Interview/Jockey Talks

Mit Eugen Wahler

GaloppOnline.de: Am Montag kam noch eine Nachnennung für das SPARDA 143. Deutsches Derby. Der Ammerländer Baltic Rock verstärkt nun das Feld und wurde für 50.000 Euro nachträglich eingeschrieben. Wie stehen Sie dazu?

Eugen Andreas Wahler: Das ist natürlich eine erfreuliche Entwicklung aus Sicht des Hamburger Renn-Clubs und im Übrigen auch aus sportlicher Sicht. Baltic Rock hat eine tolle Entwicklung genommen und gehört nach seinem Sieg im Bremer swb-Derby-Trial in das erlesene Starterfeld, das wir am Sonntag zu Gewicht bekommen werden.

GaloppOnline.de: Dennoch kam es zu keiner Nachnennung aus dem Ausland. Warum eigentlich nicht?

Eugen Andreas Wahler: Nach dem Erfolg von Buzzword sind natürlich auch unsere ausländischen Freunde aufmerksam geworden und wollen den Titel erringen. Doch es ist wohl so, dass Aidan O’Brien im Irischen Derby mehrfach vertreten ist und Godolphin in diesem Segment kein passendes Pferd im Rennstall hat.

GaloppOnline.de: Wer gewinnt das SPARDA 143. Deutsches Derby?

Eugen Andreas Wahler: Für mich ist es Novellist. Black Arrow könnte ein Pferd sein, das für eine Überraschung sorgen kann.

GaloppOnline.de: Es fallen einige gravierende terminliche Änderungen beim Derby-Meeting 2012 auf. Zum Beispiel veranstaltet man nicht mehr an sechs Renntagen über zwei Wochenenden, sondern beschränkt sich auf das Wochenende in der Mitte, an dem auch das Deutsche Derby gelaufen wird. Erklären Sie doch bitte die Hintergründe wie es dazu kam.

Eugen Andreas Wahler: Das will ich gerne tun. Es ist etwas komplexer. Im Grunde genommen wollten wir die ursprüngliche Konstellation des Derbymeetings mit zwei Wochenenden und dem Derby am Schlusstag beibehalten. Aber wenn wir tatsächlich am 1. Juli das Derby als Abschluss ausgetragen hätten, dann hätten wir vom ersten Wochenende über die Renntage in der Woche bis zum Ende des Meetings parallel zu den Viertelfinal- und Halbfinalspielen sowie zum Finale der Fußball-Europameisterschaft veranstaltet.

Das konnten und wollten wir am Ende nicht wagen. Denn am 23. und 24 Juni sind die Viertelfinale angesetzt, am 27. und 28. Juni die beiden Halbfinale. Dass wir nun am Derbytag abends noch das Finale der Europameisterschaft haben, ist kein Nachteil. Denn die Begegnung wird ja erst um 20:45 Uhr angepfiffen und da sollten alle Rennbahnbesucher längst wieder vor dem Fernseher sitzen können. Zu den vier Renntagen in der Woche haben wir keine Fußball-Konkurrenz, das ist ein großer Vorteil.

GaloppOnline.de: Warum haben Sie das Derby-Meeting denn nicht eine Woche nach hinten verlegt? Dann wären Sie doch „auf der sicheren Seite“ gewesen?

Eugen Andreas Wahler: Das war unser erster Plan, doch dem hat die European Pattern Commitee einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Es wurde im Gremium keine Einstimmigkeit erzielt. Wenn wir das Derby um eine Woche nach hinten gelegt hätten, wäre das terminlich nicht mit allen Parteien vereinbar gewesen.

Um Zugeständnisse zu bekommen, muss man den Verhandlungspartnern aus Frankreich und England etwas anbieten. Unsere beiden Vertreter in der Kommission haben lange gekämpft. Doch am Ende konnten sich die Engländer mit den Franzosen nicht verständigen und das wird auf unserem Rücken ausgetragen.

GaloppOnline.de: Welche Auswirkungen werden diese Änderungen denn aus Ihrer Sicht haben?

Eugen Andreas Wahler: Nun, man kann es nicht so genau wissen. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass das Derby jetzt am dritten statt am sechsten Veranstaltungstag gelaufen wird. Es wird auch so ein tolles Derby-Meeting. Das Geläuf, das im Übrigen im letzten Jahr von der Rennleitung als bestes Geläuf, das es je gab, gelobt wurde, ist nach fünf Tagen Rennen schon stark beansprucht. Dem wird 2012 erstmals Abhilfe geschaffen, weil dieses Mal das Geläuf nur zwei Renntage vor dem Derby beansprucht wird.

GaloppOnline.de: Es gibt Stimmen aus dem Sport, die das für gut empfinden…

Eugen Andreas Wahler: Das meine ich eben auch. Es ist doch durchweg positiv und im Sinne Aller, wenn die äußeren Bedingungen besser sind. Das könnte am ersten Juli-Sonntag, der ja in den Köpfen der Rennsportfans schon immer eng mit der Austragung des Deutschen Derbys verbunden ist, so sein.

GaloppOnline.de: Welchen Anteil hat die Vermittlung an den französischen Wettanbieter Pari Mutuel (PMU) bei der Terminierung des Derby-Meetings?

Eugen Andreas Wahler: Das will ich gar nicht abstreiten, PMU hätte parallel zur Europameisterschaft nicht die Vermittlung der Rennen von unserer Bahn mitgemacht. Also haben wir der guten Zusammenarbeit Rechnung getragen und können so neben dem Derby auch am 4. und 5. Juli mit PMU zusammen arbeiten.

GaloppOnline.de: Wie wollen Sie verhindern, dass die letzten drei Tage vor quasi leeren Rängen stattfinden? Das Deutsche Derby und damit der absolute Höhepunkt der Veranstaltung, gehört nach Tag Nummer drei ja schon der Vergangenheit an.

Eugen Andreas Wahler: In der Tat haben wir da ein Problem mit dem Spannungsbogen des Meetings. Doch darf ich darauf hinweisen, dass wir an jedem Renntag nach dem Derby noch ein absolutes Top-Rennen anzubieten haben. Vor allem der am Dienstag zur Austragung anstehende Hansa-Preis, der als IDEE Hansa-Preis firmieren wird, hat es in sich. Hier haben wir uns entschieden, erst am Dienstag nach dem Derby wieder Rennen zu veranstalten. Damit haben die Rennsportfreunde gewonnen.

Denn am ursprünglich geplanten Montag könnte der Boden nach drei Tagen Rennen schon sehr beansprucht sein. Somit haben wir 24 Stunden mehr, um die Bahn wieder in Top-Zustand zu bringen. Aber auch am Mittwoch ist mit dem „Langen Hamburger“ großer Sport angesagt. Donnerstag wird dann noch der Hamburger Stutenpreis angeboten. Das sind doch genügend Argumente, bis zum letzten Renntag in Hamburg zu verweilen.

Wird die veränderte terminliche Struktur von dauerhaftem Bestand sein?

Eugen Andreas Wahler: Wir machen uns noch immer Gedanken um das anstehende Derby-Meeting. An die folgenden Jahre können wir noch gar nicht denken. Nur eines ist gewiss: Das Derby-Meeting wird auch künftig in Hamburg stattfinden.

(29.06.2012)