Interview/Jockey Talks

Mit Jozef<br>Bojko

GaloppOnline.de:
Sie kehren Deutschland für vier Wochen den Rücken und machen Urlaub. Wohin geht die Reise?

Jozef Bojko:
Ich fliege nach Miami in Florida, will dort vier Wochen verbringen und hoffe darauf, auf der Rennbahn Gulfstream Park auch in Rennen reiten zu können.

GaloppOnline.de:
Ist das nun Urlaub oder ein Arbeitsurlaub?

Jozef Bojko:
Mein erklärtes Ziel ist natürlich, Rennen zu reiten. Und wie es derzeit aussieht, stehen die Chancen dafür auch nicht schlecht.

GaloppOnline.de:
Was passiert, wenn Sie aber keine Ritte bekommen?

Jozef Bojko:
Sollte mir das nicht vergönnt sein, werde ich eben nur urlauben und mich an der Sonne erfreuen. Ich bleibe da. Der Körper braucht einfach sein Erholungsphase. Immerhin habe ich zweieinhalb Jahre ununterbrochen geritten, was sich irgendwann einmal bemerkbar macht.

GaloppOnline.de:
Was versprechen Sie sich von diesen vier Wochen?

Jozef Bojko:
In erster Linie geht es mir darum, etwas Anderes kennen zu lernen. Amerika ist doch eine andere Welt, das muss man einmal erlebt haben.

GaloppOnline.de:
Haben Sie Ähnliches schon einmal gemacht oder ist Amerika für Sie Neuland?

Jozef Bojko:
Amerika werde ich zum ersten Mal besuchen, das ist im wahrsten Sinne des Wortes Neuland. Luft im Ausland habe ich mir ansonsten einmal in Frankreich um die Nase wehen lassen.

GaloppOnline.de:
Wie kam es eigentlich zu diesem Auslandsaufenthalt?

Jozef Bojko:
Ermöglicht hat mir Oleg Lakota, ein slowakischer Geschäftsmann und mit dem Stall BHL bei uns als Besitzer am Stall, diese Chance. Er besitzt zwanzig Rennpferde in der Slowakei, vier bei meinem Arbeitgeber, Trainer Hubertus Fanelsa, sowie sechs in den USA. Und diese sechs befinden sich jetzt auf der Rennbahn in Gulfstream Park in Miami. Aus diesem Grund bin ich optimistisch, dass meine Pläne auch in Erfüllung gehen, zumal mir Lakota Hilfestellung bezüglich der formellen Dinge wie z. B. der Lizenz zugesagt hat.

GaloppOnline.de:
Schauen wir einmal zurück auf das vergangene Rennjahr. 86 Siege bedeuteten Platz zwei in der Jockey-Statistik. Das dürfte doch das Interesse anderer Ställe geweckt haben, gab es Angebote?

Jozef Bojko:
Eines vorweg. Ich bleibe bei Hubertus Fanelsa. Es hat in der Tat zwar ein Angebot gegeben, doch ich halte meinem Trainer die Treue. Er hat in schweren Zeiten zu mir gehalten, und etwas davon will ich ihm zurück geben Außerdem fühle ich mich in Bremen derart wohl, dass ein Wechsel auch gar kein Thema wäre. Wir sind eben ein echtes Team.

GaloppOnline.de:
Wie fällt überhaupt das Fazit des Rennjahres 2001 aus?

Jozef Bojko:
Ich kann wieder einmal sehr zufrieden sein. Die Anzahl der Siege fiel ähnlich hoch wie 2000 aus, doch habe ich im letzten Jahr bessere Rennen geritten. Und das Wichtigste, ich bin gesund geblieben. Also rundum zufrieden.

GaloppOnline.de:
Die Entscheidung für Fanelsa haben Sie ja nun getroffen. Wie steht es um die Qualität seiner Pferde aus, was ist für 2002 zu erwarten?

Jozef Bojko:
Das Material wird von Jahr zu Jahr besser. Früher war einer wie Moulton Sky unser Aushängeschild, mittlerweile haben wir mehrere seines Leistungsvermögens. Das zeigt deutlich, welchen Aufschwung der Stall genommen hat, der im übrigen seit Jahren seine rund fünfzig und mehr Rennen gewinnt. Wir können den kommenden Monaten mit Zuversicht entgegen sehen.

GaloppOnline.de:
Welcher Sieg des letzten Jahres hat für Sie den höchste Stellenwert?

Jozef Bojko:
Ich will keinen speziell herausheben. Wichtig war für mich vor alle in besseren und großen Rennen mitzureiten. Das Ziel habe ich erreicht. So bin ich auf Near Honor Dritter im Derby geworden und startete mit ihm spät rim Großen Preis von Baden-Baden. Derartiges Flair als Reiter mitzuerleben,
das war für mich das Größte des letzten Jahres.

GaloppOnline.de:
Welche Erwartungen verbinden Sie mit der neuen Saison?

Jozef Bojko:
Ich mache mir überhaupt keine Gedanken. Mache, was ich schaffen kann, versuche das Beste zu geben. Dennoch weiß ich auch, dass man nichts vorbestimmen kann. Man muss halt abwarten, was die Zukunft bringt. Erzwingen kann man jedenfalls nichts. Was kommen soll, wird kommen.

(08.01.2002)