Günther Schmidt | GaloppOnline

Günther Schmidt

GaloppOnline.de: Wie oft fahren Sie aktuell zwischen England und Deutschland mit Pferden hin und her?

Günther Schmidt: Über das Jahr gesehen ist rund alle 38 Stunden ein Taxi4Horses Lkw auf dem Weg von oder nach England.

GaloppOnline.de: Merken Sie schon Auswirkungen des anstehenden Brexit oder ist es noch business as usual?

Günther Schmidt: Derzeit gibt es in der Abwicklung noch keine Auswirkungen, wobei wir uns seit rund einem Jahr damit beschäftigen, uns auf die möglichen Konsequenzen einzurichten, das heißt, wir prüfen zum Beispiel andere Routen. Man kann ja, wenn es nach Irland geht, auch ab Frankreich fahren, die deutlich längere Verweildauer auf der Fähre hat sich nach unseren Eindrücken und Rückmeldung der Gestüte nicht negativ auf die Pferde ausgewirkt. Ferner haben wir uns nach adäquaten englischen Transitstallungen in Nähe der Häfen umgesehen.

GaloppOnline.de: Reagieren Kunden schon anders, hier spielt die Psychologie ja durchaus eine Rolle?

Günther Schmidt: Tatsächlich nimmt das Thema einen immer größeren Raum ein, je näher der 29. März 2019 rückt. Wobei grundsätzlich keine Panik herrscht.

GaloppOnline.de: Welche Entwicklung erwarten Sie persönlich für Ende März, wenn der Brexit, auf welche Art auch immer, kommt?

Günther Schmidt: Für den Fall des geregelten Brexit gibt es eine Übergangsregelung ohne jegliche Veränderung bis Ende 2020 mit der Möglichkeit (für mich ist das eher eine Wahrscheinlichkeit) der nochmaligen zweijährigen Verlängerung. Ich persönlich hoffe noch immer, dass die Briten sich für den Rückzug vom Rückzug aus der EU entscheiden, denn ich bin der festen Überzeugung, dass England sonst der große Verlierer wird. Die Briten importieren, vom Warenwert gesehen, ungefähr doppelt so viel wie sie exportieren.

GaloppOnline.de: Haben Sie Ratschläge für Besitzer von Pferden, insbesondere Zuchtstuten, wie man mit dem Brexit umgehen kann?

Günther Schmidt: Nur der No Deal-Brexit ist von Bedeutung, in diesem Fall ist es anzuraten, aber auch die Regel, dass die Stuten bis Ende März in England beziehungsweise Irland ankommen. Ich gehe davon aus, dass im Falle eines No Deals einige Wochen chaotische Verhältnisse herrschen werden, bis sich dieses Szenario eingespielt hat. Da die Stuten in der Regel erst ab Mai/Juni wieder zurückreisen, sollte bis dahin eine Beruhigung eingetreten sein. Wichtig wird dann jedoch sein, welchen Drittland-Status England erhält. Ob eventuell Bluttests und Tupfer erforderlich werden, um die Pferde wieder nach Deutschland zurückzubringen.

GaloppOnline.de: Sie züchten selbst mit einigen Mutterstuten, schicken diese zur Bedeckung auch nach England und Irland. Haben Sie keine Bedenken?

Günther Schmidt: Grundsätzlich nein, denn es werden pro Jahr mehr als 27.000 Vollblüter zwischen England und dem restlichen Europa, im wesentlichen Irland und Frankreich, transportiert. Es wird eine Lösung geben, damit dieser Wirtschaftsfaktor im Wesentlichen ungestört erhalten bleibt. Daran haben alle Beteiligten, insbesondere aber auch der englische Verband BHA, ein enormes Interesse. Bei dem Stellenwert, den Pferderennen in England haben, kann dort auf breite Unterstützung, auch aus der Politik, vertraut werden.

GaloppOnline.de: Welche spezifischen neuen Regelungen wird es für das grenzüberschreitende Transportgewerbe geben nach einem Brexit?

Günther Schmidt: Grundsätzlich ist zu sagen, dass die deutschen Pferde auf dem Weg ins Ausland immer mit Gesundheitspapieren des Amtsveterinärs nach EU Standard unterwegs sind. Die englischen Behörden haben bereits angekündigt, dass für den Import nach England alles beim Alten bleibt. Für den Export aus England ist, wie zuvor beschrieben, elementar, welchen Status England erhält. Neue Regelungen wird es für den Transport von Vollblütern zwischen England-Frankreich-Irland geben, denn diese drei Länder haben seit den 1960er Jahren eine Ausnahmeregelung (TPA) vereinbart. Hier wird auf dieses Gesundheitspapier verzichtet, das ermöglicht eine weniger bürokratische und somit kürzere Transportplanung.

GaloppOnline.de: Ihr Fazit?

Günther Schmidt: Wie gesagt, ich vertraue darauf, dass England sich letztendlich für einen Verbleib in der EU entscheidet. Für den negativen Fall sind wir aber darauf vorbereitet, unsere Gäste auch weiterhin zuverlässig von und nach England zu transportieren.