Daten-Skandal erschüttert den US-Rennsport

Gerüchte machten bereits die Runde, doch am Montag wurde es konkret, Amerika hat mal wieder einen faustdicken Skandal im Galopprennsport zu verkraften und das in einer Zeit, wo der Sport ohnehin unter Druck steht.

Die Horseracing Integrity and Safety Authority (HISA), eine private Selbstregulierungs-Organisation, die 2020 gegründet wurde, um den Rennsport in den Vereinigten Staaten zu regulieren, hat Anklage gegen Pferdebesitzer Marshall Gramm erhoben.

Gramm, ein Gründungspartner von Ten Strike Racing, ist nicht nur Pferdebesitzer, er ist auch ein bekannter Wetter und Handicapper sowie Mitglied des Jockey Clubs. Er soll mehrfach gegen die HISA-Vorschriften verstoßen haben und sich unbefugten Zugriff auf vertrauliche Gesundheitsdaten von Pferden verschafft haben.

Er streitet alles ab, behauptet, die Informationen seien für ihn als Pferdebesitzer im HISA-System frei zugänglich gewesen: „Ich bin Hochschulprofessor und Datenanalyst, und das Sammeln und Analysieren großer Datensätze gehört seit jeher zu meiner beruflichen Tätigkeit; dazu gehört auch umfangreiche Arbeit mit Daten aus dem Pferderennsport.“

Am Montag dieser Woche gab es eine Pressekonferenz der HISA, darin erklärte HISA-Geschäftsführerin Lisa Lazarus dagegen, dass Gramm zu Recht Zugriff auf Informationen zu den Pferden gehabt hätte, die er derzeit besitzt, nicht jedoch auf andere Pferde. „Es steht außer Frage, dass er wusste, dass sein Handeln falsch und unethisch war und dass er gegen mehrere Vorschriften verstieß. Wir charakterisieren und verstehen dies als Marktbetrug, vergleichbar mit Insiderhandel. Er hatte Zugang zu Informationen, über die sonst niemand verfügte. Er war in der Lage, diese Informationen zu Geld zu machen, und besonders besorgniserregend und schädlich finden wir dies im Hinblick auf die Claiming-Pferde in dem Zeitraum, in dem er auf die Informationen zugreifen konnte, mit denen er diese Pferde beanspruchte.“

Mike Repole, einer der erfolgreichsten Großbesitzer der USA, meldete sich am Montag gleich über seinen X-Account ausführlich zu Wort, u. a. schrieb er: „Ich besitze seit über 20 Jahren Rennpferde. Heute ist einer der peinlichsten, widerlichsten und traurigsten Tage, die ich in diesem Sport erlebt habe.“

Repole fordert schon lange mehr Transparenz und dass die „Breaking News“ über einen X-Account vom Rennsport-Insider „Swift“ Sonntagabend an die Öffentlichkeit kamen, sei beschämend, da es schon lange Gerüchte gegeben hatte. Der Betreiber des Accounts müsse also unglaubliche Verbindungen zum Jockey Club und zur HISA haben, „das ist alles, was man wissen muss, in dem Zirkus, den wir Pferderennen nennen“, so Repole.

Für Repole, der gerne polarisiert und provoziert, ein gefundenes Fressen, denn er glaubt nicht, dass nur Gramm darin verwickelt ist, der Großbesitzer fordert seit Jahren, völlig neue Strukturen im Rennsport und ist ein Gegner der HISA. Er schließt seinen Tweet mit den Worten: „Ich liebe diesen Sport viel zu sehr, um den Mund zu halten. Ich habe 20 Jahre lang dafür gekämpft, und ich habe es satt, zuzusehen, wie sich immer dieselben Insider gegenseitig schützen, während die Leute, die diesen Sport finanzieren, wie Trottel behandelt werden.“

Einen ausführlichen Text hierzu lesen Sie in der Freitagausgabe der Sport-Welt.

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