Barry Irwin | GaloppOnline

Barry Irwin

Sport-Welt: Was bedeutet der Name „Team Valor“?

Barry Irwin: Ich habe den Namen Valor (übersetzt Mut, Heldenmut, Anm. d. Red.) gewählt, weil es der am meisten zu bewundernde Zug eines großartigen Rennpferdes ist: in der Lage zu sein in einem Kampf zu gewinnen. Wir arbeiten in einer Syndikatsform, also sind wir ein Team. Das erklärt den Namen.

Sport-Welt: Wie viele Eigner sind an Bord?

Barry Irwin: Jede Partnerschaft hat eine komplett andere Konstellation. Alles in allem haben wir ungefähr 250 Partner. Einzelne Pferde können durchaus auch nur vier Partner als Eigner haben, oder auch schon einmal 20. Der Schnitt liegt ungefähr bei 12 Partnern je Pferd.

Sport-Welt: Was ist das Besondere an Team Valor?

Barry Irwin: Mein Versprechen an die Partner ist, dass wir versuchen, die besten Starter unabhängig vom Pedigree zu finden. Wir fokussieren auf Talent. Wir tun darüber hinaus unser Bestes, diejenigen Trainer zu unterstützen, die Pferde sauber ohne Rückgriff auf leistungssteigernde Substanzen laufen lassen. Wir schauen in alle Ecken der Welt um Talente zu entdecken und unsere Pferde sind sogar schon aus Ländern wie Simbabwe und unsere Zuchtstuten aus fernen Ländern wie Thailand gekommen.

Sport-Welt: Warum halten Sie Besitzergemeinschaften für wichtig?

Barry Irwin: Der Rennsport ist extrem wettbewerbsintensiv, aber außerhalb des „playing fields“ der Rennbahn haben alle Besitzer etwas gemeinsam, also gibt es da eine starke Bande zwischen Rennsportleuten, die ihnen erlaubt die zahlreichen Herausforderungen des Sports zu stemmen, die beispielsweise von denjenigen kommen, die für die Verwaltung und Steuerung des Sports verantwortlich sind bis hin zu denjenigen, die über den Sport schreiben.

Sport-Welt: An welche Siege erinnern Sie sich besonders?

Barry Irwin: Das Santa Anita Handicap 1989 zu gewinnen, also jenes Rennen, das durch Seabiscuit in Zeiten der Großen Depression Berühmtheit erlangt hat, hatte den größten Einfluss auf mich. Vor allem auch deshalb, weil wir dieses mit einer Million Dollar dotierte Gruppe I-Rennen mit einem Pferd gewinnen konnten, das eine 60.000 Dollar-Ausmusterung von Scheich Mohammed war. Wir mussten 40.000 Dollar investieren, um eine Startberechtigung zu bekommen und die Quote war über 50:1. Das Rennen wurde zudem auf meiner Heimatbahn gelaufen in meiner Nachbarschaft und ich bin in dieser Gegend aufgewachsen, deswegen war das alles ganz besonders für mich, very special. Meine Frau musste mich zur Nachfeier nach dem Rennen führen, weil ich so wackelig und emotional berührt war.

Sport-Welt: Welche Niederlage hat lange an Ihnen genagt?

Barry Irwin: Nach Zielfoto im 1997er Kentucky Derby mit Captain Bodgit geschlagen zu sein, der gegen den späteren 1998er Dubai World Cup-Sieger Silver Charm verlor. Unser Jockey wurde auf den letzten 100 Metern überlistet, als der cleverere Reiter mit seinem Pferd zu unserem Pferd hinüberlief, ihm Boden geklaut und damit unseren Jockey gezwungen hat, ihn aufzunehmen und Schwung zu verlieren. Unser Hengst sollte dieses Rennen gewonnen haben.

Sport-Welt: Wie werden Entscheidungen über Pferde und deren Starts getroffen, gibt es hier ein Entscheidungsgremium?

