Interview/Jockey Talks

Mit Hans Wirth

GaloppOnline.de: Sind haben seinerzeit eine so richtig schwierige Aufgabe übernommen, viele beneideten sie nicht unbedingt darum. Nach wenigen Jahren des Umbruchs, läuft alles nach ihren Vorstellungen?

Hans Wirth: Als sich der frühere Pächter Markus Buchner zurückzog und es unverändert klar war, dass Vollblüter zu züchten nicht als Staatsaufgabe angesehen wurde, habe ich die Pacht der Vollblutabteilung im Gestüt Graditz übernommen. Unverändert werden auch noch 50 Prozent Warmblüter gezogen. Ich glaube nach nur wenigen Jahren behaupten zu können, dass Graditz auf dem richtigen Weg ist und ich bin überzeugt, dass Graditz in einigen Jahren wieder eine solch qualitätsvolle Vollblutadresse ist, dass man hierhin reist und Pferde kauft. Der Name Graditz soll wieder populär werden. In den Fünfziger Jahren war es eine Vorzeigeadresse.

GaloppOnline.de:Erfolg ist dafür sicher die beste Reklame?

Hans Wirth: Nur das gilt. Und da sind sicherlich auch dem richtigen Kurs. Ashantee, die das Walther J. Jacobs-Rennen auf Gruppe-Ebene gewann, war gleich ein Volltreffer in Graditzer Farben.

GaloppOnline.de: Wie hat die Areion-Tochter ihre Zuchtlaufbahn begonnen?

Hans Wirth: In wenigen Tagen wird aus dem Mamool-Stutfohlen ein Jährling. Ein ganz tolles Pferd, die Stute ist wirklich eine ganz große Hoffnung. Tragend ist Ashantee von Samum, wohin sie 2011 zur Bedeckung gehen wird, steht noch nicht fest.

GaloppOnline.de: Wieviele Stuten sind im Gestüt Graditz untergebracht?

Hans Wirth: Es pendelt zwischen 30 und 35 Stuten, die Hälfte davon sind Pensionsstuten. Das ist auch der angestrebte Rahmen. Lieber Qualität, als Quantität.

GaloppOnline.de: Mamool steht nun im Gestüt Isarland, so dass aktuell lediglich der klassische Sieger Santiago im Hauptgestüt Graditz deckt. Planen Sie die Aufstellung eines weiteren Stallions?

Hans Wirth: Unser Gestütsleiter, Herr Bothendorf hat sehr gute Kontakte zu Darley. Vielleicht gelingt es uns, im kommenden Jahr an einen Hengst aus diesem Umfeld zu bekommen.

GaloppOnline.de: Einige Pferde laufen in Graditzer Farben, andere in den Farben des Stalles Turffighter. Wie kann man das verstehen?

Hans Wirth: Im Moment laufen noch nur die Pferde in Graditzer Farben, die dort auch gezogen wurden. Also noch keine Zukäufe oder Pferde, die ich in Frankreich gezogen habe. Aber in wenigen Jahren werden alle nur noch den Graditzer Dress tragen.

GaloppOnline.de: Sie haben gerade auf die Frage nach ihren züchterischen Plänen Federico Tesio ziert mit den Wort paare nur das Beste mit dem Besten. Geht das immer?

Hans Wirth: Man versucht es, aber es geht allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht immer. Doch eins verfolge ich stets: ich spare nicht an der Decktaxe.

GaloppOnline.de: Kommen wir zur in Kürze abgelaufenen Saison zu sprechen. Der gute dreijährige Hengst Lucas Cranach wuchs in Graditz auf, ist ein echter Werbeträger für das Gestüt. Der zweijährige Sundream siegte in Köln beim ersten Start in großer Manier. Er wird bei einigen Wettanbietern sogar als Favorit für das Deutsche Derby im kommenden Jahr gehandelt. Wie bewerten Sie dies?

Hans Wirth: Ich freue mich sehr darüber, dass ich im Besitz eines Pferdes bin, dass für das Derby schon so früh im Focus steht. Auch das ist schon jetzt wiederum eine gute Werbung für seine Zuchtstätte Graditz. Für Herrn Wöhler war Sundream schon immer sein Augapfel, er hatte früh eine sehr gute Meinung von ihm. So waren wir optimistisch, als der Lomitas-Sohn im Herbst in Köln seinen ersten Auftritt hatte.

