Die Entscheidung fällt man nicht von heute auf morgen. Es ist vielmehr ein intensives Abwägen zwischen Trainer und Besitzer. Die in- und ausländischen Ausschreibungen für vierjährige und ältere Stuten werden – falls bereits publiziert – studiert, Schritt für Schritt wird man sich der Entscheidung, eine Klassestute ein weiteres Jahr in Training zu halten, näher kommen. Der Trend, es eine weitere Saison unter Rennseide zu versuchen, zeichnete sich in den letzten Jahren deutlich ab.
Doch dass sich dies aus sportlicher wie pekuniärer Sicht am Ende rechnet, ist sicher nicht immer die Regel. Aktuell kommt zum Beispiel aus England bzw. Irland die Nachricht, das man die mehrfachen Gruppe-I-Siegerinnen Ouija Board und Alexander Goldrun 2006 und somit als Fünfjährige noch in die Rennen schicken wird. Das ist dann aber eher doch die Ausnahme.
Global denken – lokal lenken: Ein Spruch, der auf sovielen Ebenen seine Wirkung nicht verfehlen sollte. Auch in der deutschen Vollblutzucht nicht, denn es ist schon ein klein wenig beängstigend, in welchem Maß der Ausverkauf der besten Stuten des Jahres 2005 über die Bühne lief. Mit Gonbarda, Anna Monda, Paita und Peaceful Love wechselten allein vier der hier vorgestellten 17 nach Gewinnsume erfolgreichsten Stuten des Jahres – In- und Auslandsgewinnsumme zusammengerechnet – in ausländischen Besitz.
Im Falle Paita war dies wenige Tage vor dem letzten Jahreswechsel der Fall gewesen. Natürlich lockt das große Geld und es ist auch nur zu verständlich, dass sich Besitzer und auch Züchter zum Verkauf entschließen. In den meisten Fällen wird ohnehin in den Galopprennsport reinvestiert. Doch diese Klassestuten sind der deutschen Vollblutzucht erst einmal verloren gegangen.
Mit Gonbarda (399.530 Euro Gewinnsumme) steht eine dreijährige Stute an der Spitze der erfolgreichsten in Deutschland trainieren Pferde. Nur Warrsan, den die Auenquellerin im Großen Preis von Baden den Vortritt lassen musste, kommt in der Endabrechnung auf eine höhere Gewinnsumme, wird aber in England von Clive Brittain trainiert. Mit Deutschland-Preis in Düsseldorf und Preis von Europa im Weidenpescher Park – beide Male saß Filip Minarik im Sattel – gehen zwei Gruppe-I-Rennen auf das Konto der von Uwe Ostmann trainierten Lando-Tochter, die darüber hinaus mit Alice-Cup auf der Derby-Bahn ein weiteres Gruppe-Examen gewann. Es wunderte eigentlich niemanden, als im Herbst die Meldung kam, dass Gonbarda in den Besitz von Sheikh Mohammed ging. Schließlich hatte der Großeinkäufer aus Dubai mit Gonfilia bereits die von Big Shuffle stammende Halbschwester in seinen Besitz gebracht.
Und sie enttäuschte ihn nicht, stieg in Godolphin-Farben zur Gruppe-Siegerin auf. Peter-Michael Endres, der zuletzt alleine im Besitz von Gonbarda war, kommte dem Angebot aus Dubai letzten Endes nicht widerstehen. Da Gonbarda in Dubai überwintert, macht es Sinn davon auszugehen, dasss sie auch 2006 ihre Rennlaufbahn fortsetzt.
Während Gonbarda jeden Euro hierzulande verdiente, rekrutiert die Gewinnsumme von Anna Monda (278.000 Euro) aus einem satten Auslandsgewinn. Es war eine rechnerisch europäische Spitzenleistung, die die vom Gestüt Brümmerhof gezogene Monsun-Tochter im Mitte Oktober im Premio Vittorio di Capua in Mailand zeigte. Die von Peter Rau trainierte Stute schlug auf dem San-Siro-Kurs in leichter Manier keinen Geringeren als Martillo.
Auf Platz drei kam mit Altieri ein Italiener mit Gruppe-I-Profil, die ebenfalls aus Deutschland angetretenen Klassemeiler Near Dock, Arrow oder Shapira waren ohne bessere Möglichkeiten. Anna Monda, die im Henkel-Rennen in den Farben ihrer Zuchtstätte bereits zur klassischen Siegerin aufgestiegen war, bekam für ihren Triumph im Premio Vittorio di Capua ein Timeform-Rating von 125 und wurde somit höher eingestuft, als die Irish Oaks und Prix Vermeille-Siegerin Shawanda. Diese Einstufung resultiert auch aus der Tatsache, dass Anna Monda in Mailand älteren, in hohem Timeform-Sektor stehenden Pferden das Nachsehen gab.
