Interview/Jockey Talks

Mit A. Helfenbein

GaloppOnline.de: Sie liegen in der Statistik auf der Spitzen-Position. Greifen Sie in dieser Saison in den Championatskampf ein?

Andreas Helfenbein: Im Mai hatte ich sogar bisher einen Schnitt von über 36 Prozent. Die ganze Zeit habe ich durchgeritten, meine Mühe wird jetzt belohnt. Die Frage nach dem Championat höre ich in der letzten Zeit öfter. Bislang war mir das nicht so wichtig. Eine größere Bedeutung hat für mich, ohne Unterbrechung mit Erfolg zu reiten. Wenn dann der Titel hinzukommt, nehme ich ihn gerne mit. Aber mir sitzen ein paar harte Gegner im Nacken.

GaloppOnline.de: Sie sind Stalljockey beim Stall Unia. Der Großteil der Pferde steht bei Michael Trybuhl in Köln. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Job?

Andreas Helfenbein: Ich bin bei Werner Krüger vom Stall Unia angestellt, hatte ihm im Vorjahr schon meinen zweiten Ruf gegeben. Ende des Jahres haben wir uns dann geeinigt, dass ich Privatjockey werden würde. Darüber bin ich sehr froh. Neun Pferde stehen allein bei Michael Trybuhl, der die ganze Sache ins Rollen gebracht hat. Werner Krüger ist nicht nur ein toller Besitzer, sondern auch ein guter Freund und Super-Motivator.

Auch die Zusammenarbeit mit Michael Trybuhl klappt hervorragend. Wir haben ein junges Team zusammengestellt, zu dem auch Bruder Kiki gehört. Und der Erfolg am Stall wird sich mit Sicherheit einstellen.

GaloppOnline.de: Möchte der Stall den weiter expandieren?

Andreas Helfenbein: Wenn sich Pferde anbieten, kauft Werner Krüger gerne. Ich denke, dass das ein oder andere ältere Pferd bald in Rente gehen und durch ein neues ersetzt wird.

GaloppOnline.de: Sie sind aber auch für andere Quartiere im Einsatz. Wie ist Ihre Woche strukturiert?

Andreas Helfenbein: Vier Tage in der Woche reite ich bei Michael Trybuhl, einmal bei Horst Steinmetz, auf Anfrage bei Galopps am Stall von Andreas Löwe. Auch bei Trond Hansen und Katja Gernreich war ich bereits, habe zudem auch mal ein Lot bei Peter Schiergen gesteuert oder war in Mülheim. Ich bin überall präsent, das macht sehr viel Spaß. Ohne Fleiß geht es nicht. Dafür muss man auch um 4.45 Uhr aufstehen, um 5.20 Uhr auf dem Pferd sitzen und hört erst um 13 Uhr auf.

GaloppOnline.de: Wer übernimmt denn Ihr Management?

Andreas Helfenbein: Das macht Rüdiger Alles für mich, schon seit drei Jahren. Ich bin sehr froh, solch einen versierten Manager an meiner Seite zu haben. Wir arbeiten Hand in Hand. Auch das ist ein Schlüssel zum Erfolg.

GaloppOnline.de: Mit Mystic Lips waren sie Zweiter in den 1000 Guineas. Was trauen Sie Ihr noch zu?

Andreas Helfenbein: Da ich für Gruppe-Rennen freigestellt bin, hoffe ich sehr, die Stute wieder reiten zu können. Wir mussten zuletzt immer außen herum gehen und waren trotzdem Zweiter. Ich halte sehr viel von ihr.

GaloppOnline.de: Ist der Konkurrenzkampf unter den Jockeys größer geworden, da es immer weniger Renntage gibt?

Andreas Helfenbein: Es ist schon schwieriger geworden, an Ritte zu kommen. Wenn man sieht, dass vor einigen Wochen an einem Sonntag nur Rennen in Frankfurt und nicht in Nordrhein-Westfalen waren, stimmt einen das traurig. Was ich nach der Jockey-Laufbahn einmal mache, weiß ich noch nicht. Ein paar Pläne liegen schon in der Schublade, aber alles hängt auch von der Entwicklung im deutschen Turf ab. Die Rennpreise werden immer kleiner. Vor ein paar Tagen fiel mir eine Sport-Welt von 1964 in die Hände, damals war ein Ausgleich IV mit 4000 Mark dotiert. Viel mehr ist jetzt in dieser Klasse auch nicht zu verdienen.

GaloppOnline.de: Wie ist Ihr aktuelles Kampfgewicht?

Andreas Helfenbein: Ich habe zuletzt immer 53 Kilo mit einem Drei-Pfund-Sattel geritten, habe null Probleme. Mein Körper ist durch bewusste Ernährung und Sport bestens eingestellt. Vor Renntagen gehe ich gerne für eine Viertelstunde in die Sauna oder in die Badewanne, danach habe ich mein Gewicht, und das trotz Frühstück. So lange ich solche Endkämpfe reite wie jetzt, mache ich mir keine Sorgen.

GaloppOnline.de: Der eskalierende Streit zwischen Ihnen und Filip Minarik sorgt gerade für Schlagzeilen. Sie haben Minarik bei der Rennleitung angezeigt. Was können Sie zu dem Fall sagen?

Andreas Helfenbein: Es ist eine sehr unschöne Sache, in die die Verhandlung hoffentlich Licht hineinbringen wird. So lange möchte ich dieses Thema allerdings ruhen lassen.

(13.05.2007)