Trainer- und Jockeyverband wehrt sich

Am Mittwoch dieser Woche sind in den sozialen Medien Gerüchte um eine angebliche Fehlverwendung von Mitteln für Bedürftige aus der Jockey-Unterstützungskasse laut geworden. Ein Trainer, der keinesfalls bedürftig sei, habe 1000 Euro erhalten, um „Dopingstrafen zu begleichen.“

Die Sport-Welt hat bei den Betroffenen nachgefragt. Es handelt sich um Trainer Peter Schiergen (Köln), dessen Pferd Epako 2017 in Frankreich wegen Nachweis des unerlaubten Mittels Kobalt disqualifiziert worden war. Die auferlegte Strafe (15.000 Euro) hat Schiergen längst akzeptiert und bezahlt, indes ist ein Rechtsstreit anhängig gegen den Hersteller eines verwendeten Futtermittels, welches mit „garantiert dopingfrei“ verkauft wurde, dennoch die Ursache des nachgewiesenen Kobalt ist.

Im Zuge dieses Rechtsstreites und keineswegs zur Bezahlung einer Strafe hat Schiergen 1.000 Euro Unterstützung des Trainer- und Jockey-Verbandes erhalten, die ohne Anforderung durch Schiergen auf dem Konto eingingen, im Januar 2018. Dies mit dem Hinweis, es sei eine Unterstützung im Rechtsstreit des Dopingverfahrens. Auf Nachfrage, so Schiergen, habe ihm Erika Mäder als Vorsitzende des Trainer- und Jockeyverbandes mitgeteilt, es handele sich um ein Standardvorgehen in derartigen Rechtsstreitigkeiten.

Das hat am Mittwoch auch Verbandsvize Christian von der Recke bestätigt, mit Verweis auf die Existenz zweier komplett getrennter Kassen. „Es gibt die so genannte Jockey-Unterstützungskasse, die von Spenden lebt, und die einen klaren Zweck hat: aus ihr werden Beerdigungen bezahlt, wenn Not herrscht, und es erhalten definierte bedürftige ehemalige Jockeys und Trainer jedes Quartal eine feste Summe als Unterstützungsleistung. Aus dieser Kasse ist nie auch nur ein Cent für etwas anderes bezahlt worden“, so Recke.

„Dann gibt es die Kasse des Trainer- und Jockey-Verbandes selbst, die sich vor allem aus Abgaben der Trainer und Reiter selbst speist. Früher wurde mit den Mitteln ein Rechtsanwalt bezahlt, der von allen Mitgliedern genutzt werden konnte im Falle juristischer Streitigkeiten. Die feste Bezahlung eines Anwalts wurde im Laufe der Zeit eingestellt und es wurde auf eine fallweise Unterstützung umgestellt, wenn es sich um einen für alle Trainer und Jockeys denkbaren Präzedenzfall handelt. Der vorliegende Fall des Streits mit einem Futtermittelhersteller, dessen Futter zu einem Dopingfall geführt hat, ist ein solcher Präzedenzfall. Deswegen gab es die Unterstützungsleistung. Neben derartigen Leistungen, die es jetzt erst zum zweiten Mal in den letzten Jahren gab, werden aus der Kasse des Verbandes beispielsweise auch Präsentkörbe, Blumensträuße oder ähnliches bei Geburtstagen finanziert. Das hat alles nichts mit eingehenden Spenden für Bedürftige in die Jockey-Unterstützungskasse zu tun, das sind zwei völlig verschiedene Sachverhalte.“

„Die Lösung mit dem Anwalt“, sagt Erika Mäder, „war uns am Ende zu teuer, da es nur eine telefonische Beratung war, deswegen haben wir umgestellt auf die fallweise Unterstützung nur in den Fällen, in denen alle Mitglieder durch eine Präzedenzentscheidung profitieren können. Wenn jemand des wissentlichen Dopings überführt ist, kommt eine Unterstützung natürlich nicht in Frage. Nur wenn die Unschuld erwiesen ist. Das alles wurde in einer Sitzung beschlossen. Es ist ein Unding, dass man uns nun derart mit Schmutz bewirft.“

Mäder konkretisiert die aktuellen Unterstützungen an Bedürftige: „Aus der Jockey-Unterstützungskasse werden im Moment acht Personen mit je 200 Euro monatlich unterstützt, bei Beerdigungen steuern wir in der Regel 1000 Euro als direkte Bezahlung an das Beerdigungsinstitut bei. Leider ist die allgemeine Spendenbereitschaft für diese Unterstützungskasse sehr traurig.“

In die Kasse des Verbandes, aus der die Unterstützung des Prozesses finanziert wurde, hat Peter Schiergen, wie alle Trainer und Jockeys, einbezahlt. „Wir erheben keine Mitgliedsbeiträge, es kommt alles aus Abgaben der Aktiven aus den Rennen. Noch einmal: beide kassen sind strikt getrennt. Die Jockey-Unterstützungskasse hat mit der Verbandskasse, um die es hier geht, nicht das Geringste zu tun.“

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