GaloppOnline.de: Er gewann über eine für zweijährige Pferde nicht alltägliche Distanz von 1850 Meter in großer Manier. Das muss man doch sicherlich erst einmal so zeigen?

Hans Wirth: Genau, erst wenn das Rennen gelaufen ist, ist man so richtig schlau. Aber Sundream hat wirklich in beeindruckender Manier gewonnen.

GaloppOnline.de: Er stammt von Lomitas, warum hatten Sie sich damals für den Fährhofer Stallion entschieden?

Hans Wirth: Wir hatten mit Sundream bereits ein gutes Produkt von Lomitas aus der Salista. Später hat es mit anderen Hengsten nicht so geklappt, mit Lomitas brachte die Stute wieder einen sehr guten Hengst. Mit dem Hengst hat es wiederum perfekt geklappt.

GaloppOnline.de: Stehvermögen dürfte bei Sundream wohl außer jeder Diskussion stehen. Haben Sie mit Herrn Wöhler schon einmal über die Route im kommenden Jahr gesprochen?

Hans Wirth: Ich könnte mir vorstellen, dass er mit Sundream nach den bisherigen Vorgaben einen ähnlichen Weg wie in diesem Jahr mit Scalo einschlagen wird.

GaloppOnline.de: Mit Jammy Shot hatten sie in diesem Jahr auch ein Derby-Pferd. Er und Sundream sind aber wohl nicht zu vergleichen?

Hans Wirth: Sollte man auch nicht. Jammy Shot kommt nach einer Knieverletzung der leichteren Art nächstens in den Rennstall zurück. Er ist im Moment noch in Graditz.

GaloppOnline.de: Wieviele Pferde haben Sie in Training?

Hans Wirth: Vier Hengste, in Kürze kommen zwei Jährlingsstuten hinzu. Alle bei Herrn Wöhler, den ich sehr schätze und mit dem ich eine längere Zusammenarbeit anstrebe.

GaloppOnline.de: Die Hernando-Tochter Samando war ihr bislang bestes Pferd. Sie war bei Francois Doumen in Training, gewann mehrere Gruppe-Rennen und war auch Gruppe-I-platziert. Sie steht aber nicht in Graditz?

Hans Wirth: Samando steht seit Beginn ihrer Zuchtlaufbahn im Haras de Preaux in der Normandie. Ich lasse im Übrigen in jedem Jahr, ein zwei Stuten in Frankreich abfohlen, wegen der Inländergeltung. In der Tat war Samando mein bislang bestes Pferd. Ich habe sie als Jährling in Deauville erworben. Sie lief weltweit auf hohem Niveau, gewann mehrere Gruppe-Rennen, auch Gruppe II. Der Gruppe-I-Erfolg wollte einfach nicht gelingen. Aber ich darf mich bestimmt nicht beklagen.

GaloppOnline.de: Wie ist Samando in der Zucht gestartet?

Hans Wirth: Sie hat aktuell drei Produkte. Dreijährig ist Samardal, der bei Herrn Wöhler in Training ist. Wir sind überzeugt, dass er im kommenden Jahr Black-Type erreichen wird. Eine zweijährige von Goldikovas Vater Anabaa stammende Stute ist bei Alex Pantall in Frankreich in Training. Dann haben wir noch ein Hengstfohlen von Zamindar. Aktuell ist Samando tragend von Samum. Der Partner für 2011 steht noch nicht fest.

GaloppOnline.de: Werden Sie auch Jährlinge auf den Auktionen anbieten?

Hans Wirth: Das habe ich vor. Ich denke da überwiegend an Hengste, die wir auf die Auktion schicken werden. Neben der BBAG-Auktion könnte ich mir auch vorstellen, dass wir das eine oder andere Pferd in Deauville anbieten werden. Ich denke da zum Beispiel im kommenden Jahr an den Jährling der Ashantee. Natürlich ist mir klar, dass in Deauville nur für hochklassige Pferde ein guter Preis erzielen kann.

GaloppOnline.de: Wie hoch sind Ihre Investitionen?

Hans Wirth: Für mich ist es noch ein „Bringgeschäft“. Im kommenden Jahr, wenn die ersten Jährlinge auf die Auktionen erscheinen, ist vielleicht mit einer ersten Amortisation zu rechnen.

(25.12.2010)