewendet, dort hat man mir weitere Anschriften besorgt. Schließlich hat sich Günther Broda gemeldet. Meine Ausbildung habe ich bei ihm in Hannover gemacht. Von dort aus bin ich nach Frankfurt gewechselt, war zunächst zwei Monate bei Marion Rotering, dann zwei Jahre bei Heinz Hesse, ehe ich bei Wilfried Kujath angefangen habe.

GaloppOnline.de: Was ist Ihr Ziel für diese Saison?

Hutcheson: Dreißig Karrieresiege hatte ich mir vorgenommen, für kommendes Jahr peile ich die Marke von fünfzig an.

GaloppOnline.de: Wie sieht es mit Ihrem Gewicht aus?

Hutcheson: Mein niedrigstes Gewicht sind 53 Kilo. Ich jogge viel, gehe mit meinem kleinen Hund viel spazieren.

GaloppOnline.de: Sie haben früher unter dem Namen Funk geritten, woher kommt der Name Hutcheson?

Hutcheson: Mein Ex-Mann kommt aus Südafrika, der Name ist allerdings schottischen Ursprungs. Ich bin von meinen vier Schwestern übrigens die einzige, die reitet. Alle anderen haben Angst. Wenn ich in Frankfurt im Einsatz bin, ist immer eine von ihnen mit dabei.

GaloppOnline.de: Können Sie sich auch vorstellen, in einer anderen Gegend zu arbeiten?

Hutcheson: Ich hatte ein Angebot, nach Düsseldorf zu wechseln. Aber so lange in Frankfurt Rennen stattfinden, will ich hier nicht weg. Zumal meine Schwestern auch hier wohnen. Ich habe in letzter Zeit auch für Daniela Thomas mit Danse Avec Moi und für Heinz Hesse mit Barten gewonnen.

GaloppOnline.de: Was war das beste Pferd, das Sie bislang geritten haben?

Hutcheson: Das war Winning Dash im Training, ich reite ihn immer. Er pausiert derzeit bis zum kommenden Jahr.

GaloppOnline.de: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Hutcheson: Wir treffen uns in der Stammkneipe, dem Paragon auf der Rennbahn. Hier sind alle aus dem Sport, auch der Trainer. Ich wohne drei Kilometer von der Bahn weg, direkt am Waldstadion, kann also genau sehen, wenn die Eintracht spielt. Auch dafür interessiere ich mich.

(28.10.2004)