Hamburgs Rennclub-Präsident Eugen-Andreas Wahler verschenkte bei der Pressekonferenz im Spiegelsaal des Casino Esplanade der Spielbank Hamburg keine Zeit. Unmittelbar, nachdem er rund 30 Journalisten begrüsst hatte, kam er schon auf den Punkt: „Meine Damen und Herren, wir vom Veranstalter des Deutsche Derbys brauchen Sie in diesem Jahr noch mehr als sonst.“ Der Aufruf war natürlich gemünzt auf die völlig neue Situation der Terminierung der Derby-Woche. „Bitte tragen Sie die Termine immer wieder nach außen“, bat der Präsident, der dann noch einmal kurz erläuterte, warum man in Hamburg gezwungen war, so zu handeln.
„Am ersten Juli-Sonntag wird traditionell das Deutsche Derby entschieden, in diesem Jahr ist dies der 1. Juli. Er ist auch der Tag des Endspiels der Fußball-Europameisterschaft. So hatten wir ursprünglich geplant, das Derby auf den 8. Juli zu verlegen. Der europäischen Pattern Commission wäre dies egal gewesen, aber England und Frankreich waren sich irgendwie nicht grün, hatten ein Problem und blockierten dann auch unser Anliegen. Nun waren wir gezwungen zu handeln, alles unter der Prämisse für das Produkt Pferderennsport und für das Publikum das Bestmögliche herauszuholen.“
Dass man die traditionelle Woche vor dem Derby nicht umsetzen konnte, hatte Eugen-Andreas Wahler schon früh im Jahr signalisiert. Die Sponsoren würden nicht mitspielen, wenn an diesen Tagen die Viertel- und Halbfinalspiele der EM stattfinden. Der Galopprennsport rücke dann ins zweite Glied zurück. Somit fiel vor wenigen Monaten die Entscheidung auf eine sicherlich, wie Wahler sich ausdrückte „gewöhnungsbedüftige Terminierung“.
Man startet also am Freitag, 29.Juni, über Samstag, 30.Juni, Sonntag, 1. Juli, Dienstag, 3. Juli, Mittwoch, 4. Juli und lässt das Derby-Meeting 2012 am Donnerstag, 5. Juli ausklingen. „Diese Terminierung der Derby-Woche 2012 ist ein Unikat“, so der Präsident noch einmal nachdrücklich.
Sechs Renntage wie immer, das rennsportliche Programm, auch wie immer. Nur halt, dass das Deutsche Derby nun bereits am dritten Meetingstag entschieden wird und dieser Höhepunkt nun in der Mitte der Rennwoche liegt. Der Montag wird rennfrei sei, da wird man sich intensiv um die Pflege des Geläufs kümmern. Der IDEE Große Hansa-Preis ist am Dienstag ein echter Höhepunkt, am Mittwoch und Donnerstag sind jeweils sechs Rennen im Programm integriert, die in Verbindung mit dem französischen Wettanbieter PMU ausgetragen werden.
„Wir haben somit eine wirtschaftliche Abfederung erreicht“, so Hans-Ludolf Matthiessen, der Schatzmeister des HRC. Auch das Deutsche Derby wird über die PMU in Frankreich zu bewetten sein. Matthiessen schätzt, dass die 13 mit der PMU ausgetragenen Rennen rund 100.000 Euro in die Kassen der Hamburger schwemmen wird.
Neu ist auch der Titelspsonsor des Derbys. Erstmals heißt es: Sparda 143. Deutsches Derby, nachdem es in den letzten drei Jahren IDEE Deutsche Derby geheißen hatte. „Keine Angst, Herr Darboven von IDEE Kaffee ist nicht ausgestiegen. Im Gegenteil, er hat das in den letzten drei Jahren mit Sparda gemeinsam gestemmt und wird dies auch weiterhin machen,“ so Eugen-Andreas Wahler. Was Albert Darboven nur deutlich bestätigte: „Wir übergeben mit der Namensänderung den Staffelstab an unseren Partner Sparda-Bank, unterstützen das hochkarätige Event aber natürlich auch 2012 als gleichwertiger Partner.
Vor drei Jahren stieg die in der Hamburger Region verankerte Sparda-Bank erstmals beim Derby-Meeting als Sponsoring-Partner ein. Damals unter dem Gesichtspunkt, eines der wichtigsten Sportereignisse in der Hansestadt zu unterstützen. „Seitdem sind die Sparda-Bank und das Unternehmen J.J. Darboven die bedeutendsten Säulen, auf denen Derby-Meeting ruht“, so Eugen-Andreas Wahler, der noch einmal untermauerte, dass ohne Großsponsoren ein Derby-Meeting nicht durchführbar sei. Ohne Wenn und Aber.
Am Derby-Tag will man abends relativ früh die Rolladen herunterlassen. „Das EM-Finale beginnt um 21 Uhr, wir werden entsprechend planen“, so der HRC-Präsident. An den letzten drei Renntagen bietet man den „Sattelplatz“ kostenfrei an, die Tribünenplätze werden vergünstigt angeboten. „Es werden After-Work-Renntage sein, der Beginn dürfte je nach Anzahl der Rennen zwischen 16 und 17 Uhr liegen“, so Hans-Ludolf Matthiesen, der noch einmal betonte, dass das sportliche Programm der Derby-Woche auf keinen Fall durch die veränderte Terminlage gegenüber dem Vorjahr geschmälert sei.
„Wir schütten wieder 3,5 Millionen an Renngelder aus. Das Deutsche Derby wird um die 780.000 Euro dotiert sein, wir halten somit auch das sportliche Niveau.“ Eugen-Andreas Wahler hob auch noch einmal die Bedeutung der Internationalität, vor allem im Deutschen Derby, hervor. „Der vor zwei Jahren im Derby angetretene Monterosso stieg vor wenigen Wochen zum Sieger im World Cup auf. Bei der anschließenden Berichterstattung über Monterosso war auch immer wieder vom Deutschen Derby in Hamburg die Rede. Im letzten Jahr war es auch medialer Sicht ein echter Glücksfall, dass der aus England im Besitz von Michael Owen stehende Brown Panther zum Derby angereist war.
Ich wünsche mir wieder einen Gast oder gleich mehrere aus dem Ausland. Sie sind herzlich willkommen und wir freuen uns auch, wenn sie gewinnen, wie vor zwei Jahren Buzzword. Natürlich freuen wir uns auch über einen deutschen Sieg, in diesem Falle sogar noch etwas mehr.“ Apropos Fußballstars: Auch 2012 gibt es einen Derby-Anwärter im Besitz eines prominenten Fußballers. Der von Andres Wöhler für Claudio Pizarro trainierte Black Arrow, bei dem auch Tim Borowski Mitbesitzer ist, steht aktuell nach seinem Sieg im Hannoverschen Derby-Trial weit oben unter den Derby-Kandidaten.
Dass man in diesem Jahr den Spannungsbogen bis zum Deutschen Derby natürlich nicht so aufbauen kann, wie es traditionell der Fall ist, lässt sich natürlich nicht von der Hand weisen. Auch ist man sich darüber im Klaren, dass an den drei Tagen nach dem Derby sich die Besucherresonanz in gewissen Grenzen halten wird. Doch man geht mit Mut und Optimismus in die Derby-Woche, die in der Tat „gewöhnungsbedürftige Terminierung.“











