Interview/Jockey Talks

Mit Helmut v. Finck

GaloppOnline.de: Was waren Ihre Gefühle nach dem Sieg von Soldier Hollow? Welche Bedeutung hat dieser Triumph für Sie?

Helmut von Finck: Es ist schön, wenn man so etwas geschafft hat. Das Rennen war unser Hauptziel. Im Vorjahr haben wir den Dallmayr-Preis ausgelassen und Soldier Hollow über Gruppe III-Rennen in Baden-Baden und Frankfurt aufgebaut. Für mich als Münchener und Vorstandsmitglied war das natürlich das i-Tüpfelchen.

GaloppOnline.de: Welche Chancen haben Sie sich im Vorfeld ausgerechnet, auch im Vergleich zu Arcadio? Hatten die beiden im Vorfeld schon einmal zusammen gearbeitet?

Helmut von Finck: Insgeheim war ich mir ziemlich sicher, dass er eine scharfe Klinge schlagen würde. Natürlich war Arcadio eine Gefahr. Er hatte das Gruppe III-Rennen in München in einer sensationellen Manier gewonnen. Aber Soldier Hollow ist ein gestandenes Pferd auf dieser Distanz, Arcadio dagegen hatte noch nicht soviele Starts absolviert und ist noch jung. In jedem Falle ist Soldier Hollow ein Rennpferd durch und durch, während andere das erst noch beweisen müssen.

In der Arbeit sind er und Arcadio nicht gegeneinander angetreten. Soldier Hollow hat mit Nightdance Forest gearbeitet, die in Frankreich nicht schlecht lief, und ging besser. Er fühlt sich im Schiergen-Stall sehr wohl. Wir haben bislang mit ihm alle unsere Ziele erreicht.

GaloppOnline.de: Wie war der Rennverlauf für ihn in München? Wie stark schmerzte die Disqualifikation in Hamburg?

Helmut von Finck: William Mongil kennt das Pferd gut. Er hat ihn in Ruhe abspringen lassen, wie geplant. Auf den letzten vierhundert Metern hat er angegriffen, Soldier Hollow zeigte enormen Speed. Die beiden verstehen sich ganz gut. Auch in Hamburg lief der Hengst ein hervorragendes Rennen auf etwas zu langer Distanz. Man darf nicht vergessen, dass er zwei Kilo mehr als Simonas tragen musste.

Die Distanz und das Gewicht waren zwei gravierende Nachteile. Sonst hätte er wohl relativ leicht gewonnen. Aber nach solch einem Gruppe I-Erfolg kann man darüber hinwegsehen und muss sich über die Entscheidung der Rennleitung keine Gedanken mehr machen. Sie musste eine Entscheidung fällen, sie war sicherlich an der Grenze.

GaloppOnline.de: Was sind die nächsten Aufgaben? Soll der Hengst auch in den USA starten?

Helmut von Finck: Es ist schwierig mit Gruppe I-Rennen in der nächsten Zeit. In Irland wären die Champion Stakes, für die er allerdings keine Nennung besitzt. Eine Nachnennung wäre sehr teuer. Zu verlieren hätte er nichts, man könnte es riskieren. Aber ich weiß nicht, ob ich das machen möchte. Dahinter steht also ein Fragezeichen. Ich neige dazu, ihm ein leichtes Rennen zu geben, in Frage kommt das frühere Spreti-Rennen in Baden-Baden. Danach könnte er in Rom seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen. USA ist nicht leicht wegen des Bodens. Meist ist das Geläuf hart, das wäre nicht ideal.

GaloppOnline.de: Wird William Mongil sein ständiger Partner bleiben? Welche Order hatte er am Sonntag auf den Weg bekommen?

Helmut von Finck:(scherzt) William Mongil hat manchmal das Problem, dass er sich gern einen Gegner aussucht. In Hamburg hat er sich für Malinas und gegen Soldier Hollow entschieden. Am Sonntag in Köln reitet er Madresal und nicht Near Dock. Wenn er sich kein anderes Pferd aussucht, hätte ich ihn sehr gerne auf Soldier Hollow.

GaloppOnline.de: Ist Soldier Hollow Ihr bislang bestes Pferd? Oder kann man ihn mit anderen Cracks vergleichen?

Helmut von Finck: Er ist mit Abstand mein bestes Pferd. Er war schon ein Super-Zweijähriger. Dreijährig litt er an einer schweren Krankheit. Sonst wäre er sicherlich auch im Derby sehr weit vorne gelandet. Vier- und fünfjährig läuft alles glänzend. Eben ein perfektes Rennpferd, auch ein perfekter Deckhengst. Er vertritt eine Riesen-Mutterlinie, ist ein In the Wings-Sohn. Im Ausland gäbe es Möglichkeiten für ihn als Beschäler. Wenn sich ein guter Partner findet, würde ich ihn aber auch in Deustchland aufstellen. Sollte er allerdings weiterhin frisch und munter bleiben, könnte er auch im nächsten Jahr noch laufen.

GaloppOnline.de: Welche Voraussetzungen sind wichtig für ein gutes Laufen?

