Interview/Jockey Talks

Mit Christian Czachary

<b>GaloppOnline.de:</b>
Sie haben Ihren Durchbruch 2000 in Baden-Baden geschafft. Wie war das damals?

<b>Christian Czachary:</b>
Das kam alles sehr überraschend und natürlich auch sehr schnell. Auf einmal waren diese drei Listensiege da und das war sensationell. Bei Duke D'Alba hatte ich eigentlich schon vorher richtig Mumm. Ich habe auch die Abschlußarbeit geritten und mir Chancen ausgerechnet. Aber die anderen zwei Treffer waren richtige Überraschungssiege. Mit Passimo und mit Lisieux.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Welche Bedeutung haben diese drei Siege und wie wichtig waren Sie für den Verlauf ihrer Karriere?

<b>Christian Czachary:</b>
Diese drei Erfolge in Baden-Baden waren mit Sicherheit wichtig und haben einiges beschleunigt. Ohne diese drei Siege wäre es mit Sicherheit nicht so schnell gegangen. Ich habe zwar auch vorher stetig meine Erfolge gehabt. Aber da kam alles nach und nach. Und nach und durch Baden-Baden ging alles Schlag auf Schlag. Das war natürlich super. Im ersten Moment kannst du das gar nicht fassen. Da triffst du drei so Dinger.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Sie sind nun Stalljockey bei Wolfgang Figge. Dort reiten Sie viele Pferde für Helmut von Finck. Ist das Druck oder Ehre?

<b>Christian Czachary:</b>
Für Helmut von Finck zu reiten, ist mit Sicherheit beides. Der Erfolgszwang ist bei einem so erfolgreichen Besitzer natürlich immer da. Er kauft und züchtet sehr gute Pferde und möchte natürlich auch etwas sehen. Das ist ganz logisch. Also ist schon ein gewisser Druck vorhanden. Aber Ehre ist es natürlich auch, schließlich reitet man tolle Pferde. Man weiß, welche Verantwortung man trägt.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Hilft dieser Druck? Oder belastet er eher?

<b>Christian Czachary:</b>
Er hilft natürlich nicht immer. Denn ich glaube, je mehr Vertrauen ein Jockey genießt, umso leichter tut er sich. Desto befreiter kann er reiten. Wenn einem der ganz große Druck vom Leib genommen wird, gehen natürlich manche Sachen leichter, da man mit freiem Kopf reiten kann. Das ist besser, als wenn immer der Druck da ist: du mußt, du mußt, du mußt. Aber der Druck den ich habe, hilft mir mit Sicherheit, Topleistung abzurufen.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Dass Noroit zur Spitzengruppe der Dreijährigen zählt, hat er im Preis von Europa bewiesen. Wussten Sie, wie gut er ist?

<b>Christian Czachary:</b>
Wir hatten im Stall immer eine sehr hohe Meinung von diesem Pferd und ich bin mir sicher, dass sich Noroit noch weiter steigert. Der wird vierjährig noch mal um einiges besser. Da bin ich mir sicher. Er hat die Unreife von Start zu Start abgelegt und ich glaube, er ist einer der Jahrgangsbesten. Noroit ist geschont aufgebaut worden. Aber ein richtiges Rennpferd.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Haben Sie schon einmal drüber nachgedacht, aus München woanders hin zu wechseln?

<b>Christian Czachary:</b>
Ja, natürlich denkt man darüber nach. Aber es ist immer eine Sache des Angebots. Konkret gibt es da nichts. Abgeneigt bin ich aber nicht, auch mal im Westen zu reiten. Hier in München hat man die Sicherheit, und im Westen wäre es wohl erst einmal der Sprung ins kalte Wasser. Wenn ein Angebot da wäre, würde ich es aber vielleicht riskieren. Aber wenn ich in einem kleinen Teich ein größerer Fisch bin, ist es im Prinzip besser, als in einem großen Teich nur ein Mitschwimmer zu sein. Wenn man weggeht, will man sich verbessern. Also müsste das Angebot stimmen.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Ihre Freundin heisst Michelle Mayer. Ist es besser, wenn auch die Freundin Pferde mag?

