Interview/Jockey Talks

Eugen-Andreas Wahler

GaloppOnline.de: Wie fällt Ihr Gesamtfazit der Derbywoche aus?

Eugen-Andreas Wahler: Das Kaufmännische werden wir am Freitag dieser Woche genau besprechen. Stimmungsmäßig war es in meinen Augen im Prinzip sogar überragend. Viele, mit denen ich gesprochen habe, haben mir gesagt, einen solchen Derbytag habe es lange nicht mehr gegeben. Es war niemand maulig wegen des Wetters, keiner war maulig wegen des Bodens. Dann der populäre Sieger, es hat alles dazu beigetragen, dass es in meinen Augen sehr gut war.

GaloppOnline.de: Wirtschaftlich war der Umsatz nicht zufriedenstellend.

Eugen-Andreas Wahler: Wir schauen uns alle Einnahmen und Ausgaben detailliert an. Aber es ist richtig, der Umsatz hätte besser sein können. Man hat als Veranstalter aber nur bedingt Einfluss auf den Umsatz. Sie können an der Renneinteilung schrauben, teils an den Zeiten, aber ob im Derby nun 13, 14 oder 18 laufen, das liegt außerhalb des Einflussbereichs. Von einem Mini-Derby zu sprechen, halte ich indes für falsch, das Derby ist doch kein Deut schlechter, nur weil da in diesem Jahr 13 Pferde gelaufen sind.

GaloppOnline.de:  Welche Dinge sind Ihnen explizit positiv in Erinnerung geblieben von der Woche?

Eugen-Andreas Wahler: Ich fand es bemerkenswert, dass die gesamte Spitze des Rennsports auf der Bahn und auch beim Derby-Dinner anwesend war. Ehrenpräsident Woeste, Präsident Vesper, Herr Vogel, Herr Ostermann, um nur einige zu nennen. Auch viele Rennvereinspräsidenten waren bei uns, das hat uns sehr gefreut.

GaloppOnline.de: Die Politik hat sich auch sehen lassen.

Eugen-Andreas Wahler: Richtig, der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher war live vor Ort. Ein ungeschriebenes Gesetz in Hamburg ist, dass wenn der Bürgermeister kommt, dann kommt der zuständige Senator nicht. Der Innen- und Sportsenator Andy Grote hat uns aber dennoch besucht und kurzerhand einen privaten Besuch draus gemacht, mit Frau und Kinderwagen. Auch DFB – Präsident Reinhard Grindel war privat hier. Wir waren mit dem Besuch an prominenten Gesichtern zufrieden und können überhaupt sagen, dass das gesellschaftliche Rahmenprogramm bestens war.

GaloppOnline.de: Wie sehen Sie die Fernsehpräsenz?

Eugen-Andreas Wahler: Das war mehr als nur ein Mosaikstein einer guten Woche, das war schon ein Backstein. Es gab jeden Tag Berichte im NDR, das Derby lief in ARD und ZDF, das Seejagdrennen hat sogar international gewaltigen medialen Anklang gefunden, das ist richtig gut angekommen. Kurzum: ich fand die TV-Präsenz bemerkenswert.

GaloppOnline.de: Die zwei verunglückten Pferde haben die Stimmung arg getrübt, aber man hatte den Eindruck, dass es am Derby-Wochenende nicht mehr das große Diskussionsthema war.

Eugen-Andreas Wahler: Natürlich haben uns die Unfälle geschockt, das ist doch klar, jedes verletzte Pferd ist eines zu viel. Aber die Diskussionen haben sich in den Tagen nach den Unfällen ausgeschlichen. Wir wissen, dass so etwas überall und immer passieren kann. Wenn dann aber jemand sagt, er wisse genau, woran es gelegen hat, dann kann ich aus mehr als 50-jähriger Erfahrung nur sagen, dass es sich nur um einen Schlaumeier handeln kann. Die genaue Ursache kann niemand herausfinden.

GaloppOnline.de: Mit dem Blick zurück: würden Sie in der Renntagplanung der Derbywoche 2018 etwas anders machen?

Eugen-Andreas Wahler: Im Nachgang ist man immer geneigt zu sagen dass man viel hätte anders machen können, aber wir haben die Planungen ja unter Vorgaben durchgeführt: die Fußball-WM und die PMU. Natürlich war der Eröffnungstag am Freitag der schlechteste Tag, aber muss man da dann gleich sagen, den hätte man weglassen können, weil wenig Publikum da war? Die Zuschauer sind eine wichtige Komponente, aber wir müssen auch auf die Leistungsprüfungen schauen und auf die Besitzer. Vier Galopprennen weniger, das wäre nicht gut gewesen. Wirtschaftlicher Schaden ist ja nicht entstanden, die Rennpreise waren durch die PMU bezahlt.

GaloppOnline.de: Kann man aus solchen Tagen weitere Schlüsse ziehen?

Eugen-Andreas Wahler: Vielleicht muss man auf Dauer damit leben, dass die Zuschauer den Rennsport manchmal live vor Ort nicht mehr so annehmen wie noch vor Jahren. Es ist ja so: durch die heutige Technik versäumt man ja nichts, Sie können alle Rennen überall sehen, sogar auf dem Handy. Wir haben ja selbst erlebt, dass einige Besitzer nicht gekommen sind, weil sie wichtige Termine hatten, ihr Rennen haben sie aber alle gesehen.

GaloppOnline.de: 2019 findet die Beachvolleyball-WM während der Derbywoche statt.

Eugen-Andreas Wahler: Da habe ich wenig Angst vor. Das spielt sich im Tennisstadion am Rothenbaum ab, ich hätte mehr Bedenken, wenn es einen Marathon gäbe mit 42 Kilometer Straßensperrung. Es ist in einer Großstadt an der Tagesordnung, dass es Konkurrenz gibt. Weder kann man der Stadt vorwerfen, dass sie eine solche WM stattfinden lässt, wenn Derbywoche ist, noch können wir deswegen terminlich nach vorne oder hinten ausweichen. Da spielen viel zu viel Faktoren im internationalen Rennkalender eine Rolle, das geht nicht. Also: ich habe da keine Bedenken, dass uns das negativ beeinflussen wird.

(13.07.2018)