Helmut von Finck: Soldier Hollow ist völlig unkompliziert, ein braves, phlegmatisches Pferd. Er setzt sich so ein, wie es von ihm verlangt wird, ist ein phantastischer Kämpfer.

GaloppOnline.de: Wie haben Sie am Sonntag gefeiert?

Helmut von Finck: Wir haben auf der Rennbahn noch ein wenig gefeiert, mit meinen Töchtern und Freunden, waren anschließend noch essen. Irgendwann wird man an solch einem Tag aber auch müde.

GaloppOnline.de: Wie schätzen Sie die Qualität der anderen Pferde im Rennstall ein? Wie gut sind die Zwei- bzw. Dreijährigen? Ein Derbypferd gab es diesmal nicht.

Helmut von Finck: Meine beiden Dreijährigen waren im Vorjahr noch bei Andreas Schütz, hatten sich verletzt. Inzwischen haben sie beide gewonnen, brauchten allerdings ihre Zeit. Natürlich hätte man sie auch im Derby aufbieten können, wo so viele Sieglose dort gelaufen sind. Wenn man aber mitmacht, will man auch eine Chance haben. Es wäre zu schade für die Pferde gewesen. Da haben wir das Derby lieber ausgelassen. Natürlich ruhen viele Hoffnungen auf Near Dock. Und sehr hohe Ambitionen gelten den Zweijährigen, die bei Mario Hofer, Peter Schiergen und hier in München stehen.

GaloppOnline.de: Besuchen Sie die Ställe regelmäßig zum Training?

Helmut von Finck: In München bin ich jede Woche am Stall. Wenn ich nach Köln fahre, schaue ich ebenfalls bei den Pferden vorbei. Krefeld ist für mich schon etwas schwieriger zu erreichen. Aber auch dort lasse ich mich gerne sehen.

GaloppOnline.de: Zu Ihrem Gestüt: Können Sie einen Einblick in die wichtigsten Pläne geben?

Helmut von Finck: In der Regel sind es zehn bis fünfzehn Mutterstuten. Derzeit haben wir dreizehn. Sehr schön sind die Fohlen von Hawk Wing, Galileo und Fantastic Light. Im nächsten Jahr werden wir wieder zu Spitzenhengsten gehen. Ich weiß aber nicht, ob ich mir Montjeu noch leisten kann. Die Stuten jedenfalls sind gut genug.

GaloppOnline.de: Ist für die Zukunft auch ein eigener Deckhengst vorgesehen?

Helmut von Finck: In Wiedingen möchte ich keinen Deckhengst haben. Es ist ein Liebhaber-Gestüt mit Stuten in einer ruhigen Atmosphäre. Ich bin sehr angetan von der Kooperation mit großen Gestüten. Soldier Hollow wäre der nächste Beschäler. Sehr gut zusammen arbeiten wir mit dem Gestüt Trona, wo Waky Nao und Noroit aufgestellt sind. Und eine ausgezeichnete Kooperation besteht mit dem Gestüt Ebbesloh, der Heimat von Royal Dragon.

GaloppOnline.de: Was ist Ihr Lebensmittelpunkt - Soltau oder München?

Helmut von Finck: Zur Zeit bin ich sehr viel unterwegs, pendle zwischen Mallorca, wo ich eine neue Wohnung habe, München und dem Gestüt in Soltau. Das wechselt sich ab. Mal ist man zwei Wochen an dem einen, dann wieder an dem anderen Ort.

GaloppOnline.de: Welches große Rennen würden Sie gerne einmal gewinnen, auch im Ausland?

Helmut von Finck: Träume sind natürlich schön, zumal man längst noch nicht alles erreicht hat. Selbstverständlich ist der Arc ein Ziel. Mit Flamingo Road hatte ich schon einmal eine Starterin, aber sie war an diesem Tag rossig. Für Soldier Hollow ist die Distanz zu weit.

GaloppOnline.de: Auch im Trabersport sind Sie eine feste Größe. Welche Ziele haben Sie als Amateurfahrer? Wie groß ist Ihr Traber-Rennstall?

Helmut von Finck: Ich habe zur Zeit vier Traber, fahre auch weiter regelmäßig. Am Montag konnte ich in Pfaffenhofen drei Rennen bei drei Fahrten gewinnen. Das macht viel Spaß, ist mein Hobby. In diesem Jahr habe ich schon mehr als zehn Erfolge. Ansonsten spiele ich gerne Golf, mache alles Mögliche.

GaloppOnline.de: Wie kann es im deutschen Galopp- und Trabrennsport wieder aufwärts gehen?

Helmut von Finck: In München haben wir gerade etwas ganz Wichtiges erreicht. Das Grundstück der Rennbahn ist zum Bauland geworden. Das hat der Stadtentwicklungsausschuss entschieden. Und dann hatte man am Dallmayr-Tag einen schönen Umsatz und 20 000 Zuschauer. Es macht Spaß, da mitzuhelfen. Die Münchener Rennbahn ist meine Heimatbahn. Ich habe die Hoffnung, dass sich etwas nach oben bewegt. Das Interesse der Zuschauer ist da, wie man gesehen hat.

(04.08.2005)