Interview/Jockey Talks

Mit A. Darboven

GaloppOnline.de: Vor wenigen Tagen haben Sie die Derby-Sponsorship auch für dieses Jahr übernommen. Hätte es sonst dieses Rennen nicht gegeben?

Albert Darboven: Das Derby gibt es seit vielen Jahren und es wird es auch noch in vielen Jahren geben. Das Echo auf die Sponsorship im vergangenen Jahr (Pferde, Rennsport und Idee-Kaffee) hat uns ermutigt, dieses zu wiederholen. Es ist mir eine Freude, auch in diesem Jahr mein Interesse am Deutschen Rennsport zu unterstützen und somit sei es mir auch vergönnt meine Kaffeemarken, speziell den IDEE Kaffee, auf diesem Ereignis zu präsentieren und zu bewerben.

Die Situation im deutschen Turf ist etwas angespannt, aber wir schauen positiv nach vorn. Als Hamburger sind wir gewohnt, mit dem Satz umzugehen: Ebbe und Flut ist Kaufmanns Gut.

GaloppOnline.de: Weshalb ist es so schwierig, das beste deutsche Rennen zu vermarkten?

Albert Darboven: Sponsoring ist im Moment im allgemeinen nicht ganz einfach, denken Sie nur an die Formel 1, trotz Rückkehr von Michael Schumacher als Publikumsmagnet ist die Sponsorsumme in der Formel 1 um 25 % eingebrochen.

GaloppOnline.de: Sind Sie und die Sparda-Bank zu gleichen Teilen an der Partnerschaft für das Blaue Band beteiligt?

Albert Darboven: Die Aufteilung zwischen uns Partnern ist gerecht erfolgt.

GaloppOnline.de: Es gibt nach dem Katar-Verzicht intensive Kontakte mit Dubai. Wäre das Emirat nicht ein künftiger Sponsoringpartner für das Derby?

Albert Darboven: Es gibt eine Reihe von möglichen Sponsoringpartnern für das Derby, und wir arbeiten daran, diesen Bereich noch weiter auszubauen. Die Planungen für das nächste Jahr laufen schon an.

GaloppOnline.de: Die aktuelle Derby-Woche wartet mit noch mehr Highlights als in der Vergangenheit, man denke nur an den aus Düsseldorf übernommenen Deutschlandpreis. Dennoch liegt die Zukunft in der Schwebe, nachdem die geplante Doppel-Rennbahn durch die Investitionen in Bahrenfeld einen Dämpfer bekommen hat. Hält man an der Planung fest?

Albert Darboven: Die Planungen für die Doppel-Rennbahn haben durch die getätigten Investitionen jetzt in Bahrenfeld keinen Dämpfer erhalten, im Gegenteil, durch diese Investition wird der Trab-Rennsport dankenswerterweise am Leben erhalten. Nur ein lebender Trab-Rennsport ist ein geeigneter Partner für die Doppel-Rennbahn. Jetzt gerade hat die Ausschreibung europaweit begonnen und wir hoffen, dass im Spätherbst die ersten Antworten eintreffen werden.

GaloppOnline.de: Wann rechnen Sie mit einer Fertigstellung der Doppel-Rennbahn?

Albert Darboven: Die Rennbahn wird Europa-weit ausgeschrieben. Die Ausschreibung läuft bereits.

GaloppOnline.de: Wie intensiv ist aktuell die Zusammenarbeit mit den Trabern?

Albert Darboven: Unsere Zusammenarbeit mit den Trabern ist in unserer gemeinsam gegründeten Arbeitsgemeinschaft Galopp/Trab - in der ich den Vorsitz führe - geregelt. Wir sprechen hier alles Erforderliche und Mögliche ab.

GaloppOnline.de: Sieht man Sie selbst wieder einmal im Sulky oder bei Polo-Events?

Albert Darboven: Ich gehe gern auf die Trab-Rennbahn und würde auch sehr gerne fahren, allerdings gibt es ja nun mal die Altersbeschränkung von 70 Jahren an die ich mich halten muss und auch werde. Somit besteht für mich leider nicht die Möglichkeit, selbst wieder im Sulky zu fahren, sondern nur zu sitzen. Zu den verschiedenen Polo-Events gehe ich auch sehr gerne.

GaloppOnline.de: „Aus Freude am Leben“ lautet das Motto Ihres Unternehmens. Ist das auch das Motto für Ihre Aktivitäten als Besitzer und Züchter im Galopprennsport?

Albert Darboven: Ja, es ist mein Lebensmotto. Es ist eine positive Aussage und beschreibt meine optimistische Lebensweise, eben aus Freude am Leben.

GaloppOnline.de: Ihre Pferde sind in der aktuellen Saison glänzend aus den Startlöchern gekommen. Russian Tango gewann gerade zwei Rennen in großem Stil, Mi Rubina siegte, ehe sie in den 1000 Guineas etwas unter den Erwartungen blieb. Was sind die Ambitionen mit diesen beiden Pferden für 2010?

Albert Darboven: Die Ambitionen müssten immer etwas größer sein, als die Erfolge, nur mit Ambitionen erreicht man auch mal was Großes. Russian Tango hat zum Beispiel eine Nennung für das Derby, und wie es mit Mi Rubina weitergeht, werden wir in Hannover sehen.

GaloppOnline.de: Sehen Sie in Russian Tango ein Pferd für das Derby?

