Interview/Jockey Talks

Mit B. Koenemann

GaloppOnline.de: Vorweg die allerwichtigste Frage: Müssen sich Trainer und Besitzer Sorgen um die Gesundheit ihrer vierbeinigen Sportler machen, weil die Beschaffenheit des Neusser Geläufs noch Fragen offen läßt. Eine Prüfung des Kurses hatte eine Durchführung der Probeveranstaltung vor einer Woche als unmöglich erscheinen lassen. Wurden Sie eigentlich von dieser Entwicklung überrascht? Und wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Dr. Bernd Koenemann: Nach den intensiven Arbeiten am Geläuf in Anschluss an die erste Begehung durch die Rennbahnprüfungskommission muss sich niemand Gedanken über den
Zustand der Neusser Sandbahn machen. Nach Abschluss der Arbeiten wird sich das Geläuf in einem sehr guten Zustand präsentieren. Die Probeveranstaltung mit Ponyrennen am vergangenen Samstag hätte durchgeführt werden können, wenn wir uns Ende der vergangenen Woche auf die Bearbeitung ausschließlich der Zielgeraden konzentriert hätten. Dies schien uns aber angesichts des bevorstehenden Eröffnungsrenntages nicht sinnvoll, zumal einige begleitenden Arbeiten wie Internetverbindung, Lautsprecheranlage, Zielfotografie noch nicht fertig gestellt waren. Überrascht wurde ich persönlich nach eigener Inaugenscheinnahme mit dem Schachtmeister der 1995 bauausführenden Firma Fritzsche aus Neuss vom Ausmaß der erforderlichen Sandbewegungen. Nicht, wie zunächst angenommen, war an einigen Stellen die Sandauflage zu gering, sondern das Problem waren erhebliche Sandaufschüttungen. Durch den Einsatz eines lasergesteuerten Graders (Nivellierungsgerät) wird eine gleichmäßige Sandauflage mit Abfluss
des Oberflächenwassers sicher gestellt.

GaloppOnline.de: Hat man denn während der Bauarbeiten irgendwelche Pflegemaßnahmen auf dem Sandbahngeläuf unternommen, und wie stehen Sie zu der immer wieder aufgetretenen Kritik, die Sandbahn Neuss hätte gar keine Drainage.

Dr. Bernd Koenemann: Das Sandgeläuf ist selbstverständlich auch während der Bauphase permanent gepflegt worden. Diese Arbeiten haben unter erschwerten Bedingungen stattgefunden, da eine permanente Querung des Geläufs bei jedem Wetter durch schwere Maschinen und Tieflader seitens der, durch die Stadt beauftragten, Gartenbaufirma erfolgte. Bei der zweiten Begehung durch die Rennbahnprüfungskommission konnten sich alle Beteiligten (auch diejenigen, die zuvor kraftvoll das Fehlen jeglicher Entwässerung des Geläufs bekräftigt haben), davon überzeugen, dass eine funktionsfähige Drainage vorhanden ist. Man muss denjenigen allerdings zugute halten, dass sie sich weder vorher bei uns erkundigt noch jemals das Geläuf persönlich in Augenschein genommen haben.

GaloppOnline.de:Warum ist es so schwierig, wenn man schon eine neue Gestaltung des Geländes für etwa 1,5 Millionen in Angriff nimmt, das Allerwichtigste, nämlich den Bodenbelag auf den neuesten Stand zu bringen. Das hätte sich doch aufgrund der allgemeinen Baumaßnahmen angeboten.

Dr. Bernd Koenemann: Zunächst wiederhole ich noch einmal sehr gerne, dass die Stadt aus Steuermitteln die Neuanlage des Rennbahnparks finanziert hat. Das mit diesem Geld daher Verbesserungen für die Bevölkerung in erster Priorität angegangen wurden, ist wahrscheinlich für alle nachvollziehbar. Das Geläuf im Zuge der Umbauarbeiten im Innenbereich zu erneuern, verbietet sich durch die erheblichen Belastungen durch diese Arbeiten, da eine neue Sandauflage, in welcher Form auch immer dargestellt, während der andauernden Bauphase zu unterschiedlichen Verdichtungen geführt hätte. Dies betrifft nicht nur den Übergang zum Innenbereich, sondern weitere Teilflächen der Sandbahn.

