Interview/Jockey Talks

Mit Holger Faust

GaloppOnline.de: Gleich bei ihrem „Debüt“ waren Sie der Bieter mit den meisten Zuschlägen bei der Auktion. Was war für Sie eigentlich der Beweggrund, als Agent tätig zu sein?

Holger Faust: Ich hatte ja in der Vergangenheit schon Pferde für unser Gestüt Karlshof gekauft, wie beispielsweise Sortilege, Anthurium oder Sworn Mum, die dann zu Black Type-Pferden wurden, im Falle von Sortilege sogar zur Gruppe I-Siegerin. So ganz unerfolgreich war ich dabei ja nicht, deshalb habe ich mir gedacht, dass ich das Ganze auch kommerziell ein wenig erweitern, und auch als Agent tätig sein kann.

Und mit dem Mangement eines Rennstalles kenne ich mich ja auch aus, denn das mache ich seit 2006 bereits für unser Gestüt Karlshof. Es waren in Baden-Baden insgesamt sogar 14 Käufe, denn Katalog-Nr. 191, die von Samum stammende Stute La Jolie, habe ich auch noch gekauft und nach Japan vermittelt.

GaloppOnline.de: Welche Aufgaben haben Sie noch im Gestüt Karlshof?

Holger Faust: Neben dem Rennstallmanagement bin ich noch für das Marketing und den Verkauf zuständig. Mein Vater und sein Team kümmern sich um die Zucht und die Aufzucht, meine Mutter hat den administrativen Teil unter sich.

GaloppOnline.de: Auf der einen Seite Gestütsmitbesitzer, auf der anderen Seite Agent. Gibt es da keinen Interessenkonflikt? Es ist ja schon ein wenig kurios, wenn als Verkäufer das „Gestüt Karlshof“ auftritt, und als Käufer „HFTB Holger Faust“.

Holger Faust: Das mag vielleicht kurios aussehen, aber meiner Meinung nach gibt es den von Ihnen angesprochenen Interessenskonflikt nicht. Im Gegenteil. Für meine Kunden ist es doch ein riesiger Vorteil, wenn ich Pferde für sie erwerbe, die ich in- und auswendig kenne und von Geburt an in ihrer Entwicklung begleitet habe, und deren Eigenheiten ich kenne.

Im Endeffekt wird man sowieso daran gemessen, ob die Pferde erfolgreich sind. Außerdem ist es ja auch kein großer Unterschied zu früher. Mein Vater hat, zum Beispiel, zwischen 1996 und 2006 jedes Jahr dem Stall Blankenese zwei Jährlinge verkauft, und darunter befanden sich mit Samum, Schiaparelli und Kamsin gleich drei Derby-Sieger.

GaloppOnline.de: Haben Sie die Pferde eigentlich alle im Auftrag erworben, oder auch auf eigene Rechnung, in der Hoffnung für diese noch Käufer zu finden?

Holger Faust: Nein, alle Pferde, die ich gekauft habe, habe ich im Auftrag meiner Kunden erworben.

GaloppOnline.de: Würden Sie uns verraten, wer diese Kunden sind?

Holger Faust: Nein, denn sie haben mich gebeten, ungenannt zu bleiben. Haben Sie einfach etwas Geduld, denn in drei, vier Wochen, wenn die Besitzwechsel offiziell vollzogen sind, können Sie im Wochenrennkalender ja sehen, für wen ich die Pferde gekauft habe.

GaloppOnline.de: Haben Sie internationale Kunden oder hauptsächlich Deutsche?

Holger Faust: Deutsche. Ich bin auch froh darüber, dass bis auf die erwähnte La Jolie alle Pferde in Deutschland bleiben und nicht der deutschen Zucht verloren gehen, wie viele andere Pferde, die auf der Auktion verkauft werden.

GaloppOnline.de: Aufgefallen ist, dass Sie fast alle Nach­kommen des im Gestüt Karlshof aufgestellten Deckhengstes Kamsin gekauft haben.

Holger Faust: Ja, das habe ich getan, weil ich riesigen Mumm auf ihn habe. Ich habe ja in unserem Gestüt schon einige Deckhengste gesehen, angefangen bei Heraldiste, über Winged Love, Samum oder War Blade. Und ich schätze Kamsin noch höher ein als Samum, der auch schon sehr gut und Champion-Deckhengst 2008 war. Die Charaktereigenschaften, die er vererbt und sein Exterieur überzeugen mich restlos. Ich hätte sogar noch die Katalog-Nr. 22, den vom Gestüt Hachetal angebotenen Hengst gekauft, doch der war einfach zu früh im Ring, da hatte ich meine Dispositionen mit meinen Kunden noch nicht endgültig abgeklärt.

GaloppOnline.de: Reisen Sie jetzt weltweit von Auktion zu Auktion?