<b>Christian Czachary:</b>
Ja, es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn der Partner auch im Rennsport involviert ist. So kann er einem immer zur Seite stehen und versteht die ganze Materie. Im Rennen sind wir aber Konkurrenten. Da kenne ich nichts (lacht).

<b>GaloppOnline.de:</b>
Piotr Piatkowski ist Ihr Vorgänger als Figge-Stalljockey: gibt es noch Kontakt zu ihm nach Polen?

<b>Christian Czachary:</b>
Von meiner Seite aus eigentlich nicht. Mein Trainer Wolfgang Figge hat hin und wieder Kontakt zu ihm. Es wird telefoniert und er interessiert sich noch immer dafür, was die Pferde aus dem Stall so machen.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Welches Pferd würden Sie mal gerne reiten?

<b>Christian Czachary:</b>
Das wäre Silvano. So ein tolles Pferd zu reiten, muss Wahnsinn sein. Was Silvano in diesem Jahr veranstaltet, ist schon gigantisch. Oder auch Galileo zu reiten, wäre ein Traum.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Und wer sind die Besten, die Sie je geritten haben?

<b>Christian Czachary:</b>
Die besten sind Noroit und der Duke. Ich habe nach wie vor eine Riesen-Meinung von Duke D`Alba und er ist für mich ein richtiges Gruppepferd, der noch einiges zeigen wird.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Wer sind Ihre Jockey-Vorbilder?

<b>Christian Czachary:</b>
Mein Vorbild war immer Cash Asmussen. Wem ich auch unheimlich gerne beim Reiten zusehe, ist Frankie Dettori. Das ist ein Phänomen, wie er reitet. Aber auch Lester Piggott fand ich klasse. Gerade Lester Piggott und Cash Asmussen sind schon Vorbilder. Denn auch diese beiden sind wie ich relativ groß. Ein Vorbild sind sie unter anderem auch, weil man bei beiden sehen kann, wie sie ihre Körpergröße umsetzen.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Wo sehen Sie sich in drei Jahren?

<b>Christian Czachary:</b>
Hoffentlich in der deutschen Statistik in den Top Five. Wenn ich in München bleibe, ist auch Top Ten in Ordnung. Sonst möchte ich in den Top Five sein.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Wie sind sie zum Galopprennsport gekommen?

<b>Christian Czachary:</b>
Ich war mit meinen Eltern auf der Rennbahn und war selber immer sehr klein und leicht. Als ich angefangen habe, war ich 1,47 Meter groß und habe gerade mal 34 Kilo gewogen. Das war im Alter von 16 Jahren. Da habe ich angefangen, in München bei Mario Hofer zu lernen. Ich hatte auch immer schon einen Bezug zu Pferden, zu Tieren im Allgemeinen. Das liegt daran, dass ich auf dem Land groß geworden bin.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Haben Sie Probleme, Ihr Gewicht zu halten?

<b>Christian Czachary:</b>
Nein, die habe ich eigentlich gar nicht. Ich kann eigentlich ganz normal essen und trinken. Bei ein paar Sachen muß ich mich natürlich zusammenreißen, das ist klar. Aber eigentlich kann ich relativ normal essen. So kurz vor den Rennen heißt es natürlich, sich ein wenig mehr am Riemen reißen, da geht kein Braten mehr.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Und was wird gegessen?

<b>Christian Czachary:</b>
Alles, was der Supermarkt so hergibt. Wir essen sehr viele Nudelgerichte, bürgerliche Küche. Ich koche selber sehr viel und sehr gerne.

<b>GaloppOnline.de:</b>
Und wie sind die privaten Ziele?

<b>Christian Czachary:</b>
Mit meiner Lebenspartnerin Michelle Mayer ein erfolgreiches Leben aufzubauen. Wir werden im Januar in Florida am Strand heiraten. Das ist geplant. Und wir wollen dann eine glückliche Familie aufbauen. Irgendwann ist dann auch der Kinderwunsch dran, aber da haben wir noch ein bißchen Zeit.

(15.10.2001)