Barry Irwin: Wenn wir ein Pferd kaufen, spreche ich mit dem Trainer und wir setzen die Ziele für jedes einzelne Pferd. Die Rennen für die meisten Pferde sind offensichtlich und erfordern keine großen Diskussionen, aber wenn sich die Bedingungen ändern und die Pferde sich entwickeln, sprechen der Trainer und ich diese Aspekte und kommen gemeinsam zu einer Entscheidung zu Änderungen im Plan oder in den Zielen. Es ist selten, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt, aber sie kommen vor. Meistens rund um die Frage des vom Pferd bevorzugten Bodens oder der Distanz des betreffenden Rennens. Dieses ganze Spiel ist immer ein „trial and error“. Manchmal habe ich Recht, manchmal auch der Trainer. Aber meistens machen die Pferde es von sich aus richtig und da ist gar nicht so viel menschlicher Einfluss als manch einer vielleicht denken mag.

Sport-Welt: Nach welchen Kriterien werden Pferde, die Sie kaufen, ausgesucht?

Barry Irwin: Ich versuche Pferde zu kaufen die in Bewegung sind. Denn wenn ein Pferdemann ein Pferd in der Bewegung sieht, hat sich die allerwichtigste Frage beantwortet. Obwohl ich auch schon Champions gezüchtet und ungelaufene Pferde gekauft habe, die Klassepferde geworden sind, suche und kaufe ich bevorzugt Pferde, die schon einmal oder zweimal gelaufen sind, weil das den Großteil des Risikos minimiert, ein Pferd das Können hat und dem Training standhält. Meine Erwägungen sind in exakt dieser Reihenfolge der Wichtigkeit: Schritt, Talent, Temperament, Körperbau und Pedigree. Wir haben uns einen Namen gemacht, Talente zu Lasten des Pedigrees zu kaufen, wir haben an diesem Plan festgehalten und es hat sich ausgezahlt.

Sport-Welt: Wie viele Pferde stehen aktuell im Besitz von Team Valor und in welchen Ländern werden diese trainiert?

Barry Irwin: Wir haben aktuell 50 Pferde in Training. Wir verschieben unseren Fokus weg von den USA hin nach Europa, also werden sich die folgenden Zahlen in den kommenden zwei Jahren dramatisch verändern. Aber im Augenblick haben wir in den USA 25 Pferde, in Südafrika 8, Frankreich 8, Deutschland 3, England 3 und Irland 3.

Sport-Welt: In wie vielen Ländern waren Sie schon auf der Rennbahn?

Barry Irwin: Wir sind gelaufen in den USA, Kanada, Argentinien, Brasilien, Uruguay, Chile, Australien, Japan, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi Arabien, Südafrika, Zimbabwe, England, Irland, Frankreich, Deutschland, Österreich, Schweiz, Schottland und Polen.

Sport-Welt: Wie sehen Sie die Entwicklung des Rennsports in den USA. Sie gelten als scharfer Kritiker des Dopings.

Barry Irwin: Dank des FBI haben die nationalen Behörden die Dinge selbst in die Hand genommen, weil die lokalen Staaten – wir haben ja davon 50 – vollkommen damit gescheitert sind, ihrer Aufgabe der Regulierung des Einsatzes von leistungssteigernden Substanzen - die zügellos im amerikanischen Rennsport eingesetzt wurden - nachzukommen. Zwei hochkarätige Trainer sind die ersten, die verhaftet und in Handschellen abgeführt wurden und denen man zahlreiche Vergehen vorwirft. Weitere sind in der Pipeline, über die wohl in den kommenden Wochen und Monaten ein Urteil fallen wird. Das alles wird hoffentlich eine abschreckende Wirkung auf andere Trainer haben, mit leitungssteigernden Substanzen zu betrügen. Aber die Kultur erfordert einen erdbebenartigen Wechsel und ich glaube nicht, dass es diesen noch zu meinen Lebzeiten geben wird. Also habe ich entschieden, in Europa laufen zu lassen, wo der Sport immer noch etwas bedeutet, was er in den USA seit mindestens 25 Jahren nicht mehr tut.

Sport-Welt: Läuft Europa den USA den Rang ab?

Barry Irwin: Hat Europa schon, weil in Europa die Kultur korrekt ist. Das einzige, was die USA über Europa stellt, ist das Preisgeld, welches über die Totowetten generiert wird. Weil Buchmacher illegal sind, geht ein Prozentanteil von jedem gewetteten Dollar in das Preisgeld. Wenn Europa in der Lage ist, diese Formel einzuführen, wird sich das Preisgeldniveau drastisch ändern und mehr Besitzer anziehen.

Sport-Welt: Was schätzen Sie an Deutschland und dem hiesigen Rennsport? Sie lassen ja nicht ohne Grund Pferde auch hier trainieren.

