Interview/Jockey Talks

Mit Andreas Helfenbein

GaloppOnline.de: Sind Sie in Macau mit einer Club-Lizenz geritten?

Andreas Helfenbein: Nein, ich musste alles, wie Flug und Unterkunft, selbst tragen. Ich musste zudem für jeden einzelnen Ritt kämpfen, auch für die Morgenarbeit gab es kein Geld.

GaloppOnline.de: Sie haben inzwischen die ersten Ritte in Deutschland absolviert, haben Sie sich akklimatisiert?

Andreas Helfenbein: Ja. In jedem Fall habe ich mich wieder eingelebt. Ich bin wieder in Deutschland angekommen.

GaloppOnline.de: Wie war die Umstellung von Macau zu den hiesigen Verhältnissen?

Andreas Helfenbein: Die Umstellung war schon sehr hart. Die Rennen werden hier viel ruhiger gelaufen. Zudem zählt man bei uns die Stockschläge, während in Macau derjenige, der zu wenig draufschlug, fast bestraft worden wäre. Auch die Trainingsarbeiten waren anders. So wurden die Pferde lange Schritt geritten.

An den besten Tagen habe ich manchmal zwanzig Pferde geritten. Elf vormittags, darunter auch welche in Qualifikationsrennen, die zwei Mal in der Woche anstanden, und am Abend noch einmal neun. Das hat richtig starke Kondition verlangt. Rennen wurden immer dienstags und am Wochenende samstags oder sonntags durchgeführt.

GaloppOnline.de: Haben Sie nach der Rückkehr ins kalte Deutschland eigentlich gefroren?

Andreas Helfenbein: Sicher herrschten hier andere Temperaturen, aber gefroren habe ich nicht wirklich. Ich will aber auch nicht verhehlen, dass ich gerne auch noch drei weitere Monate geblieben wäre. Doch andererseits ist Vertrag Vertrag. Ich freue mich auch auf die neue Saison.

GaloppOnline.de: Ist Deutschland gegenüber Macau eine Ernüchterung?

Andreas Helfenbein: Sagen wir mal so. Es war eine doch deutliche Umstellung. In Macau gibt es eine andere Art von Rennsport. So habe ich einen Australier kennengelernt und später auch in seinen Stall schauen dürfen, der seine Pferde auf der Laufbahn trainiert. Bei Arbeiten bei bis zu fünfundvierzig Stundenkilometer und zwölf Prozent Steigerung wurden zwischendurch wie bei Spitzensportlern die Laktatwerte gemessen. Das wäre wohl aus Kostengründen in Deutschland nicht machbar.

GaloppOnline.de: Wie war Asien insgesamt?

Andreas Helfenbein: Ich habe mich rasch an die dortigen Verhältnisse gewöhnt, liebe die Kultur.

GaloppOnline.de: Haben Sie auch etwas von Land und Leuten gesehen?

Andreas Helfenbein: Selbstverständlich. Ich bin viel spazieren gegangen, habe mir alles angeschaut. Natürlich standen auch Ausflüge nach Hong Kong auf dem Programm, eine interessante, aber auch sehr hektische Stadt.

GaloppOnline.de: Was waren die sportlichen Höhepunkte?

Andreas Helfenbein: Ohne Zweifel die zwei Siege in den Class-I-Rennen, den höchsten Handicaps, wobei ich einmal mit einem Kopf, einmal mit einer Nase Vorsprung gewann. Diese Rennen werden zwar in der Klassifikation von den wenigen Gruppe-Rennen übertroffen, weisen wie diese aber die gleiche Dotierung auf.

GaloppOnline.de: Wo liegen die gravierenden Unterschiede im Sport zwischen Macau und Deutschland?

Andreas Helfenbein: In Macau gibt es zu neunzig Prozent Sprinterrennen. Nach den Rennen werden die Pferde zu der an die Rennbahn angegliederte Klinik geführt, wo sie so mit Mineralien und anderen Aufbaustoffen versorgt werden, dass sie eine Woche später schon wieder starten können. Und alle Pferde sahen top aus!

GaloppOnline.de: Wie war eigentlich der Kontakt der Jockeys untereinander?

Andreas Helfenbein: Man merkte schon, dass es hier um Geld ging. Insgesamt blieb der Kontakt oberflächlich.

