Interview/Jockey Talks

Mit Henk Grewe

GaloppOnline.de: Vier Treffer an einem Wochenende - was war der schönste Sieg für Sie?

Henk Grewe: Das kann man schwer sagen, Besonders toll fand ich Shadow Man wieder reiten zu können nach dem Malheur im letzten Jahr, auch wenn er nur Dritter wurde. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.

GaloppOnline.de: Wie ist die Resonanz nach so vielen Siegen innerhalb kürzester Zeit?

Henk Grewe: Es war mein bestes Wochenende, auf jeden Fall. Bei sechs Ritten habe ich viermal gewonnen und war zweimal Dritter. Es kommen einige Leute auf mich zu fragen jetzt, ob ich für sie reiten könnte. Die Aufmerksamkeit ist nun natürlich um einiges größer als bei nur einem Erfolg.

GaloppOnline.de: 2004 sah es oft ganz anders aus. Da fielen Sie oft durch kurzfristige Absagen auf. Warum?

Henk Grewe: Ich war oft krank, hatte immer wieder Probleme mit einer Erkältung und war nicht so fit. Jetzt ist aber alles okay, auch mein Gewicht.

GaloppOnline.de: Wie ist Ihr aktuelles Kampfgewicht, und was für Sport treiben Sie?

Henk Grewe: Ich muss viel dafür tun. Ich laufe jeden Tag zwischen einer halben und zwei Stunden, gehe viel in die Sauna oder in die Badewanne. Ich reite nach Absprache 54 Kilo, bin für einen Jockey mit 1,74 Meter auch relativ groß.

GaloppOnline.de: Wer besorgt Ihnen die Ritte? Haben Sie einen Manager wie zahlreiche Kollegen, der die Trainer anruft?

Henk Grewe: Nein, das mache ich selbst. Und meine Freundin hilft mir dabei. Ich lese regelmäßig die Sport-Welt, auch die Ergebnisausgabe und die Vorprogramme und bereite mich auf einen Renntag vor. Ich glaube, viele Trainer haben es lieber, wenn der Jockey sie selbst anruft anstelle eines Managers.

GaloppOnline.de: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Trainer Mario Hofer?

Henk Grewe: Das verläuft sehr professionell und absolut angemessen für einen Azubi. Ich glaube, im Management und Einkauf von Pferden ist Mario Hofer gemeinsam mit seinem Bruder Manfred führend in Deutschland. Es gab nicht wenige Kandidaten, die sich an diesem Stall vom Ausgleich IV in die Gruppe-Klasse vorgearbeitet haben. Ich bin jetzt im zweiten Jahr meiner Lehre, die ich auch hier begonnen habe. Wegen meines Fachabiturs ist die Zeit etwas verkürzt. Die Ausbildung ist im Juli fertig. Auch mit unseren Jockeys Jean-Pierre Carvalho und Peter Heugl verstehe ich mich sehr gut.

GaloppOnline.de: Was war das beste Pferd, das Sie bis jetzt im Training geritten haben, und welches war der wichtigste Sieg für Sie bislang?

Henk Grewe: Im Training vielleicht Raffelberger. Er ist ein sehr angenehmes Pferd, das sich seit der Kastration richtig relaxed gibt. Man merkt morgens schon, was in ihm steckt. Sehr gefreut hat mich der Erfolg mit Mosaahim im Ausgleich II in Hannover. Er war immer mein Lieblingspferd, ein großer Kämpfer. Zu Hause hatte er stets seine Probleme, aber als an der Startbox die Klappe aufging, war er ein ganz anderes Pferd.

GaloppOnline.de: Fühlen Sie sich in Ihrer neuen Heimat Krefeld wohl?

Henk Grewe: Es gefällt mir ganz gut. Anfangs war es schon eine kleine Umstellung für mich, da ich ja ziemlich auf dem Land gewohnt habe. Aber an der Rennbahn ist es ruhig, wir wohnen über dem Stall von Erika Mäder.

GaloppOnline.de: Ihre Freundin Natascha Witsch ist im Sport auch stark involviert, arbeitet für den Stall Jenny. Wie wichtig ist sie für Sie?

Henk Grewe: Ganz wichtig. Sie fährt natürlich auch oft mit zur Bahn, führt häufig Pferde. Durch Ihre Hilfe habe ich auch mein Gewicht wieder in den Griff bekommen.

GaloppOnline.de: Von welchen Trainern bekommen Sie denn die größte Unterstützung, sieht man vom eigenen Quartier einmal ab?

Henk Grewe: Ich reite für viele Trainer aus Belgien, fast immer für Herrn Oost. Und seit zwei Wochen engagiert mich Thomas Horwart regelmäßig. Ich arbeite im Übrigen ganz normal auch am Stall, bin sieben Tage die Woche dort.

GaloppOnline.de: Ist Jockey Ihr Traumberuf? Wie hat bei Ihnen alles angefangen?

Henk Grewe: Wenn morgens früh der Wecker klingelt, ist es natürlich kein Traum, aber sonst ist alles optimal. Als ich mit vierzehn Jahren bei Hermann Renken ausgeritten habe, habe ich mir gesagt, das ist genau mein Ding. Das war fünfzehn Kilometer von meinen Eltern entfernt, die in Kalkar-Appeldorn wohnen. Zwanzig Minuten von Holland entfernt ist das, am Niederrhein. Meine Eltern hatten immer Araber und Ponys, die ich reiten konnte, ließen auch arabische Vollblüter in Warschau trainieren und hatten eines bei Herrn Renken. Dadurch entstand der Kontakt zu den Rennpferden.

GaloppOnline.de: Wie stehen die Eltern zu Ihrem Job?

Henk Grewe: Sie unterstützen mich voll, verfolgen auch alles, ihnen bleibt nichts verborgen. Sie bekommen die Sport-Welt, haben den Rennsport-Kanal zu Hause. Mein Vater verkauft Garten- und Campingmöbel in Bremen. Vielleicht ist das etwas für mich, wenn ich einmal als Jockey meine Laufbahn beende.

GaloppOnline.de: Haben Sie auch Geschwister, die sich für den Galopprennsport interessieren?

Henk Grewe: Ich habe einen Bruder, aber er hat mit Pferden nicht viel zu tun, ist selbständiger Designer. Er hat mir übrigens meine Internetseite gestaltet (www.henk-grewe.de).

GaloppOnline.de: Machen Sie in den nächsten Wochen noch Urlaub?

Henk Grewe: Ich reite durch. Da ich so oft krank war, brauche ich keinen Urlaub.

GaloppOnline.de: Was mache Sie in Ihrer Freizeit?

Henk Grewe: Es bleibt nicht viel Freizeit übrig. In einer ruhigen Minute lese ich oder schaue Fernsehen.

GaloppOnline.de: Haben Sie sich ein Ziel für 2005 gesetzt?

Henk Grewe: Ich möchte endlich einmal ein ganzes Jahr lang gesund und verletzungsfrei sein. Außerdem hoffe ich, den einhundertsten Sieg zu schaffen.

(14.01.2005)