Barry Irwin: Ich mag das Rennprogramm, die geringere Betonung auf den Start von Zweijährigen und den Fokus auf Rennen auf längeren Strecken. Deutschland hat sehr ernstzunehmende, fleißige und engagierte Züchter, die ein wundervolles Produkt hervorbringen. Die Rennbahnen sind in meinen Augen ein wenig old-fashioned, aber das zieht mich irgendwie an. Was ich wirklich mag ist die Kultur der Rennsport-Leute. Sie lieben wirklich das, was sie tun. Und die Deutschen sind die zuvorkommendsten Menschen die ich in ganz Europa kennengelernt habe. Ich mag im Besonderen unsere Verbindung zu Andreas Wöhler und seiner Frau Susanne.“

Sport-Welt: Was ist das wichtigste Kriterium, damit eine Besitzergemeinschaft erfolgreich sein kann?

Barry Irwin: Es sind viele Aspekte, die ein Rennsportsyndikat erfolgreich machen. Es beginnt mit dem Kopf an der Spitze, der in erster Linie eine Vision haben muss, die effektiv ist. Zweitens, muss der Manager das Vertrauen seiner Kunden haben und das kann nur erreicht werden, wenn der Manager mit seinen Kunden ehrlich und geradeheraus ist sowie immer wieder Pferde aussucht, die gewinnen. Newsletter, Partys, Stalltouren und andere Aspekte und Nebenleistungen gehen nur so weit: es muss am Ende einen Preis geben oder niemand wird erneut mit dabei sein.

Sport-Welt: Sie zielen ja verstärkt auf die „Big Points“, andere Besitzergemeinschaften tummeln  sich mehr in den Handicaprennen. Ist das für das Management der Gemeinschaft etwas anderes?

Barry Irwin: Es gibt viele Arten das Spiel zu spielen. Ich habe immer für Wertsteigerungen gespielt anstatt für Preisgelder. Man kann mehr Geld verdienen wenn man ein Pferd verkauft als ein Pferd beim Rennen verdienen kann. Also ist das, was wir mit einem Pferd machen, folgendes: der Aufbau einer Marke oder eines Profiles, das dazu führt, dass es beim Verkauf mehr Wert hat.

Sport-Welt: Was zeichnet einen guten Trainer aus, der das Vertrauen des Team Valor bekommt?

Barry Irwin: Ich möchte einen Trainer, der genug Selbstvertrauen hat, mir schlechte Nachrichten so schnell wie möglich zu überbringen, so dass ich in die Lösung aller Arten von Problemen eingebunden werden kann. Die meisten Trainer sind engagierte Pferdeleute und talentiert. Nur einer oder zwei stechen in welchem Schauplatz auch immer heraus. Also bekommen die, die gewillt sind, die Wahrheit zu sagen mein Geschäft.

Sport-Welt: Welche Pferde sind die großen Hoffnungen für 2020?
Wir haben fünf Pferde, die besonders oder zumindest möglicherweise besonders erscheinen. Technician war der Top-Steher letztes Jahr in Frankreich und übertrifft sich selbst bei schwerem Boden. Spanish Mission ist nicht weit von ihm weg, aber er benötigt festen Boden. Axana in Deutschland ist meine persönliche Favoritin und wir hoffen dass wir in dieser Saison in England oder Frankreich angreifen um ein nettes Rennen zu schnappen. Emoji haben wir in Deutschland gekauft in der letzten Saison, sie hat jetzt ein Guineas-Vorbereitungsrennen auf Listenebene in Frankreich gewonnen, sie wird wohl zur Diana im August nach Deutschland zurückkommen. Und Silence Please, ungeschlagen bei zwei Starts für Jessica Harrington in Irland, scheint als Stute aus dem ersten Jahrgang von Gleneagles Oaks-Potenzial zu haben.

Sport-Welt: Haben Sie auch einen „heimischen Mumm“, in den USA?

Barry Irwin: Ja, ein drei Jahre alter Hengst aus dem berühmten ersten Jahrgang von Constitution, er heißt Gouverneur Morris, ist eine solide Kentucky Derby-Hoffnung aus dem Stall von Todd Pletcher. Er soll seinen nächsten Start am 2. Mai im Arkansas Derby absolvieren. Er ist möglicherweise Top-Class!