Interview/Jockey Talks

Mit F. X. Weißmeier

GaloppOnline.de: Im zweiten Jahr bereits das Championat bei den Azubis. Kam es erwartet oder eher überraschend?

Fabian Xaver Weißmeier: Eher erwartet, denn so lautete mein persönliches Ziel.

GaloppOnline.de: Das ist aber nicht das erste Championat der Familie Weißmeier?

Fabian Xaver Weißmeier: Nein, das stimmt. Meine Mutter hat elf Mal die Meisterschaft der Trainer von Arabern gewonnen, so gesehen ist dies nichts gänzlich Neues. Mein Championat ist aber der erste Titel im Vollblut­lager.

GaloppOnline.de: Wann entstand der Wunsch, Jockey zu werden?

Fabian Xaver Weißmeier: Obwohl wir ja immer Pferde hatten, nicht so sofort, eher später.

GaloppOnline.de: Also nicht der klassische Weg des pferdeverrückten Jungen, der unbedingt reiten will?

Fabian Xaver Weißmeier: Pferdeverrückt war ich schon ein bisschen, doch das Reiten war nicht so mein Ding. Der Sinnes­wandel kam mit der bestandenen Amateurrennreiter-Prüfung im Alter von vierzehn Jahren. Da­nach habe ich richtig Spaß an der Sache bekommen und dann auch die Ausbildung als Profi begonnen.

GaloppOnline.de: Mit welchem Schulabschluss haben Sie den Schritt in den Pferdesport getan?

Fabian Xaver Weißmeier: Ich habe den Realschulabschluss. Meine Eltern haben Wert darauf gelegt, dass ich die Schule mit einem ordentlichen Ergebnis verlasse.

GaloppOnline.de: In welchem Lehrjahr befinden Sie sich?

Fabian Xaver Weißmeier: Ich bin im zweiten Lehrjahr. Aufgrund meines guten Notendurchschnitts kann ich die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen, so dass sie im Herbst 2008 zu Ende geht.

GaloppOnline.de: Wie bezeichnen Sie die Lehrzeit zu Hause? Wer hat denn das Sagen, die Mutter oder der Vater?

Fabian Xaver Weißmeier: Es geht ganz schön streng zu. Sie wollen halt immer, dass ich der Beste bin. Um es noch einmal zu betonen, das Trainieren macht meine Mutter, der Vater kümmert sich um das Management im Stall.

GaloppOnline.de: Welche Rennen bevorzugen Sie, die auf der Flachen oder über Hindernisse?

Fabian Xaver Weißmeier: Das ist mir egal, ich mag beides.

GaloppOnline.de: Warum starten Sie in beiden Sparten?

Fabian Xaver Weißmeier: Im Hindernissport habe ich Talent, bei den Flachrennen komme ich so allmählich nach, bin aber noch nicht so gut wie über die Sprünge. Aber Spaß macht beides.

GaloppOnline.de: Hängt das Pro für Hindernisrennen auch mit Gewichtsproblemen zusammen?

Fabian Xaver Weißmeier: In gewisser Weise ja. Denn für 55/56 kg muss ich kämpfen, auf vieles verzichten und Diät halten. Alles unter 57 kg fällt mir mit meiner Körpergröße schwer. Meine Zukunft liegt im Hindernissport. Auch in der neuen Saison will ich noch einmal Champion der Nachwuchsreiter werden, zudem das Championat bei den Hindernisreitern erreichen, was dann auch einmal etwas Neues bedeuten wür­de. Daher muss ich in dem Jahr noch einmal 55/56 kg durchhalten. Danach schauen wir weiter.

GaloppOnline.de: Welches Gewicht ist für Sie das ideale?

Fabian Xaver Weißmeier: Von 58 kg aufwärts reite ich gerne und ohne Probleme.

GaloppOnline.de: Wie bereiten Sie sich auf die Ritte vor?

Fabian Xaver Weißmeier: Um Kondition zu machen, laufe ich viel, täglich zwei bis fünf Kilometer. Außerdem schaue ich mir die Rennfilme der betreffenden Pferde an, dadurch kann man eine Menge lernen.