GaloppOnline.de: Gab es eine Asien- bzw. Europa-Fraktion?

Andreas Helfenbein: Der Kontakt zu den Asiaten beschränkte sich auf das Nötigste. Man wurde von allen Seiten davor gewarnt, sich mit asiatischen Jockeys wegen der Gefahr der Korruption sehen zu lassen. Man musste wirklich höllisch aufpassen.

GaloppOnline.de: Hätten Sie sich eigentlich einen derartigen Erfolg, wie Sie ihn ja nun vorweisen können, erträumt?

Andreas Helfenbein: Nein, auch nicht annähernd. Meine Vorstellung war eigentlich, pro Monat drei bis fünf Rennen zu gewinnen. Dass ich dann an einigen Tagen drei und sogar vier Rennen gewinnen würde, war nun wirklich nicht zu erwarten. Ich habe auf jeden Fall mehr erreicht, als ich mir erträumt und erhofft hatte.

GaloppOnline.de: Hat sich das Abenteuer auch finanziell gelohnt.

Andreas Helfenbein: Da man bekanntlich nicht über Geld spricht, belasse ich es damit und sage nur mehr als das.

GaloppOnline.de: Werden Sie wieder dorthin gehen?

Andreas Helfenbein: Ja, ich denke schon. Ich habe meine Lizenz jedenfalls schon beantragt, könnte aber auch sofort nach Australien gehen, dort umsonst wohnen und hätte zudem einen Manager an meiner Seite. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten. Ich liebäugele zudem mit einem dreimonatigen Aufenthalt in Hong Kong.

GaloppOnline.de: Wie hat die örtliche Presse auf Ihre Erfolge reagiert?

Andreas Helfenbein: Das war interessant. Anfangs begegnete man mir mit Vorbehalten, später lobte man mich in den Himmel. Insgesamt gesehen, also sehr positiv.

GaloppOnline.de: Sie waren auch in Hong Kong im Einsatz. Wie groß ist der Unterschied zwischen dem dortigen und dem Macau-Sport?

Andreas Helfenbein: Der Hong Kong-Sport ist eine ganze Klasse besser. Die Rennen werden dort viel ruhiger gelaufen, wobei jeder Reiter auf den anderen aufpasst, also sehr diszipliniert agiert, zumal die Stewards als sehr streng gelten. Dagegen geht es in Macau doch lockerer zu.

GaloppOnline.de: Zum direkten Duell mit dem in Hong Kong reitenden Torsten Mundry ist es aber nicht gekommen?

Andreas Helfenbein: Nein, leider nicht. Jeder ritt an diesem Tag in einem anderen Rennen. Torsten, der ja so viel für mich beim Zustandekommen meines Aufenthaltes in Macau getan hat, habe ich öfters gesprochen. Wir waren zudem in ständigem telefonischen Kontakt.

GaloppOnline.de: Macau ist vorbei, Deutschland steht an. Welche Erwartungen haben Sie an die Saison?

Andreas Helfenbein: Ohne irgendetwas beschönigen zu wollen, lässt sich sagen, dass ich zwei sehr gute Ställe mit Peter Rau und Uwe Ostmann im Rücken habe. In diesen Quartieren stehen zahlreiche Pferde, für die der Begriff gutes Material gilt. Also Kandidaten für bessere Rennen darstellen. Als Stalljockey bei Peter Rau rangieren dessen Pferde natürlich obenan. Mit dessen und Ostmanns Pferden stehen die Chancen, meine letztjährige Bilanz von 56 Siegen zu verbessern, bestimmt nicht schlecht.

GaloppOnline.de: Wann haben Sie den Dienst bei Peter Rau in Herzebrock aufgenommen?

Andreas Helfenbein: Wie ausgemacht, war der 1. März das Datum zum Dienstantritt, wobei ich dort ja kein Neuland betrete, weil ich dort ja schon einmal für eine gewisse Zeit gearbeitet habe.

GaloppOnline.de: Welchen Eindruck haben Sie von den dort stationierten Pferden gewonnen?

Andreas Helfenbein: Einen mehr als guten. Da stehen Rennpferde im Stall. Ich bin mir sicher, dass dem Trainer ein gutes Jahr ins Haus steht.

GaloppOnline.de: Wo liegen ihrer Ansicht nach die Stärken im Lot?

