Im Aufmacher-Titel von Frankreichs Rennsportzeitung Nummer eins, dem „Paris-Turf“, ging es in der Donnerstags-Ausgabe ausnahmsweise einmal nicht um Pferde. In großen Lettern wurde sinngemäß die Frage gestellt, ob die Pariser Rennbahn Saint-Cloud vor dem Aus stehen würde. Was natürlich für reichlich Gesprächsstoff sorgte. Nicht nur in der Metropole Frankreichs.
Es ist nicht das erste Mal, das so etwas passieren würde. Vor rund 20 Jahren traf es die Rennbahn in Evry an der Peripherie von Paris. Sie wurde geschlossen, Häuser wurden auf dem Areal errichtet. Hierzulande wurde vor mehr als zehn Jahren die Rennbahn in Gelsenkirchen-Horst geschlossen. Auch auf der Bahn, wo früher vor allem der Aral-Pokal (Gr.I) die Massen bewegte, stehen nun Häuser mit Wohnungen. Ganz aktuell versucht man die Rennbahn in Frankfurt auszuradieren, ein Kompetenzzentrum für den Deutschen Fußball-Bund soll demnächst in Niederrad entstehen.
Apropos Fußball. Vor zwei Jahren war es der von Katar finanziell mächtig unterstützte Fußballklub Paris Saint-Germain, der größtes Interesse zeigte, auf dem Areal der Rennbahn in Saint-Cloud ein Trainingszentrum zu errichten. Man wolle das Gelände kaufen, hieß es kurz und knapp, doch lief dieser Vorstoss letzten Endes relativ schnell ins Leere.
Nun steht die oberhalb der Seine gelegene Rennbahn erneut im Fokus. Die für den Wohnungsbau zuständige Ministerin Sylvia Pinel möchte, dass auf der jetzigen Rennbahn in Saint-Cloud rund 6.000 Wohnungen gebaut werden sollen. Die Wohnungsnot in Paris sei immens, das Rennbahngelände sei bestens dafür geeignet, dass dort gewaltige Bauten entstehen können. Die Stadt Paris sei bereit, dass Gelände zu kaufen. Es gäbe, so Sylvia Pinel, rund 20 Planungen für die Errichtung von Wohneinheiten in und um Paris, dazu gehöre das Gelände der Rennbahn in Saint-Cloud.
Eigner der Rennbahn in Saint-Cloud ist France Galop. Deren Präsident, Bertrand Belinguier soll nach einem ersten Statements von diesem Vorstoss von Sylvia Pinel nicht unterrichtet worden sein. Schließlich ließ Belinguier kurz darauf über Thierry Delegue, Direktor von France Galop, schnell verlauten, dass das Rennbahngelände in Saint-Cloud unverkäuflich sei.
Mit dem Bürgermeister von Saint-Cloud, Eric Berdoati, hat der Rennsport einen wichtigen Partner im Boot. Er stemmt sich vehement gegen den Vorschlag, dass das Rennbahngelände in Saint-Cloud Wohnungseinheiten weichen soll. Die in einem großen Park gelegene Bahn sei eine von zwei ganz wichtigen sogenannten grünen Lungen in Paris und somit unverzichtbar für die Bürger der Frankreich-Metropole. Man könne an dieser Stelle kein neues Ghetto errichten. Außerdem würden zahlreiche Bauten auf dem Gelände unter Denkmalschutz stehen. Man werde die Diskussionen in den nächsten Wochen genauestens verfolgen. In dieser Saison sind insgesamt 26 Renntage in Saint-Cloud geplant, darunter drei Gruppe-I-Prüfungen.













