Interview/Jockey Talks

Mit B. Koenemann

GaloppOnline.de: Der Grand Prix ist der Abschluss einer erneut schwierigen Winter-Saison. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Koenemann: Gemischt. Wir hatten schon einige vernünftige Umsätze in Bezug auf die Gesamtsituation. Es war festzustellen, dass die Wetter sehr wohl differenzieren, was die Qualität der Pferde anbetrifft. Wenn schlechte Pferde laufen, bleibt auch das Wettaufkommen schwach. Es gelingt uns ja immer wieder, gute Pferde anzulocken. Und wenn diese laufen, ist auch das Wettinteresse da.

GaloppOnline.de: Absagen wie in Dortmund helfen sicher nicht den Aktiven, die jede Chance zum Geldverdienen brauchen.

Koenemann: An dieser Stelle möchte ich einmal das Engagement vieler Besitzertrainer loben, ich denke da nur an die Herren Peterschmitt oder Schleppi. Sie haben sich auch am vergangenen Samstag durch das Schneewetter hindurchgeschaufelt, und das trotz der nicht gerade üppigen Preisgelder. Wir sind da in der Verantwortung den Aktiven gegenüber, wollen positive Signale geben. Da möchte man auch etwas für sie tun.

Besonders gefreut hat mich am vergangenen Samstag der Sieg von Herrn Schleppi mit Majo, es ist gut, wenn da auch etwas zurückkommt. Wir kamen in diesem Winter einigermaßen zurecht, machten aber noch Verluste. Aber das war noch kalkulierbar.

GaloppOnline.de: Auch die Besucherzahlen sind zurückgegangen. Wollen die Menschen im Winter lieber gemischte Programme sehen?

Koenemann: Der Bahnumsatz war zwar rückläufig, aber dass bei uns weniger Besucher kamen, kann ich nicht sagen. Man darf nicht vergessen, dass wir die Aufenthaltqualität in der großen Wetthalle deutlich verbessert haben. Und viele Leute bleiben da eben lieber drinnen anstatt über den Platz zu gehen. Im Übrigen hat sich das Freizeitverhalten der Menschen geändert. Den Samstagmorgen verbringt man gerne mit der Familie, frühstückt lange, geht einkaufen oder arbeitet im Garten.

GaloppOnline.de: Die Umsätze sind inzwischen fast auf einem Level, das man von den Trabern gewohnt ist. Rentieren sich noch zwei Veranstaltungen am Wochenende im Winter?

Koenemann: Das kann ich mir nicht vorstellen. Es sind deutlich weniger Pferde in Training, die Starterfelder werden kleiner. Das Potenzial an Pferden ist einfach nicht mehr da. Wenn sich nicht Wesentliches verändert, sind zwei Renntage in einer Woche im Winter finanziell kaum noch machbar.

GaloppOnline.de: Man hat den Eindruck, dass bei Ihnen die Sponsoren noch mitziehen.

Koenemann: Das stimmt. Wir sind auch sehr froh, dass wir mit den Rennen in Neuss so gut in die Region eingebunden sind. Es gibt einen Tag des Karnevals, der Sportvereine. Die Vertreter dieser Gruppen überreichen die Ehrenpreise selbst, sind also persönlich vor Ort.

GaloppOnline.de: Wie sieht die weitere Saisonplanung aus?

Koenemann: Wir bieten nun einige gemischte Renntage mit Gras- und Sandbahnrennen. Das geschieht auch schon in Hinblick auf den Winter 2005/2006. Es wird etwas Druck herausgenommen, die Sandbahnpferde können nicht nur im Winter laufen. Und der August-Renntag im Vorjahr hat gezeigt, dass ein Rieseninteresse an Sandrennen besteht. Die Rennen waren gut besetzt. Außer in den Ferienzeiten wollen wir in jedem Monat je einen Renntag mit gemischtem Programm anbieten.

GaloppOnline.de: Wie ist die Lage in Düsseldorf, wo Sie inzwischen ebenfalls das Ruder übernommen haben?

Koenemann: Die Zusammenarbeit mit dem Vorstand klappt hervorragend. Auch mit Herrn Renz, der uns häufig zur Seite steht. Und die Stadt zieht voll mit, vor allem Oberbürgermeister Herr Erwin, aber auch der erste Beigeordnete, der im Vorstand des Reiter- und Rennvereins ist. Die Bahn am Grafenberg ist Bestandteil der Gesamtevent-Location Düsseldorf. Es sieht ganz positiv aus.

Allerdings haben wir bei der Kalkulation die Wettumsätze vom Vorjahr herangezogen, weitere Rückgänge darf es nicht geben. Sollte die Bezuschussung von Renntagen weiter so funktionieren wie geplant, wonach es aktuell nicht unbedingt aussieht, hätten wir 2005 fünfzehn Renntage. Vor dem Gruppe I-Rennen im Sommer wollen wir auch am Freitag zuvor Rennen durchführen. Im Sommer bin ich mehr in Düsseldorf, im Winter liegt der Fall andersherum.

GaloppOnline.de: Am Grafenberg sind nur noch zwei Trainer vor Ort. Sind Verstärkungen geplant (z.B. Sascha Smrczek) ?

Koenemann: Ich würde die Chance, das Herr Smrczek kommt mit fünfzig zu fünfzig umschreiben. Es gibt da für den Fall, dass er nach Düsseldorf möchte, einen Fahrplan. Auf jeden Fall werden wir in die Sanierung der Stallungen investieren.

GaloppOnline.de: Insolvenzen sind im Rennsport inzwischen alles andere als selten. Was bringt bei den Galoppern die Zukunft? Werden Bahnen verschwinden?

Koenemann: Die meisten Rennvereine haben nur eine Überlebenschance durch Grundstücksverkäufe. Aus dem reinen Renngeschäft ist kaum noch eine wirtschaftlich tragfähige Grundlage zu bekommen. Ich bin allerdings auch kein Freund davon, dass nur noch fünf Bahnen überleben. Viele überleben nur durch die Unterstützung Dritter.

Problem ist, dass es auch den Kommunen nicht gut geht. Irgendwann stellt sich für diese die Frage, ob man eine Rennbahn zur Außendarstellung braucht. Bei manchmal sechsstelligen Verlusten stößt man da schnell an Grenzen der Bezuschussungswilligkeit. Aber auch Grundstücksverkäufe sind nur eine kurzfristige Lösung.

(26.02.2005)