Andreas Helfenbein: Man kann wirklich nicht sagen, dass beispielsweise die Zweijährigen besser als die Dreijährigen und Älteren sind oder umgekehrt. Meiner Meinung nach ist das Aufgebot ein komplett starkes Team, das in allen Jahrgängen bestens gerüstet ist. Aus diesem Grund bin ich ja auch so optimistisch, was die Saison 2004 anbelangt.

GaloppOnline.de: An welchem Tag reiten Sie bei Uwe Ostmann aus?

Andreas Helfenbein: Entweder am Montag oder am Samstag mache ich mich auf den Weg nach Mülheim zu Uwe Ostmann, mit dem ich im Übrigen keinen Kontrakt eingegangen bin. Je nachdem, wie ich bei Peter Rau eingeplant bin, wird entschieden, an welchem Tag ich in Mülheim ausreite. Muss ich samstags nach Halle, ist eben der Montag dran.

GaloppOnline.de: Haben Sie inzwischen eine feste Bleibe?

Andreas Helfenbein: Derzeit bin ich bei meinem Kollegen Andre Best untergekommen, werde aber zum 1. April ein Appartement in Rheda-Wiedenbrück beziehen, gut fünf Minuten vom Stall weg.

GaloppOnline.de: Was geschieht, wenn Rau- und Ostmann-Pferde aufeinandertreffen?

Andreas Helfenbein: Die Lage ist eindeutig. Als Stalljockey bei Peter Rau reite ich natürlich dessen Pferd, zumal mit Uwe Ostmann kein fester Vertrag, weder schriftlich noch mündlich, besteht. An die letztjährige Zusammenarbeit, die ja in einer Super-Saison endete, erinnere ich mich jedenfalls gerne.

GaloppOnline.de: Der März brachte zwei rennfreie Samstage, wie denken Sie darüber?

Andreas Helfenbein: Eine ganz traurige Entwicklung. Normalerweise hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon Mittwoch-Renntage. Ich hoffe, dass es dem Sport bald wieder besser geht.

GaloppOnline.de: Es gibt Stimmen, die dem Rennsport hierzulande kaum noch Chancen geben.

Andreas Helfenbein: Das sehe ich anders. Die Wirtschaft macht derzeit eine schwache Phase durch, dementsprechend geht es dem Rennsport. Aber inzwischen gibt es diverse Aktivitäten, wie zum Beispiel Raze TV, um der Entwicklung entgegen zu steuern. Vielleicht bekommt der Rennsport auf diese Weise wieder die Kurve. Vielleicht muss auch verkleinert werden, so dass es neben den beiden Meeingsbahnen noch fünf bis sieben Großbahnen gibt. Ich bin und bleibe Optimist, denke dass es in drei bis fünf Jahren wieder aufwärts geht.

GaloppOnline.de: Haben Sie den Sport in Deutschland verfolgt?

Andreas Helfenbein: Das auf jeden Fall. Ich war jeden Fall im Internet, hatte ja auch reichlich Zeit dafür.

GaloppOnline.de: Wird es anfangs schwer sein, an Ritte zu kommen?

Andreas Helfenbein: Nein, das denke ich nicht. Für den Renntag am kommenden Sonntag in Düsseldorf bin ich in sieben der acht Rennen dabei. Die Erfolge in Macau sind offensichtlich nicht untergegangen.

GaloppOnline.de: Ist die westfälische Provinz nicht eine Umstellung für einen Stadtmenschen wie Sie?

Andreas Helfenbein: Nein, ich bin sogar froh, aus der Stadt zu sein, auch wenn ich Köln liebe. Die Situation ist ja nicht neu für mich. In Köln bleibe ich ja auch von Freitag bis Montag.

GaloppOnline.de: Was bedeutet Ihnen die Tatsache, Mitglied im 'Club 1000' zu sein?

Andreas Helfenbein: In Macau konnte ich das Jubiläum feiern. Nach den ersten Jahren im Rheinland hätte ich nie damit gerechnet, jemals eine derartige Zahl zu erreichen, hatte sie auch nie als Ziel. Jetzt, wo ich es geschafft habe, betrachte ich es als besondere Auszeichnung und freue mich schon jetzt auf das Bild in der Krefelder Galerie.

(19.03.2004)