Interview/Jockey Talks

Mit A. de Vries

GaloppOnline.de: Herr de Vries. Jetzt ist es heraus. Sie reiten Mawingo. Was hat den Ausschlag geben?

Adrie de Vries: Zwischen Mawingo und Arrigo, die immer meine Kandidaten waren, liegt nicht viel. Ich habe einfach viel Mumm auf Mawingo. Er ist ein cooler Typ, ein unkompliziertes Pferd, das zudem mit fünf Starts über viel Routine verfügt. All das gefällt mir.

GaloppOnline.de: War die Wahl wirklich so schwer, und gab es vorher schon eine gewisse Vorauswahl?

Adrie de Vries: Ja, die Wahl war wirklich schwer. Auch wenn meine Favoriten eben Mawingo und Arrigo waren, so haben doch alle fünf Pferde von uns, die auf eigene Rechnung antreten, ihr Plus und Minus und berechtigte Chancen. Ich glaube, dass lediglich zwei Längen zwischen ihnen liegen. Die Tagesform wird entscheiden.

GaloppOnline.de: Sie kennen Mawingo von dessen ersten vier Starts. Was zeichnet ihn aus?

Adrie de Vries: Da gibt es mehrere Faktoren. Er verfügt über eine gute Portion Coolness, ist ein Kämpfer und ein Pferd, das zulegen und jeden Boden kann. Es darf auch regnen, denn er hat zu Saisonbeginn in Köln auf weicher Bahn in großer Manier gewonnen.

GaloppOnline.de: Haben Sie in Ihrer Karriere schon einmal vor einer derart schweren Entscheidung gestanden?

Adrie de Vries: Ich kann mich nicht erinnern, jemals vor einer derartigen Situation gestanden zu haben. Unter fünf Pferden auszuwählen, war sehr schwer und deutlich schwerer als damals mit Wiener Walzer. Hamburg ist eine stressige Bahn, daher kommt viel auf die Tagesform an. Hätte man viel Regen vorhergesagt, hätte ich wohl Arrigo den Vorzug gegeben.

GaloppOnline.de: Wann war die Abschlussarbeit, hat sie Ihre Eindrücke bestätigt?

Adrie de Vries: Mawingo hat in der Schlussarbeit in der letzten Woche auf mich einen Rieseneindruck gemacht und damit meine Wahl nicht unwesentlich bestätigt. Arrigo wird in dieser Woche arbeiten.

GaloppOnline.de: Mawingo stammt von Tertullian, einem profilierten Sprinter. Besitzt sein Sohn das für ein Derby notwendige Stehvermögen?

Adrie de Vries: Trotz der Abstammung sehe ich genügend Stehvermögen bei ihm. Mawingo hat in Köln auf weicher Bahn über 2100 Meter gesiegt, später auch in München gewonnen, während er in Frankfurt keinen optimalen Rennverlauf hatte. Es sah nie so aus, als habe er Probleme mit der Distanz. Ich glaube auch an ihn, weil er unkompliziert ist und sich im Rennen beruhigt.

GaloppOnline.de: Wie sähe für Sie der ideale Rennverlauf aus?

Adrie de Vries: Tempo gibt es im Derby eigentlich immer ebenso wie ein paar Drängeleien. Daher wünsche mir ein ungestörtes Rennen, am liebsten nicht ganz vorne. Ein Derby ist auch eine Sache von Routine. Über die verfügt Mawingo, und darauf baue ich auch.

GaloppOnline.de: Dem Gesetz der Serie nach wäre 2011 nach 2007 und 2009 wieder ein Schlenderhaner Sieg fällig. Kommen einem schon einmal derartige Gedanken?

Adrie de Vries: Da die Form im Stall seit Monaten steht und die Stimmung im Team nicht besser sein könnte, ist es gut möglich, dass wir wieder dran sind. Abergläubig bin ich aber nicht.

