Interview/Jockey Talks

Dr. Michael Vesper

Sport-Welt: Wann und wie haben Sie von der Bundesrats-Entscheidung erfahren?

Michael Vesper: Ich saß im Zug vom Tegernsee nach Berlin und habe die Bundesratsdebatte live im Fernsehen verfolgt. Als dann Tagesordnungspunkt 4 mit dem Jahressteuergesetz durch war und damit die Änderung des Rennwett- und Lotteriegesetzes endgültig verabschiedet, habe ich gleich eine Rundmail an meine Präsidiumskollegen abgesetzt.

Sport-Welt: Waren Sie zuvor positiv gestimmt oder hatten Sie Bedenken?

Michael Vesper: Nachdem der Bundestag das Gesetz schon am 7. November beschlossen hatte und ich in den Wochen danach bei den Ländern keinerlei Anstalten ausmachte, das Gesetz in den Vermittlungsausschuss zu verschieben, war ich schon optimistisch. Aber in der Politik weiß man nie, deshalb habe ich immer gesagt: Gejubelt wird erst, wenn alles in trockenen Tüchern ist.

Sport-Welt: Warum hat das Ganze so lange gedauert? Ihre Vorgänger strebten diese Regelung ja schon seit der Gesetzesänderung 2012 an.

Michael Vesper: In der Tat war es ein langer und steiniger Weg. Seit ich im März vergangenen Jahres zum DVR-Präsidenten gewählt worden war, verfolgte ich dieses Ziel. Natürlich wäre es aus heutiger Sicht einfacher gewesen, das Thema gleich 2012/13 zu regeln, als aufgrund der Herauslösung der Sportwetten aus dem staatlichen Glücksspielmonopol auch die Rennwettsteuer-Rückerstattung betroffen war. Jetzt, so viele Jahre später, erinnerte sich kaum noch jemand an die damaligen Zusagen. Und es fand ein fröhliches Verschiebespiel statt: Die Agrarminister der Länder unterstützten unser Anliegen in zwei Ministerkonferenzen, verwiesen aber auf den Bund, denn es handelte sich ja um ein Bundesgesetz. Im Bund war man sich nicht einig, ob das fachlich zuständige Landwirtschaftsministerium oder das für Steuern zuständige Finanzministerium die Initiative ergreifen sollte, und man zeigte auf die Länder, denn deren Haushalte sollten ja durch die Rückerstattung belastet werden. Die Länder wiederum gaben zu bedenken, dass es sich um eine Beihilfe handeln könnte, und rieten zum Weg über die EU. Und so weiter und so fort. Als dann das Bundesfinanzministerium endlich den Knoten durchhieb und die Gesetzesänderung mit Zustimmung des Landwirtschaftsministeriums in den Entwurf des Jahressteuergesetzes einfügte, gab es Widerstand aus einigen Länder-Finanzministerien. Die Ablehnung im Finanzausschuss des Bundesrates, die dann auch zu einem negativen Votum des Plenums im September führte, sorgte für helle Aufregung in unseren Reihen. Vielen waren die komplizierten Mechanismen der föderalen Gesetzgebung verständlicherweise nicht geläufig. Aber das BMF hielt Wort, und die Bundesregierung blieb bei ihrer Haltung, die dann auch der Bundestag und hier vor allem die Sprecher der Koalitionsfraktionen bestätigten. Ich habe die Gespräche nicht gezählt, die ich in den letzten eineinhalb Jahren in dieser Sache geführt habe, und ich bin vielen sehr dankbar, die uns unterstützt haben, vor allem Abgeordneten, Vertretern der Bundesregierung und Länder-Ministern und -Staatssekretären.

Sport-Welt: Was bedeutet das nun konkret, was da beschlossen wurde?

Michael Vesper: Dass künftig auch die Steuern, die Wettveranstalter mit Sitz im Ausland aufgrund von Wetten auf deutsche Pferderennen zahlen, zu 96 Prozent an die Rennvereine rückvergütet werden.

Sport-Welt: Steht schon fest, wie die Rennvereine an das Geld kommen, wie es verteilt wird? Es scheint ja eher schwierig, die Umsätze auf einzelne Veranstaltungsorte herunterzubrechen?

Michael Vesper: Dazu ist eine entsprechende Aufzeichnungspflicht auch für im Ausland ansässige Veranstalter von Sportwetten auf inländische Pferderennen verankert worden. Weil es immer wieder Missverständnisse gibt, zitiere ich die Stelle einmal wörtlich: „Der im Inland ansässige Buchmacher und der im Ausland ansässige Veranstalter von Sportwetten haben monatlich die Buchmachersteuerbeträge oder die Sportwettensteuerbeträge aufgeschlüsselt mitzuteilen, die für Wetten auf inländische Pferderennen angemeldet und abgeführt wurden.“ Und die Ausführungsbestimmungen sagen: „Enthält der anzumeldende Steuerbetrag Sportwettensteuer, die auf im Inland durchgeführte Pferderennen entfällt, hat der Steuerpflichtige als Anlage zur Steueranmeldung eine Aufstellung einzureichen, aus der die Steuerbeträge, aufgeschlüsselt nach dem jeweiligen Ort des Pferderennens, ersichtlich sind.“

Sport-Welt: Wie verhält es sich mit Rückerstattungen von Rennwettsteuer auf Wetten auf ausländische Rennen?

Michael Vesper: Die werden von der Neuregelung nicht erfasst. Das mag man bedauern, aber es widerspricht unserer Steuer-Systematik.

Sport-Welt: Mit welchen Beträgen, die dem Rennsport nun wieder zur Verfügung stehen, rechnen Sie?

Michael Vesper: Zu Beginn der Bemühungen des Rennsports vor sechs Jahren rechnete man noch mit etwa 1,5 Millionen Euro jährlich. Heute gehen unsere Fachleute von einem Betrag im hohen sechsstelligen Bereich aus.

Sport-Welt: Ist die Bande zur Politik durch die zahlreichen Diskussionen, die Sie geführt haben, enger geworden? Das wäre ja positiv…

Michael Vesper: Der Rennsport hat in der Politik mehr Freunde und Unterstützer, als man glaubt. Das habe ich bei meinen vielen Gesprächen gespürt, und das ist sehr positiv.

Sport-Welt: Nach dem Etappenziel: welche sind die nächsten Meilensteine, die Sie persönlich erreichen wollen?

Michael Vesper: Jetzt geht es erst einmal um das Schwarzbrot der finanziellen Sicherung der nächsten Saison. Darüber hinaus möchten wir die Gremien des Rennsports verschlanken, uns öffentlich besser aufstellen, auch durch einen allgemein verständlicheren Namen, und professionellere Bilder von dem wunderbaren Asset bereitstellen, über das wir verfügen: die Hochspannung auf unseren Rennbahnen.


 

(07.12.2019)