GaloppOnline.de: Kritiker werfen dem Rennverein mangelnde Vermarktung des Renntages vor: Keine Plakate oder Hinweise auf die Rennveranstaltung Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Dr. Bernd Koenemann: Die Vermarktung des Renntages findet in üblichem Rahmen mit Ausnahme der Litfasssäulenwerbung im Umfeld statt. Die alte kostenfreie Regelung mit der Werbefirma ist auf Grund der wirtschaftlichen Verschlechterungen auch auf dem Werbemarkt ausgelaufen.

GaloppOnline.de: Worauf können sich die Besucher denn am meisten freuen? Was bieten Sie am ersten Renntag nach der Zwangspause?

Dr. Bernd Koenemann: Wir bieten dem Besucher als Stadt römischen Ursprungs als Eröffnung ein Wagenrennen mit vier Wagen und 8 Kaltblütern, das auf der Grasbahn abgehalten wird. Das soll und kann allerdings nicht bedeuten, dass im Laufe dieser Wintersaison hier Hindernisrennen angeboten werden können. Neben wohl neun Galopprennen findet ein Kamelrennen und im Anschluss Kamelreiten statt, daneben diverse Unterhaltungspunkte für die ganze Familie.

GaloppOnline.de: Kann man eigentlich auch Plätze im Restaurant reservieren, so wie dies im guten alten Da Capo der Fall war? Bei einer Neun-Rennen-Karte will man sich natürlich auch kulinarisch verwöhnen lassen, und das war sicherlich aufgrund einer direkt zum Geläuf zugewandten Sichtmöglichkeit zu den Rennen eine ganz große Stärke des abgerissenen Restaurantgebäudes.

Dr. Bernd Koenemann: An diesem Renntag ist wegen der offiziellen Eröffnung durch die Stadt keine Reservierung möglich. Zukünftig wird der Gastronom für einen Festbetrag Essen und Trinken pauschal für Besucher des Restaurants anbieten.

GaloppOnline.de: Wie ist überhaupt der Stand der Dinge im multifunktionalen Tribünengebäude. Welche Bauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen?

Dr. Bernd Koenemann: Es sind noch einige Restarbeiten zu erledigen, die, sofern diese für die ordnungsgemäße Abwicklung des Eröffnungstages erforderlich sind, abgeschlossen sein werden. Im Parkplatzbereich beginnen im Anschluss an diesen Tag die Ausschachtungsarbeiten für die Entwässerung des gesamten Publikumsbereiches.

GaloppOnline.de: Auf welche Besucherkapazitäten ist man seitens des Veranstalters eingestellt, gibt es auch „Ruheplätze“, soll heißen, wie sieht es mit Sitzmöglichkeiten auf dem Gelände aus? Bei durchschnittlich 8- 10 Rennen sicherlich eine nicht unerhebliche Frage.

Dr. Bernd Koenemann: Es werden rund 1.000 Sitzplätze an unterschiedlichen Stellen des
Rennbahngeländes angeboten.

GaloppOnline.de: Was freut Sie am meisten an der momentanen Situation auf der Neusser Bahn und woran muss noch gearbeitet werden?

Dr. Bernd Koenemann: Ich freue mich sehr darüber, dass mit diesem Neubau auch ein sehr positives Signal für den gesamten deutschen Galoppsport gesetzt wird. Dies auch trotz der Einschränkung, dass die Baumaßnahmen nicht ausschliesslich für den Rennverein errichtet wurden und auch nicht geschaffen werden konnten. Gearbeitet werden muss unsererseits als kontinuierlicher Prozess natürlich an einer weiteren Verbesserung des Gastboxen- und Trainingsbereiches, sobald wir eine vertragliche Grundlage mit der Stadt Neuss besitzen.

(14.11.2009)