Interview/Jockey Talks

Isabella Bezzera

Die SGA Select Yearling Sale in Mailand am vergangenen Freitag hat gezeigt, dass die Italiener ihren Rennsport nicht kampflos aufgeben werden. Obwohl nur zwei Käufer aus dem Ausland kamen, erbrachte die Auktion ein erstaunliches Resultat. Im Januar wurde bekannt, dass die italienischen Gruppe-Rennen ihre internationale Anerkennung verlieren würden, wenn die ausstehenden Preisgelder von 2012 nicht bezahlt werden. Isabel Mathew hat sich mit ISABELLA BEZZERA, der Präsidentin des italienischen Zuchtverbandes Associazione Nazionale Allevatori Cavalli (ANAC), unterhalten.

GaloppOnline.de: Wir stellt sich die momentane Situation in Italien dar?

Isabella Bezzera: Im Moment ist die Situation für uns äußerst schwierig, besonders für die Züchter. Wir haben viele Kosten, wie für das Land, die Gebühren und dergleichen zu zahlen. Investments sind schwer zu tragen. Dazu kommt, dass sich der Agrarminister unserer Sache zum jetzigen Zeitpunkt nicht besonders widmet.

GaloppOnline.de: Einige kleine Züchter mussten in den letzten Jahren verkaufen, was einen großen Einfluss auf die Industrie hatte.

Isabella Bezzera: Momentan sind die Züchter wirklich am schwächsten. Es ist leider wahr, dass einige das Züchten aufgegeben haben. Das ist bedauerlich, da wir uns damit in einen Teufelskreis begeben und wir dadurch immer weniger Rennpferde im Land haben, um genügend Rennen zu durchführen zu können. 2014 ist die Zahl der Fohlengeburten auf 900 gefallen. Drei Jahre zuvor waren es noch 2000. Wenn Sie keine Chance haben, den Nachwuchs zu verkaufen, ist es fast unmöglich, sie zu halten. Die Kosten können nur schwer durch ihre Rennkarriere gedeckt werden.

GaloppOnline.de: Es gibt aber noch weitere Folgen.

Isabella Bezzera: Sicher. Wir sagen, dass ein neugeborenes Fohlen zwei Jobs schafft. Das heißt, wenn es weniger Fohlen gibt, dann steigt auch die Arbeitslosigkeit. Darunter leidet unser Land. Das Ministerium muss verstehen, dass der Rennsport ein großer Arbeitgeber ist. Nicht nur auf Pferdeebene, sondern auch im Agrarsektor. Es ist auch traurig, dass viele ihre Gestüte verkauft haben, um das Land für den Wohnungsbau freizugeben, um so an Geld zu kommen.

GaloppOnline.de: Gab es vergangene Woche auch gute Nachrichten?

Isabella Bezzera: Ja. Am Mittwoch gab die Regierung bekannt, dass die Besitzer-Prämien beibehalten werden, was eine große Erleichterung für uns ist. In Italien belaufen sich die Prämien bei Zwei- und Dreijährigen auf 50 Prozent des Preisgeldes. Bei vierjährigen und älteren Pferden sind es 15 Prozent. Ich denke, damit ist uns sehr geholfen.

GaloppOnline.de: Was, glauben Sie, muss jetzt getan werden, um die jetzige Situation zu verbessern?

Isabella Bezzera: Es sollte eine Menge gemacht werden. Als erstes müsste man das Wettsystem überarbeiten. Das zweite große Problem ist, dass alles in den Händen des Agrarministeriums liegt. Wie in anderen Ländern sollte es ein Organ geben, das den Rennsport kontrolliert und dann Entscheidungen treffen kann. Die Regierung hat zu viel zu tun.

GaloppOnline.de: Was hält das kommende Jahr für den Rennsport in Italien bereit?

Isabella Bezzera: Wir hoffen natürlich, dass wir unsere Gruppe-Rennen nicht verlieren. Bis auf circa 900.000 Euro sind alle ausstehenden Preisgelder bezahlt. Sowohl im In- als auch im Ausland. Wenn wir diese ausstehenden Gelder bis zur Tagung des Pattern Race Committee am Arc-Wochenende begleichen, dann sollten unsere Gruppe-Rennen nicht in Gefahr sein. Wir sind alle sehr bemüht. Ich war auf vielen Sitzungen, um unsere Situation zu diskutieren. Ich hoffe, dies wird bei den Bewertungen in Betracht gezogen. Genau wie man verstehen muss, dass wir unglücklicherweise nicht auf der Prioritätenliste des Agrarministeriums stehen, welches eine Menge an anderen Projekten leitet. Ich hoffe, dass wir mit dem Pattern Committee auch darüber sprechen können.

GaloppOnline.de: Sollte Italien den Gruppe-Status behalten, wie sehen Sie das nächste Jahr?

Isabella Bezzera: Ich denke, wir werden gut weitermachen. Unsere Züchter produzieren Top-Pferde, wir sind sehr zufrieden. Die Pferde, die unsere Gruppe-Rennen gewinnen, sind von internationaler Top-Qualität. Es wird immer einen Markt für sie geben. Behalten wir den Gruppe-Status nicht, wird es schwer, im kommenden Jahr eine Jährlings-Auktion durchzuführen. Es ist nicht die Schuld der Züchter oder der Besitzer. Egal was aber kommt, wir machen weiter. Unabhängig vom Ergebnis. Ich bin voller Hoffnung, dass es der richtige Weg ist.

(29.09.2014)