Interview/Jockey Talks

Mit E. Pedroza

GaloppOnline.de: Mit welchen Hoffnungen waren Sie nach Italien gefahren?

Pedroza: Ich war schon optimistisch. Seraphine hatte sich weiter gesteigert in der Arbeit. Wir haben auf Regen gehofft, da die elastischen Boden bevorzugt. Auch die Distanz war ein Fragezeichen, bedeutete die untere Grenze. Es passte alles. Das Rennen entwickelte sich wie geplant. Wir konnten uns aus Box dreizehn hinter die Pace legen und führen lassen. Schon in die Gerade hinein hatte ich ein gutes Gefühl. Einmal habe ich die Stute aufgefordert, sie packte groß an.

GaloppOnline.de: Schon in Hamburg war es großartig für Sie gelaufen. Ist die Bahn eigentlich eine besondere Erfolgsbahn von Ihnen?

Pedroza: In Hamburg war ich immer ein Pechvogel. Bis zum ersten Sieg hat es lange gedauert. In diesem Jahr konnte ich alles nachholen, was mir bislang nicht gelungen war. Wenn der Boden weich ist, muss man schon die richtige Spur finden. Da kann es manchmal zu einer Drängelei kommen. Schön war der Samstag mit vier Treffern, aber auch der Erfolg mit Simonas sowie mit Peaceful Love.

GaloppOnline.de: Ist Simonas eigentlich schwierig zu reiten? Er darf ja nicht zu früh in Front sein.

Pedroza: Wir waren einen Tick zu früh an der Spitze. Ich musste aber angreifen, da alle anderen sich schon eine gute Spur gesucht haben. Und zwischen den Pferden fühlt er sich nicht so wohl. Simonas ist aktuell das beste Pferd bei uns im Stall. Geplant ist ein Start in Düsseldorf oder Köln. Er hat das Rennen ganz gut weggesteckt, sieht blendend aus.

GaloppOnline.de: Wie hat sich der Wechsel von Bremen nach Ravensberg für Sie gestaltet?

Pedroza: Ich bin kein Mensch, der unbedingt in der Stadt leben muss. Im Grünen gefällt es mir. Man kann hier auch viel unternehmen. Wichtig ist mir, dort zu sein, wo die Pferde sind. Wir haben eine hervorragende Trainingsanlage mit viel Freiheiten. Es ist noch deutlich besser als vorher.

GaloppOnline.de: Wird es Ihnen in dieser Gegend nicht langweilig?

Pedroza: Nein. Kollegen wie Andre Best, Wladimir Panov oder Torsten Mundry wohnen ebenfalls hier. Mit ihnen unternehme ich in der Woche viel. Wir treffen uns ein bis zweimal zum Grillen oder gehen gemeinsam ins Kino. Da wird einem nicht langweilig.

GaloppOnline.de: Wie ist das aktuelle Lot von Andreas Wöhler strukturiert? Ist versprechender Nachwuchs im Stall?

Pedroza: Wir haben siebzig bis fünfundsiebzig Pferde. Ich bin sehr zufrieden. Es stehen hervorragende Zweijährige, die auch gut gezogen sind, in den Startlöchern. Sie werden etwas bewegen. Allerdings sind die meisten eher spätreif, werden die Zeit über Winter noch brauchen.

GaloppOnline.de: Wie stark sind Sie beim nächsten Meeting in Bad Harzburg engagiert?

Pedroza: Ich bin am ersten Renntag und am Sonntag sowie unter der Woche dabei. Zwischendurch reite ich am Samstag in Köln. Ich bin gerne in Harzburg. Es ist eine etwas andere Linienführung, aber ich mühle mich da wohl.

GaloppOnline.de: Können Sie einen Einblick in die Planung mit Dayano, der lange nicht mehr gelaufen ist, und Peaceful Love geben?

Pedroza: Peaceful Love hat einen hervorragenden Speed. Geplant ist jetzt ein Start im Ausland, entweder in Italien oder in Frankreich. Dayano hat nach seinem letzten Italien-Auftritt eine Pause bekommen. Er wirkte etwas müde. Wir haben nicht akzeptiert, dass er hinter One Little David war. Er hat erst einige ruhige, jetzt wieder schärfere Arbeiten absolviert. Mal schauen, wo es mit ihm weitergeht. Allgemein haben wir einige talentierte Pferde im Stall, deren Qualitäten noch gar nicht voll erkannt sind.

GaloppOnline.de: Haben Sie sich ein Ziel für 2005 gesetzt?

Pedroza: Ich wünsche mir, gesund zu bleiben, dass gilt auch für die Pferde und meine Kollegen. Natürlich möchte ich soviele Rennen gewinnen wie möglich.

GaloppOnline.de: Was machen Sie an den Nachmittagen und Abenden in Ravensberg?

Pedroza: Ich gehe ins Kino oder spiele Fußball. Das ist mein Top-Sport. Ich muss auf der linken Seite spielen, kann viele Positionen, außer Torwart. Das ist nicht so meine Sache.

GaloppOnline.de: Können Sie sich vorstellen, nach Ende der Jockey-Laufbahn Trainer zu werden?

Pedroza: An eine Trainertätigkeit glaube ich nicht. Ich sehe, wie hart dieser Job sein kann. Ich würde gerne etwas mit Pferde machen, aber solch eine Arbeit möchte ich mir wohl nicht antun.

(13.07.2005)