Saison-Auftakt am Mülheimer Raffelberg heißt heutzutage leider auch fast schon Saison-Halali, weil die Mülheimer vermutlich der finanziellen Not gehorchend nur noch dreimal im Jahr veranstalten können und die Saison auf der Bahn am Dreistädteeck am 11. Juli bereits wieder ausklingt.
Wehmütig wird sich der Rennsport erfahrene Turffan an die glorreichen Mülheimer Galoppsport-Zeiten erinnern, als im Frühjahr im Orakel der Dreijährigen die besseren Dreijährigen ihren ersten wichtigen Test über die Meile hatten, am 1. Mai Feiertag die 90 Kilo Pferde im großen Preis der Stadt Mülheim auf hochdotierter Ausgleich I-Ebene den besten Steher ausfochten, am Pfingstmontag traditionsgemäß unter den besten dreijährigen Ladys in der Diana über 2200 Meter die Stutenkönigin gekürt, oder im Herbst die beste Zweijährige zur Winterkönigin gekrönt wurde, um nur einigen frühere sporliche Hochkarätiger im Raffelberger Jahresprogramm zu nennen. Die klassische Linienführung und der Charme der Anlage sind in Müllheim geblieben, lediglich das Jahresprogramm ist sowohl sportlich als auch was die Anzahl der Termine anbetrifft leider extrem geschmolzen.
Der erste Termin des schlanken Mülheimer Saisonprogramms findet am kommenden Samstag statt. Und es ist eine bunte, sportlich recht anspruchvolle sieben Rennen umfassende Karte zusammen gekommen. Durch starke Felder mit bis zu 15 Teilnehmern sind wahre Wetträtsel zustande gekommen.
Sportliche Höhepunke sind um diese Jahreszeit natürlich zumeist die Maidenprüfungen für die Dreijährigen, aber auch in derselben Aufgabe für Ältere werden sich am Samstag einige Kandidaten am Start einfinden, für die die Sieglosenklasse nur kurze Zwischenstation in die besseren Handicaps sein dürfte.
Im Rennen für den Derbyjahrgang über 2200 Meter interessieren natürlich besonders die Vetreter der großen Ställe. Und die sind am Samstag reichlich vertreten. Der Karlshofer The Artist aus dem grandios agierenden Wöhler-Quartier, der Ittlinger Neffe vom Gruppe I-Sieger Neatico aus dem Stall von Waldemar Hickst und der Schiergen-Schützling Night Hawk, der zuletzt in Köln zwar schon Rennbahnluft geschnuppert hat, aber nach einer Ehrenrunde dem vorgesehenen Start fern bleiben musste, geben alle ihr Rennbahn-Debüt.
Empfohlen hat sich hingegen bereits der „Löwe“ Lips Areios, der beim Saisondebüt starker Dritter hinter dem im Derbymarkt heiß gehandelten Isidor war. Der Schlenderhaner Scaramuz konnte seinem guten Ruf beim Bremer Debüt noch nicht entsprechen. In jeden Fall empfiehlt sich bei dieser Prüfung, die jungen Teilnehmer im Führung zu inspizieren, um die finale möglichst richtige Wett-Entscheidung treffen zu können.
Im Sieglosen für die Älteren treten mit Mario Hofers Gamgoom und Sascha Smrczeks Nuri Bey zwei Vollblüter an, die im Winter auf Sand gezeigt haben, wie viel Potential in ihnen steckt. Schwer zu sagen, wer im Ziel vorne ist, aber die 1400 Meter könnten Nuri Bey etwas besser schmecken. Sportlich wertvoller ist noch der Ausgleich III über 1400 Meter, der aber völlig offen erscheint. Wenn Henk Grewes Caesarion gute Laune hat, dann kann er natürlich alle schlagen. Die Görlsdorfer Josefine aus dem Champion-Quartier von Markus Klug scheint die sicherere Wahl zu sein in diesem Handicap für die bessere Klasse, in dem zudem die Viererwette als Wettchance des Tages angeboten wird.
Im zweiten Ausgleich III des Tages über 2000 Meter, der ähnlich offen ist, lachen einen allenfalls Mario Hofers Magaluf, Sascha Smrczeks Bombelli, die Ittlinger Atiana aus dem Hickst-Quartier und ganz besonders Markus Klugs sensationell gezogener Proud Dancer ein wenig an. Vielleicht hat hier im Gegensatz zur Sieglosenprüfung für die Älteren der Stadtwald-Trainer gegen Sascha Smrczek die Nase vorne.