Wenige Tage vor dem Gruppe-I-Triumph war die Monsun-Tochter in den Besitz des japanischen Großbesitzers Teruya Yoshida gegangen. Ursprünglich war noch ein Hong Kong-Auftritt der Monsun-Tochter geplant, doch nahm man wegen eines Infektes Abstand von dieser Reise. Auch 2006 soll Anna Monda Seide tragen. Ihr Betreuer Peter Rau: „Es wurde mir deutlich signalisiert, dass Anna Monda auch im kommenden Jahr bei mir in Warendorf in Training bleibt.“
Hamburgs Diana-Siegerin Iota (205.903 Euro) hat hingegen längst den Rennstall von Peter Schiergen verlassen und überwintert in den Vereinigten Staaten. Dorthin reiste sie nach ihrem erfolglosen Start in den E P Taylor Stakes im kanadischen Woodbine. Ihre ersten drei Starts gestaltete die Tiger Hill-Tochter zu Siegen, nach dem Krefelder Maidentreffer gewann sie auf Anhieb mit dem Schwarzgold-Rennen eine Gruppe-Prüfung und schlug dann im Preis der Diana auf der Derby-Bahn wiederum mit Terry Hellier im Sattel North Queen, Indigo Girl und Gonbarda, stieg somit zur Gruppe-I-Siegerin auf.
Ihren ersten Auftritt jenseits der Grenzen hatte die Schlenderhanerin in den Yorkshire Oaks, wurde in einem Elitefeld gute Fünfte, knapp hinter der Epsom Oaks-Siegerin Eswarah. Der Auftritt in Longchamp am Tag des Prix de l’ Arc de Triomphe stand unter einem unglücklichen Stern, als Iota für den Prix de l’ Opera partout nicht in die Startbox zu bewegen war. Dann ging es wie bereits erwähnt zum Abschluß ihrer Karriere über den Großen Teich.
Derzeit steht die Schlenderhanerin auf der Millford Farm in Vollblutparadies Kentucky. Man hatte bereits vor einigen Wochen signalisiert, dass man gerne Giant’s Causeway als ersten Partner buchen möchte. Nun kommt aus Schlenderhan die Nachricht, dass Iota definitiv auf der Liste des Storm Cat-Sohnes steht.
Auf der Rennbahn gelang es Giant’s Causeway, den uralten Rekord von Nijinksy, dem als Dreijähriger fünf Gruppe-I-Siege in Folge gelangen, einzustellen. Auch im Gestüt schlug der Storm Cat-Sohn bombig ein. Aus seinem ersten Jahrgang stammen u.a. die Gruppe-I-Sieger Footstepsinthesand, Maids Causeway und Shamardal. Die Decktaxe von Giant’s Causeway, der auf der amerikanischen Ashford Farm der Coolmore-Gruppe deckt, beträgt für 2006 stolze 300.000 (2005 noch 200.000) US-Dollar.
Die Oaks d’ Italia-Siegerin Gyreka (203.000 Euro) hat nur wenige Euros weniger auf ihrem Konto. Die Kallisto-Tochter wandelte im großen Stuten-Klassiker der italienischen Turfsaison auf den Spuren von Nagoya und Meridiana, die Hans-Albert Blume ebenfalls in diesem Italo-Klassiker gesattelt hatte. Genau 200.000 Euro verdiente die Röttgenerin in Mailand, als sie mit Adrie de Vries im Sattel locker nach Hause kam.
Dann gab es noch einen Start im Großen Dallmayr-Preis von München, der ohne zählbare Ausbeute blieb. Die „Classic-Lady“ stammt aus der Zucht der Eheleute Berger, kam vor allem aus dem Grund in Röttgener Besitz, da sie von Kallisto stammt. Und dieser hatte im Millenniumsjahr das Derby Italiano in ganz großer Manier für Röttgen gewonnen. Der Sternkönig-Sohn debutierte zunächst in seinem Heimatgestüt, deckt aktuell in Ungarn.
Alida Blume, Tochter des Heumarer Coachs: „Gyreka kam noch einmal in die Entwicklung, so dass wir mit ihr die zweite Saisonhälfte ausließen. Sie wechselte vom Rennstall auf die Röttgener Koppeln und wird 2006 wieder in die Ereignisse eingreifen.“
Elopa (130.900 Euro) war 2005 die erfolgreichste ältere Stuten in deutschen Rennställen. Bei der Tiger Hill-Tochter lag es natürlich auf der Hand, dass sie auch als Vierjährige in Training bleiben würde. Erst im Oktober 2004 hatte Andreas Schütz Elopas erstmals herausgebracht, sattelte sie nach erfolgreichem Debut gleich im Prix de Flore in Saint-Cloud auf Gruppe-Ebene, wo sie ganz unglücklich unterlag, ehe sie sich noch ein Listenrennen in der Seine-Stadt schnappte.
Gleich zwei Gruppe-Treffer heftete die Gamshoferin dann 2005 an ihre Fahnen. Zunächst den Prix Allez France und anschließend den Prix Corrida, der bereits im Status einer Gruppe-II-Prüfung stand. Beide Mal war Andrasch Starke der Partner gewesen. Er saß auch im Sattel, als Elopa in den Pretty Polly Stakes auf dem irischen Curragh Kurs auf eine Gruppe-I-Prüfung nahm.
Elopa schlug sich als Dritte hinter Alexander Goldrun und Red Bloom bravourös, kam aber leider mit einem großen Schaden aus dem Rennen. Noch auf dem Geläuf musste ihr Steuermann absitzen. Nicht auszuschließen, dass es für die Tiger-Hill-Tochter ohne dieses Malheur zum große Wurf gereicht hätte. So endete die kurze, aber hoch erfolgreiche Rennlaufbahn schon tragisch. Die Stute blieb in Irland, wird dort in einigen Wochen einen Topstallion aufsuchen. Wer es ist, dies stand aktuell noch nicht fest.
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