Holger Faust: Nein, ich konzentriere mich auf Deutschand und Frankreich. Das hat einen einfachen Grund. Hier erfahre ich, was mit den Pferden von klein auf bis zu ihrem Auftritt im Ring passiert ist. Hier habe ich „Connections“, und ausreichend Informationen. Wenn ich beispielsweise auf eine Auktion nach Amerika fahren würde, hätte ich das nicht. Da habe ich den Katalog, sehe dass alle Pferde toll gezogen sind, und bombastisch aussehen. Als nächstes steht die Arqana-Auktion in Deauville für mich auf dem Programm.

GaloppOnline.de: Seit neuestem sind Sie auch Rennstall­manager der Pferde von Frau Shahpar und Dr. Stefan Oschmann. Wie kam es dazu?

Holger Faust: Wir haben uns über einen Zucht-Deal, genauer gesagt einen Mare-Share kennengelernt. Es läuft ganz gut an, bislang bin ich sehr zufrieden.

GaloppOnline.de: Könnten Sie sich vorstellen noch für jemand anderen als Racing Manager zu fungieren?

Holger Faust: Wenn meine Eltern und die Familie Oschmann nichts dagegen haben, könnte ich mir eventuell auch noch jemanden Dritten vorstellen, das wäre dann aber auch das Maximum, denn hier kann es dann natürlich durchaus schon mal zu Interessenskonflikten kommen.

GaloppOnline.de: Als Jockey-Agent arbeiten Sei mit vier Reitern zusammen. Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit?

Holger Faust: Sehr, alle meine Jockeys hatten eine gute Saison. Cristian Demuro hatte nach leichten Anlaufschwierigkeiten zuletzt sehr guten Erfolg, er ist jetzt in Frankreich, wird dort von Pierre-Alain Chereau betreut, der u. a. auch der Agent von Christophe Soumillon und Anthony Crastus ist. Cristian könnte in diesem Falle zugute kommen, dass Soumillon demnächst wieder für den Aga Khan reitet, er somit mehr gute Chancen bekommt.

Sein Bruder Mirco konzentriert sich derzeit voll darauf, japanisch zu lernen, um den Test zu bestehen, den er für die neunmonatige Lizenz für Japan benötigt. Wenn er die bekommt, wäre das eine geniale Sache, denn Japan ist für einen Jockey das Land, in dem man am meisten verdienen kann. Andrea Atzeni hatte mit den Gruppe-Siegen mit Seismos und Ars nova sowieso eine fantastische Saison, er wird jetzt Stalljockey für die Pferde von Scheich Ahmed Al Maktoum.

Und Harry Bentley ist auf der Insel ebenfalls bestens im Geschäft, wird gerne auch von Godolphin verpflichtet. Er hatte in Deutschland ja auch einige schöne Siege, gewann gleich zwei Listen-Rennen.

GaloppOnline.de: Im Winter wird man in Deutschland aber wohl keinen Ihrer Jockeys sehen, oder?

Holger Faust: Nein, natürlich nicht, da gibt es woanders einfach bessere Möglichkeiten.

GaloppOnline.de: Kommen wir zum Gestüt Karlshof, wie sieht es aktuell im Rennstall aus?

Holger Faust: Große Freude hat uns natürlich Seismos gemacht, mit seinem Gruppe I-Sieg in München. Er wird jetzt im Canadian International in Woodbine starten, wo, wenn nichts dazwischen kommt, Andrea Atzeni sein Jockey sein wird. Wir haben aktuell insgesamt zehn Pferde im Training, darunter sechs spätgezogene Zweijährige.

GaloppOnline.de: Lässt das Gestüt Karlshof auch noch Pferde in Frankreich trainieren?

Holger Faust: Nein, Karlshof nicht, aber ich selbst habe vier Hindernispferde bei Trainerin Sylvie Audon. Diese laufen aber unter meinem Namen, das ist mein Steckenpferd, das macht mir viel Spaß. Mal sehen, ob sie Auteuil- oder Enghien-Pferde werden. Wenn nicht, ist es aber auch nicht schlimm, dann laufen sie eben in der Provinz.

GaloppOnline.de: Wie ist die Resonanz auf den neu im Gestüt Karlshof aufgestellten Deckhengst Dabirsim?

Holger Faust: Sehr gut, ich bin optimistisch, dass viele Stuten kommen werden. Es wäre für Simon Springer, den Besitzer von Dabirsim, vielleicht lukrativer gewesen, den Hengst in Frankreich aufzustellen, aber Herr Springer und sein Team vertrauen mir und wollen lieber mit uns zusammen arbeiten, was das gesamte Team in Karlshof natürlich sehr glücklich macht und auch für die deutsche Zucht eine Super-Entscheidung ist.

GaloppOnline.de: Was soll Dabirsim im ersten Deckjahr kosten?

Holger Faust: Es werden wohl 9.000 Euro sein. Äußerst interessant ist dabei ein Züchterbonus, den Herr Springer auslobt. Der Züchter, der den ersten Sieger von Dabirsim züchtet, erhält 20.000 Euro, der den ersten Gruppe-Sieger von Dabirsim züchtet, soll 50.000 Euro bekommen und für den ersten Gruppe I-Sieg werden sogar 100.000 Euro an den Züchter des Pferdes ausbezahlt!

(19.09.2013)