GaloppOnline.de: 2004 haben Sie ihren ersten Ritt im Derby absolviert. Kann man sagen, dass es bislang mit Außenseitern besser gelaufen ist als mit chancenreichen Pferden?

Adrie de Vries: Es stimmt, mit Außenseitern war ich bislang erfolgreicher. Aber es hat eigentlich nichts zu sagen. Ein Derby gewinnst du nicht so im Vorbeigehen. Aspectus, der damals zu den Favoriten zählte, war kein Steher, und dann gehen die Pläne auch nicht auf.

GaloppOnline.de: 2009 ritten Sie mit Suestado den Favoriten. Was lief damals schief?

Adrie de Vries: Er hatte im Frühjahr genug gezeigt, so dass ich mich früh für ihn entschieden hatte. Die Abschlussarbeit war schon nicht mehr so toll ausgefallen. Dann war er im Derby nie im Rennen. Wie sich herausstellte, hatte er sich im Rennen verletzt und ist danach nie mehr gelaufen.

GaloppOnline.de: An welches Derby haben Sie die besten Erinnerungen?

Adrie de Vries: Ein spezielles Derby gibt es nicht. Ich war mehrfach platziert, worüber ich mich auch sehr gefreut habe, weil man damit nicht gerechnet hatte. Auf Antek hatte ich persönlich allerdings richtig Mumm. Doch ehrlicherweise muss man sagen, dass die Pferde klar geschlagen waren. Ich hoffe, dass es in diesem Jahr besser läuft.

GaloppOnline.de: Trainer Jens Hirschberger sagte nach der Union, er wisse, wen er reiten würde. Hat er den Namen genannt? Wenn ja, stimmt seine Wahl mit Ihrer überein?

Adrie de Vries: Wir hatten immer das Gleiche gemeint. Für ihn wie für mich waren immer Arrigo und Mawingo die Kandidaten. Für Letzteren hat er sich auch entschieden.

GaloppOnline.de: Wie schätzen Sie die Qualität des diesjährigen Derbyfeldes ein?

Adrie de Vries: Ich denke, dass sie höher ist als die von 2010. Da versammelt sich schon viel Qualität am Start. Wir sind auf jeden Fall gerüstet. Ein Pferd wie unser Ibicenco z.B. hat in Frankreich eine sehr starke Leistung gezeigt.

GaloppOnline.de: Eine Frage kann natürlich nicht ausbleiben. Wer sind die Favoriten?

Adrie de Vries: Zu nennen sind u. a. Gereon und die beiden Wöhler-Pferde. Natürlich der Engländer Brown Panther, der in Ascot in toller Manier gewann, aber auch Lindenthaler, den man nicht nach seiner Leistung in Frankreich beurteilen sollte. Dennoch brauche ich mir um nichts Sorgen machen, denn Mawingo ist ein Vollprofi, ob bei Regen oder bei Sonnenschein.

GaloppOnline.de: Derbysiege sind für Sie ja kein Neuland. Wo und wie oft haben Sie derartige Rennen gewonnen?

Adrie de Vries: In Holland war ich fünf Mal erfolgreich. In Katar habe ich in der Saison 2008-2009 an einem Tag einmal vier Derbys gewonnen, je zwei bei den Vollblütern und zwei bei den Arabern in den Sparten importierte und inländische Pferde. Vom Prestige her sind das natürliche keine Rennen, die an den Wert eines Derbys heranreichen.

GaloppOnline.de: Abschließend kann man sagen, dass alles getan worden ist für einen bestmöglichen Erfolg?

Adrie de Vries: Mehr kann man nicht tun. Das Team im Stall ist hoch motiviert, die Form ist gut, es rollt. Wir sind auf dem richtigen Weg, was einem ein gutes Gefühl gibt, das sich auch auf die Pferde überträgt. Ich hoffe, es rollt auch am Sonntag weiter.

(02.07.2011)