Albert Darboven: Ja, in Russian Tango sehen wir definitiv ein Pferd für das Derby.

GaloppOnline.de: Mi Benedict avancierte im Vorjahr zum Seriensieger. Trauen Sie ihm den Sprung auf Gruppe-Ebene zu?

Albert Darboven: Ja, das trauen wir ihm zu. Ab nächster Woche wird er wieder seinen Rennstall bei Andreas Wöhler beziehen.

GaloppOnline.de: Ihr Gestüt Idee, das sich in unmittelbarer Nähe zur Elbe befindet, brachte seit der Gründung im Jahr 1970 zahlreiche Cracks hervor. Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für züchterischen Erfolg aus Ihrer Sicht?

Albert Darboven: Zu den wichtigsten Voraussetzungen eines züchterischen Erfolges gehört die vernünftige Ausarbeiten eines Deckplanes und natürlich ganz wichtig die Haltung der Stuten und Fohlen. Hierauf wird bei uns intensiv geachtet, die Pferde kommen bei jedem Wetter raus. Die Weiden- und Fütterungsfrage muss ebenso geklärt sein. Außerdem hat sich die Zusammenarbeit mit Herrn Gutschow über viele Jahre bewehrt.

GaloppOnline.de: Wird auf die Aufstellung eines Hengstes auch in Zukunft verzichtet? Können Sie die aktuellen Zucht-Pläne mit Ihren Mutterstuten präzisieren?

Albert Darboven: Ich verzichte auf die Aufstellung eines eigenen Hengstes. Die Anpaarung, sprich das Aufstellen von den Deckungsplänen, bereitet einem schon einiges Kopfzerbrechen – es macht aber auch Spaß. Zu den Zuchtplänen: die Stute Polska Infa wurde gedeckt von Areion, Mi Emma war bei Soldier Hollow, Power Queen hatte Authorized als Partner, Koffibini wurde gedeckt von Samum, und Russian Samba war bei Tertullian.

GaloppOnline.de: Wie ist Ihr Eindruck der klassischen Siegerin Mi Emma in der Zucht?

Albert Darboven: Mi Emma ist tragend. Wir erwarten ein Fohlen von Soldier Hollow, beide sind schon einmal gegeneinander gelaufen.

GaloppOnline.de: Ihr Derbysieg mit Pik König liegt lange zurück (1992). War das für Sie das Nonplusultra Ihrer rennsportlichen Aktivitäten bisher?

Albert Darboven: Natürlich war der Derbysieg mit Pik König ein großes Ereignis, immerhin ist er der erste Derbysieger im Besitz eines Hamburgers und gezüchtet und aufgezogen in Hamburg. Das Gestüt IDEE hat aber auch weitere Sieger, wie zum Beispiel den Schweizer Sieger Moccaprince und den Tschechischen Derby- Sieger Poderoso gezüchtet und aufgezogen.

GaloppOnline.de: Wie wird Ihr Turf-Engagement bei Ihren Geschäftspartnern gesehen?

Albert Darboven: Ein Turf-Engagement wird von den Geschäftspartnern sehr positiv gesehen. Geschäftspartner sind ja nun mal auch meine Kunden. Ich musste natürlich erst auch meinen Geschäftspartnern mein Turf-Engagement positiv verkaufen, so dass dies auch unser Haus entsprechend positiv darstellt. Wenn dann der gesamte Turf eine gute Tasse IDEE-Kafffee trinkt, freut es mich umso mehr.

GaloppOnline.de: Die Umsätze gehen aktuell wieder nach unten. Wie lässt sich die Spirale umdrehen?

Albert Darboven: Durch einige gute neue Ideen und Ansätze lässt sich die Spirale umdrehen. Wir dürfen nicht nur in althergebrachten Formen und Kategorien denken, sondern müssen Neuerungen und Innovationen gegenüber aufgeschlossen sein. Wir müssen im Turf moderner werden und die Jugend mehr ansprechen. Vor allem müssen wir all diejenigen ansprechen, die das erste Mal auf eine Rennbahn kommen. Wir müssen versuchen, die Faszination des Turfes diesen Leuten nahe zu bringen.

GaloppOnline.de: In Ihren Idee-Werbespots, die zuletzt vermehrt vor der 20-Uhr-Tagesschau in der ARD liefen, sind Sie mit Pferden zu sehen. Ist das auch eine Möglichkeit, für Ihren Sport den Aufmerksamkeitsgrad zu erhöhen?

Albert Darboven: Ja, natürlich. Gerade das Pferd ist von allen Tieren dasjenige mit den höchsten Sympathiewerten. Natürlich verbinde ich mit dem Pferd eine Herzensangelegenheit und versuche dieses auch in meinem Werbespot für IDEE-Kaffee dem Verbraucher nahe zu bringen.

GaloppOnline.de: Sie sind inzwischen 74. Wie lange wollen Sie in Ihrem Beruf noch die „Pace“ von heute gehen?

Albert Darboven: Es ist keine Frage des Wollens, sondern vielmehr eine Frage von Pflicht, Verantwortung, vor allen Dingen auch Freude am Leben, dies gilt eben auch im Beruf.

GaloppOnline.de: Abschließend: Ihr größter Wunsch für 2010?

Albert Darboven: Weiterhin die Freude am Leben.

(22.05.2010)