GaloppOnline.de: Wird man Sie während der Wintermonate ständig im Einsatz sehen?

Fabian Xaver Weißmeier: Ja, es geht nahtlos weiter. 2008 werde ich an den Wochenenden vorwiegend in Deutschland reiten, unter der Woche vor allem für die Eltern in Hindernisrennen auch den einen oder anderen Aus­lands­ritt in Frankreich oder wenn möglich in England absolvieren.

GaloppOnline.de: Es gibt Stimmen, die dem jüngeren Bruder Marian Falk noch mehr Talent zusprechen. Was sagen Sie dazu?

Fabian Xaver Weißmeier: Das mag sein, ja, ich denke schon, dass das stimmt. Ihm fehlt bloß mehr Erfahrung. Was er an Talent aufweist, muss ich mir erarbeiten.

GaloppOnline.de: Wie ist denn das Verhältnis untereinander?

Fabian Xaver Weißmeier: Natürlich gibt es ein leichtes Konkurrenzdenken. Natürlich hilft man sich aber auch, ob im Rennen oder in anderen Situationen.

GaloppOnline.de: Wer ist für das Management zuständig?

Fabian Xaver Weißmeier: Der Vater, der sich um die Belange im Stall kümmert, hat mir am Anfang beim Beschaffen von Ritten sehr geholfen. Mitt­lerweile mache ich das selber, werde inzwischen sogar öfter angerufen, als ich zum Hörer greifen muss.

GaloppOnline.de: Wie viele Pferde umfasst der Stall Weißmeier?

Fabian Xaver Weißmeier: Rund zwanzig Pferde sind zu betreuen, wobei sich die Araber und Vollblüter mit je zehn Vertretern die Waage halten.

GaloppOnline.de: Was kommt nach Beendigung der Lehrzeit?

Fabian Xaver Weißmeier: Das steht noch nicht fest. Ein Jobangebot habe ich schon, nämlich beim französischen Trainer Robert Collet als sozusagen sechster Mann zu arbeiten. Das hat er mir damals zugesichert, nachdem ich zwei Wochen bei ihm gearbeitet hatte. Genau seit dieser Zeit reite ich ganz anders. In den ver­gleichsweise wenigen Tagen habe ich jedenfalls unglaublich viel gelernt.

GaloppOnline.de: Das Ausland ist also ein Thema?

Fabian Xaver Weißmeier: Das auf jeden Fall. Natürlich muss ich erst einmal abwarten, was mir an Angeboten unterbreitet wird.

GaloppOnline.de: An was erinnern Sie sich besonders, wenn Sie die Saison 2007 Revue passieren lassen?

Fabian Xaver Weißmeier: Mit besonderer Freude denke ich an die Harzburger Woche zurück, denn damals gewann ich dort drei Rennen, nachdem ich frisch aus Frankreich zurückgekehrt war. Auch der mit mir dreimal er­folgreiche The Blue Falcon von Herrn Löwe hat mir viel Freude gemacht. Mit ihm habe ich immer­hin mein erstes Rennen in Baden-Baden gewonnen. Er ist das mit Abstand beste Pferd, das ich bis­lang geritten habe.

GaloppOnline.de: Welche Vorbilder haben Sie? Gibt es überhaupt welche?

Fabian Xaver Weißmeier: Doch, die gibt es. Ich denke dabei in erster Linie an Herrn de Vries, der mich mit seinem kraftvollen Finish begeistert, und an Herrn Pedroza, der über einen perfekten Stil und ebenfalls große End­kampf­stärke verfügt.

GaloppOnline.de: Welche Ziele und Wünsche hegen Sie für 2008?

Fabian Xaver Weißmeier: Zum einen das Doppelchampionat bei den Auszubildenden sowie den Hindernisreitern und zum ande­ren natürlich Gesundheit. Denn Gesundheit ist das Allerwichtigste und die Voraussetzung für Er­fol­ge.

(07.01.2008)