Im Berufungsverfahren gegen seine Acht-Tage-Sperre nach Royal Ascot hat Christophe Soumillon eine ungewöhnliche Erklärung für seine Spurenwahl in den St James’s Palace Stakes geliefert. Der Belgier wies den Vorwurf zurück, mit seiner Reitweise den Trainingsgefährten Gstaad und dessen Reiter Ryan Moore bewusst unterstützt zu haben.
Soumillon erklärte, dass ihm beim Abgehen der Bahn eine größere Gruppe von etwa 50 Schulkindern an der Innenseite zu Beginn der Zielgeraden aufgefallen sei. Deshalb habe er sich im Rennen bewusst für eine etwas weitere Linie entschieden. Er habe verhindern wollen, dass sich Puerto Rico von den Zuschauern ablenken lasse und dadurch an Schwung verliere. Zudem verwies er darauf, dass der Hengst bei seinem Sieg in Longchamp auf den letzten 200 Metern deutlich nach außen gehangen habe. Auch deshalb habe er die äußere Linie bevorzugt.
Die Stewards waren nach dem Rennen zu dem Schluss gekommen, dass Soumillon mit seinem Manöver dem ebenfalls von Aidan O’Brien trainierten Gstaad den Weg an der Innenseite geöffnet habe. Dafür wurde der 45-Jährige wegen verbotener „Teamtaktik“ für acht Renntage gesperrt. Soumillon bezeichnete diese Darstellung vor dem Berufungsgremium als „absoluten Unsinn“. An der Innenseite sei seiner Ansicht nach ohnehin ausreichend Platz gewesen.
Darüber hinaus schilderte Soumillon, dass er sich während des Rennens mehrfach umgeschaut habe, nachdem er hinter sich immer wieder Geräusche von aneinander treffenden Hufen gehört habe. Gleichzeitig habe David Egan auf Power Blue ihn und Puerto Rico unter Druck gesetzt und in Richtung Innenrail gedrängt. Zudem habe Puerto Rico während des Rennens Atemgeräusche gemacht und mehr Druck erhalten als erwartet. Dass er solche Auffälligkeiten den Stewards hätte melden müssen, sei ihm nicht bewusst gewesen.
Die British Horseracing Authority hält dagegen an ihrer Sichtweise fest. BHA-Anwalt Louis Weston erklärte, die gewählte Spur ergebe für einen Reiter mit Soumillons Erfahrung keinen Sinn. Zudem habe der Belgier nach dem Rennen weder die Atemprobleme noch das Hängen des Pferdes erwähnt. Nach Auffassung der BHA habe Soumillon mit seiner Reitweise entweder bewusst Gstaad unterstützt oder dessen Chancen zumindest entscheidend verbessert.
Eine Entscheidung fiel am Freitag noch nicht. Die Berufungsverhandlung wurde vertagt und soll am Donnerstag mit den Schlussvorträgen sowie der Beratung des Gremiums fortgesetzt werden.











